„Senke den Blick, Schlampe“

Drei junge Männer gehen in Straßburg eine 22-jährige Studentin wegen ihrer unzüchtigen Kleidung an und schlagen sie. „Halt den Mund, Schlampe, senke den Blick und sei still“ ist eine ihrer klaren Ansagen. Etliche Passanten seien Zeugen des Vorfalls gewesen und keiner hätte eingegriffen. Nun herrsche in Frankreichs Öffentlichkeit große Empörung, wie deutsche Medien berichten.

Bei einem Umstand werden die Berichte allerdings etwas unscharf, nämlich dann, wenn es um das mutmaßliche Motiv der Täter geht. Da heißt es in deutschen Medienberichten (beispielsweise hier und hier, gelesen am Morgen des 24.09.2020) lediglich, es habe sich um einen „mutmaßlich sexistisch motivierten Angriff“ gehandelt. Doch woher kommt dieser Sexismus? Es dürfte sich bei den Tätern vermutlich nicht um eine Männergruppe handeln, die sich beim Erzählen von anzüglichen Altherrenwitzen gestört fühlte.

Um solche Fragen können sich verantwortliche Politiker aber gerade nicht kümmern, denn in diesem Falle sind erst einmal wichtigere Umstände in den Blick zu nehmen, wie welt.de berichtet:

„Die beigeordnete Ministerin im Innenministerium und Ex-Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, reiste am Mittwoch nach Straßburg, um sich dort mit Vertretern der Polizei und Präfektur zu treffen, um über einen besseren Schutz für Frauen zu sprechen. ‚Der Rock ist nicht für den Angriff verantwortlich und die Frau noch weniger‘, sagte Schiappa France Bleu. „Vielmehr handeln hier misogyne, sexistische, gewalttätige Menschen, die sich über jedes Gesetz und jede Verhaltensregel hinwegsetzen.“

Wäre es für die Debatte nicht dennoch hilfreich, zu erwähnen, dass es derzeit vor allem die Vertreter einer Religionsideologie sind, die glauben, sie müssten ihre Macht mit der Durchsetzung ihrer Kleidungsvorschriften demonstrieren und die Frauen in bestimmten Gegenden allein schon wegen eines fehlenden Kopftuchs angreifen? Nein, solche Debatten sind nicht mehr en vogue. „Wir“ sind folgsam, „wir“ sind still und senken den Blick.

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