Mit der Türkei „Jerusalem befreien“?

Zumindest in der Theorie ist die Türkei immer noch NATO-Partner und EU-Beitrittskandidat. Die herrschende AKP-Partei von Präsident Erdogan scheint das aber nicht mehr zu den zentralen Punkten türkischer Politik zu zählen. Dort trat als Ehrengast einer Parteikonferenz der Hamas-Chef Khaled Mashaal ans Rednerpult und rief dazu auf, gemeinsam Palästina und Jerusalem zu befreien. Eingeladen hatte ihn der türkische Ministerpräsident Davutoğlu. Die Parteimitglieder begleiteten die Rede mit begeisterten „Allah ist groß“ und „Nieder mit Israel“-Rufen. Allerdings muss man ein solches Gehabe im Westen nicht mehr anstößig finden, denn dieses Vorgehen der politisch Verantwortlichen in der Türkei lässt sich mit den Ansprüchen an einen  Verbündeten bei genügend gutem Willen in Einklang bringen. Den Anfang hat der Europäische Gerichtshof jüngst ja schon gemacht, als er die EU dazu verurteilte, die Hamas von der Liste der Terrororganisationen zu nehmen.

Der türkische Ministerpräsident Ahmed Davutoğlu ließ es sich jedenfalls nicht nehmen, den Ehrengast  höchstselbst bei der Parteiveranstaltung in seiner Heimatstadt Konya zu präsentieren. Dass er von den politischen Aussagen des Hamas-Chefs überrascht gewesen sein könnte, ist auszuschließen. Im Gegenteil, zur gegenwärtigen AKP-Linie passt es gut, wenn Mashaal die starke Türkei als Kraftquell für alle Muslime in der Welt preist.

Schließlich wurde Davutoğlu selbst auf der Parteiverantsaltung im neuen AKP-Wahlkampflied auf besondere Weise gefeiert, als „Enkel der Ottomanen“. Schöne Aussichten für Europa.

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