Koreanische Erzählungen zwischen allen Stühlen

Heimatlos

Erzählungen von Lee Hochol [Yi Hoch’ŏl]

Aus dem Koreanischen übersetzt von Heike Lee und Lee Tae Hoon/ Reihe Phönixfeder20/ OSTASIEN Verlag/ Paperback (23,0 x 14,0 cm), xiv + 289 Seiten/ 2013. € 21,80/ ISBN-13: 978-3-940527-71-4 (978-3940527714, 9783940527714) ISBN-10: 3-940527-71-8 (3940527718)

Dieser Buchtip bezieht sich auf ein Buch, das unserem Redaktionsbüro empfohlen wurde und das auch nach vorliegenden Rezensionen und Kritiken ein Werk ist, das auf unsere Literaturliste gehört. Und mit dem Hinweis wollten wir nicht warten, bis einer von uns dazu kommt, eine Rezension zu schreiben. Deshalb steht hier vorerst nur die Verlagsankündigung. Wenn Sie an dieser Stelle eine Rezension veröffentlichen möchten, schreiben Sie uns: info@sichtplatz.de

Der vorliegende Band bietet eine repräsentative Auswahl des erzählerischen Gesamtwerks Lee Hochols (*1932), eines der bekanntesten koreanischen Gegenwartsautoren. Geboren in Wonsan, einer Hafenstadt im heutigen Nordkorea, geriet Lee während der Wirren des Koreakrieges (1950–53) in den Süden des Landes und entschied sich, dort zu bleiben. So befasst er sich in den ersten vier Erzählungen dieses Bandes, die in den 1950er Jahren entstanden, mit der Thematik dieses Krieges. Im Zentrum der in diesem Band vorgestellten Prosa steht jedoch Lees Werk der 1960er und 1970er Jahre, jener Zeit, in der Park Chung Hee als Präsident der 3. und 4. Republik Südkorea in eine Entwicklungsdiktatur führte. Drei Erzählungen aus den 1990er Jahren runden diese Auswahl ab, in ihnen thematisiert Lee noch einmal eines der wichtigsten Anliegen seines gesamten literarischen Schaffens – die Verarbeitung der nationalen Teilung, des Traumas seiner Generation.

Im Februar 2013 wurde in Südkorea erstmals eine Frau in das Amt des Präsidenten eingeführt. Park Geun Hye ist die Tochter Park Chung Hees, jenes Mannes, der 1961 durch einen Militärputsch an die Macht kam und bis zu seiner Ermordung 1979 die Geschicke Koreas lenkte. An seiner Person scheiden sich die Geister: Ist er für die einen der Modernisierer par excellence, der „starke Mann“, der in dem zu Beginn der 1960er Jahre noch zu den ärmsten Staaten der Welt gehörenden Südkorea die Grundlagen für eine rasante wirtschaftliche Entwicklung legte, so sehen die anderen in ihm den brutalen Diktator, der Oppositionelle ins Gefängnis werfen ließ und selbst vor Folterungen und politisch motivierten Morden nicht zurückschreckte, unter dem Banner des Antikommunismus demokratische Grundrechte mit Füßen trat und politischen Gehorsam mit wirtschaftlichen Geschenken belohnte. Beide Sichtweisen spiegeln Realität wider, es sind die zwei Seiten einer Medaille – der sogenannten nachholenden Modernisierung.

Vor diesem politischen Hintergrund sind die in den 1960er und 1970er Jahren entstandenen Erzählungen dieses Bandes zu verstehen. Lee Hochol hält der Entwicklungsdiktatur den Spiegel vor – jenseits wirtschaftlicher Entwicklungspläne, beeindruckender Exportstatistiken oder erschütternder Berichte über Menschenrechtsverletzungen. Seine Protagonisten sind die „kleinen Leute“. Um ihr Denken und Fühlen, ihre Ängste geht es in seinen Erzählungen.

Für sein literarisches Werk erhielt der Autor in Korea zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Hyundai Literaturpreis (1961), den Tongin-Literaturpreis (1962) sowie den Orden für besondere Verdienste im Kulturbereich (2002).

http://www.reihe-phoenixfeder.de/rpf/020.html

 

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