Gaskunden zahlen 990 Millionen Euro mehr

Die Gasversorger haben sinkende Gaspreise im Sommer 2020 nicht adäquat an die Verbraucher weitergegeben. Eine Ursache könnte der politisch gewollte Preissprung zum Jahreswechsel aufgrund der neuen CO2-Abgabe sein. Mit dem im Sommer einbehaltenen Geld könnte der Preisanstieg zu Neujahr zum Teil abgefedert werden, um den Unmut der Verbraucher nicht allzu stark steigen zu lassen.

Millionen deutsche Gasverbraucher haben 2020 draufgezahlt, weil Versorger ihre sinkenden Einkaufspreise bei weitem nicht in vollem Umfang an ihre Kunden weitergegeben haben, meldet spiegel.de. Das gehe aus einer Analyse hervor, die der Branchendienst EnergyComment im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellt habe.

Die Verbraucherpreise für Gas seien demnach weniger stark als die Einkaufspreise im Großhandel gefallen, die im Sommer das tiefste Niveau seit Jahrzehnten erreicht hatten. Die Margen der Gaswirtschaft hätten sich dadurch von 3,05 auf 3,35 Cent pro Kilowattstunde ausgeweitet, heiße es in der Studie, die dem SPIEGEL vorliege.

Hätten die Versorger nach dieser Berechnung ihre Ersparnisse komplett an die Kunden weitergegeben, hätten die Verbraucherpreise für Gas um weitere fünf Prozent sinken müssen. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden hätte zusätzliche 60 Euro gespart. Hochgerechnet auf die gut 330 Terawattstunden Erdgas, die jährlich von Haushaltskunden verbraucht würden, kämen insgesamt 990 Millionen Euro an entgangenen Kostensenkungen zusammen.

Allerdings – und das dürfte den auftraggebenden Grünen vielleicht nicht gefallen – könnte die Preispolitik der Unternehmen nicht vordringlich der Profitmaximierung dienen. Studienautor Steffen Bukold sehe die zu hohen Preise u.a. darin begründet, dass ein Teil der einbehaltenen Kostensenkungen dazu verwendet werden könnte, den von der Politik verursachten Preisschub zum Jahreswechsel abzumildern.

Ab 1. Januar werden Unternehmen aus den Bereichen Wärme und Verkehr bekanntlich verpflichtet, Verschmutzungsrechte für die von ihnen in Umlauf gebrachte Energie zu kaufen. Pro Tonne würden zunächst 25 Euro fällig. Die CO2-Steuer werde den Einkauf einer Kilowattstunde Gas auf einen Schlag um 0,5 Cent verteuern, also um etwa zehn Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt würde das mindestens eine Zusatzbelastung von 120 Euro pro Jahr bedeuten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.