EU macht Ostsee-Hering unverkäuflich

Kaum ein deutscher Lebensmittelmarkt nimmt noch einheimischen Fisch ohne Nachhaltigkeits-Siegel ins Sortiment. Der Ostsee-Hering bekommt dieses Siegel nicht, obwohl er meist besonders nachhaltig gefangen wird. Der Grund: Die mit dem Hering beschäftigten EU-Beamten können sich nicht über die Kriterien zur Zertifikatsvergabe für den „westlichen Ostseehering“ einigen. Die deutschen Ostsee-Fischer geraten in Bedrängnis. Vor allem, weil die EU gleichzeitig keine Probleme hat, die Fangquoten für den Hering um 23 Prozent zu kürzen.

Im Sommer des letzten Jahres verkündeten die europäischen Herings-Wächter gute Nachrichten. Wegen der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Fischereipolitik hätten sich die Heringsbestände spürbar erholt. Zu dieser Nachhaltigkeitspolitik gehört auch das Siegel des Marine Stewardship Councils (MSC), dass unter anderem eine bestandsschonende und -pflegende Fischerei auszeichnen soll. Unter anderem geht es darum, dass möglichst nur der ausgesuchte Fisch aus dem Meer geholt wird, ohne allzu großen Beifang. Die an der deutschen Ostseeküste traditionell gepflegte Stellnetzfischerei gilt als hochselektiv und damit bestandsschonend und nachhaltig – trotzdem bekommen hier die Fischer das Siegel nicht, im Gegensatz zu den Kollegen von der Nordseeküste.

Um das Siegel zu bekommen, ist neben stabilem Fischbestand und geringer Umweltauswirkung der Fischerei jedoch auch noch der Nachweis des Fischmanagements vonnöten. Die Pflege der Bestände wird von den Ostseefischern auch geleistet, nur den Nachweis können sie nicht erbringen. Dazu müsste es von der EU festgelegte Kriterien zur Bewertung des Fischmanagements geben und die sind die EU-Beamten für den „westlichen Ostseehering“, um den es hier geht, bislang schuldig geblieben. Deshalb hat der kein Zertifikat, da können die ihm die Fischer noch so schonend zu Leibe rücken.

Ohne Zertifikat aber lässt sich der Fisch nicht vermarkten. Die Großabnehmer des Herings sind normalerweise die Hersteller von Tiefkühlprodukten und Konserven, doch die können an die meisten Handelsketten nur noch liefern, wenn sie auch das Siegel auf ihre Produkte drucken können. Die Verbrauchermärkte werben gern mit Nachhaltigkeit, schließlich kaufen die Kunden lieber mit gutem Gewissen ein.

Der Hering, der nun zwar nachhaltig gefangen wurde, aber dafür kein Zertifikat bekommt, wird mehr und mehr unverkäuflich und die Preise fallen. Eine Existenzbedrohung für die verbliebenen deutschen Ostseefischer, zumal die EU mit dem recht schnellen Beschluss einer Fangquotenkürzung um 23 Prozent keine Probleme hat.

Immerhin gibt es Druck auf die EU. Nicht von der deutschen Regierung, die die Interessen ihrer Fischer vertreten würde, aber aus Norwegen. Denn auch an Norwegens Küsten wird Ostseehering gefangen und um den in die EU verkaufen zu können, brauchen die Norweger auch ebendieses Siegel und drängen auf Regelungen. Die deutschen Ostseefischer können nur hoffen, dass sich die Norweger in Brüssel möglichst rasch durchsetzen.

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Bild: Hering mit Aussicht auf das Zertifikat. Heringsfischer im Atlantik, Quelle: http://www.nefsc.noaa.gov/femad/ecosurvey/acoustics/trawl%20pics/pages/Web-herring_catch-Sep2000_jpg.htm, Public Domain, US Government work.

 

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