Keine jüdischen Antisemitismus-Experten

Dass sich Antisemitismus auch ohne eine leibhaftige Begegnung mit Juden entwickeln kann, ist hinlänglich bekannt. Dass das Bundesinnenministerium einen Arbeitskreis Antisemitismus gründet und dabei auf jüdische Experten verzichtet, ist neu. Angeblich hatte einfach niemand darauf geachtet.

Die Religionszugehörigkeit der Mitglieder sei kein Auswahlkriterium für den Expertenkreis, zitiert Spiegel Online eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Ist das glaubhaft? Das von der Bundesregierung ernannte Gremium hat die Aufgabe innerhalb von zwei Jahren den Antisemitismus in Deutschland zu untersuchen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Keine ganz unwichtige Aufgabe, gerade hierzulande. Und dabei soll es keine Rolle gespielt haben, ob ein Jude in dem Gremium sitzt?

Zumindest ist es wenig überraschend, dass sich gegen die Zusammensetzung des Gremiums Protest regt. „Für Julius Schoeps, Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, ist das „ein einzigartiger Skandal“1. Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, erklärte ihre Empörung so: „Niemand käme auf den Gedanken, eine Konferenz zum Islamhass ohne muslimische Vertreter oder einen Runden Tisch zur Diskriminierung von Frauen ohne Frauen anzusetzen“.2 Deshalb wird es neben den Regierungsexperten jetzt ein Konkurrenzgremium geben, das vom Moses Mendelssohn Zentrum, dem American Jewish Committee und der Amadeu Antonio Stiftung getragen wird. Deren Expertenkommission soll speziell die jüdische Perspektive auf das Problem Antisemitismus in Deutschland einschließen. Im März soll die Arbeit beginnen. Es wird in zwei Jahren interessant sein, die Ergebnisse der beiden Gremien miteinander zu vergleichen.

2     ebd.

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