GEZ-Geld für die Zeitung …

die von öffentlich-rechtlichen Intendanten ausgewählt wird? Als Startschuss zu einem solchen Programm könnte man verstehen, was NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung als „Crossmediales Rechercheteam“ feiern. Während Koordinator Georg Mascolo sich das Engagement weiterer ARD-Anstalten wünscht, werden die Fragen immer lauter, ob die Sender denn ihr durch Zwangsabgaben eingenommenes Geld so einfach in gemeinsame Projekte mit privaten Zeitungsverlagen stecken dürfen. Die beteiligten Sender beeilen sich zu versichern, dass jeder Beteiligte seinen Teil selbst zahlt – erklären aber nicht, wie das genau aussehen soll. Auch über die Bezahlung des Koordinators gibt es zwar viele böse Gerüchte, aber keine klare Aussage. Die Lobpreisungen schlagkräftiger Recherche, mit denen Stimmung für dieses Projekt gemacht wird, klingen für etliche Journalisten bitter. Denn in vielen öffentlich-rechtlichen Redaktionen wurde immer weniger für die Recherche bezahlt. Freie Mitarbeiter konnten so manche Recherche-Tage nicht mehr abrechnen, aus den Kalkulationen von Produzenten wurden sie oft gnadenlos herausgerechnet.

Georg Mascolo war einmal SPIEGEL-Chefredakteur. Georg Mascolo war bei Edward Snowden. Und er führt nun das Rechercheteam von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Er verkauft dieses Rechercheteam als die investigative Speerspitze des Journalismus und findet ein solches Team zur Rettung der Pressefreiheit wichtig. Der Ton ist groß, der hier angeschlagen wird.

Dass die erste große Enthüllung des Teams nach seiner feierlichen Einsetzung, die Geschichte über die Überwachung des Kanzlers Gerhard Schröders durch die NSA, schon im letzten Jahr im SPIEGEL und in der Bild am Sonntag gestanden hat, hätte dem großen Recherche-Koordinator eigentlich etwas peinlich sein müssen. Doch das ist offenbar seine Sache nicht. Er kündigt nun lieber vollmundig eine angestrebte Kooperation mit internationalen Partnern wie dem Guardian und der New York Times an. Vorerst sollten aber andere ARD-Anstalten sich beteiligen. Sollen die noch mehr Gebührengelder in das Rechercheprojekt einbringen?

Die selbsternannten Enthüller geben sich, wenn es um die eigenen Finanzen geht, recht verschlossen. Das schafft einen Nährboden für Gerüchte. Insbesondere der Koordinator Mascolo soll exorbitant gut bezahlt werden, raunen sich die neidischen Kollegen zu.

Immerhin bemühte sich der NDR-Sprecher Martin Gartzke auf Nachfrage von Newsroom.de zu betonen: „In diesem Zusammenschluss kommt jeder Partner für seine eigenen Kosten auf. Einen gemeinsamen Etat gibt es nicht“. Das klingt gut, sagt aber nichts. Was genau sind die eigenen Kosten? Es sind bei einer investigativen Redaktion vor allem die Mitarbeiter. Aber wer wie viele stellt und bezahlt weiß keiner und scheint auch nicht festgelegt zu sein. Gartzke wird zitiert, sie würden von den Partnern „projektbezogen“ entsandt.

Von den Ergebnissen profitieren alle Partner. Für die Verwertung macht es allerdings für die ARD-Anstalten kaum einen Unterschied, ob sich nur eine oder mehrere von ihnen engagieren. Auch wenn nur der NDR beteiligt wäre, kann die gesamte ARD das Ergebnis senden und publizieren. Die Beteiligung des WDR oder – wie jetzt von Mascolo ins Gespräch gebracht – weiterer ARD-Anstalten bringt hingegen für die Verwertung keinen Nutzen. Der Unterschied liegt nur im größeren Beitrag den die öffentlich-rechtlichen Anstalten einbringen. So bleibt der Argwohn, hier werde Gebührengeld zum Nutzen eines privaten Verlegers eingesetzt weiterhin begründet. Zumal jeder, der die Abrechnungsmodalitäten der ARD-Anstalten kennt, weiß, dass sich später kaum genau berechnen lässt, welche Personal- und Sachkosten für die recherchierenden Kollegen nun dem Investigativteam zuzurechnen sind, da sie ja über ganz verschiedene Kostenstellen abgerechnet werden können.

Auch wenn an einer Kooperation zwischen Journalisten oder Redaktionen unterschiedlicher Medien grundsätzlich nichts Verwerfliches und sie für manches große Thema auch sinnvoll ist – aus einem mit Zwangsabgaben finanzierten System heraus ist es problematisch, sich auf eine Zeitung und damit auch auf einen Teil des politischen Meinungsspektrums in der der deutschen Zeitungslandschaft festzulegen. Der Widerspruch zur Pluralität, der die öffentlich-rechtlichen Sender verpflichtet sind, ist so offenkundig, dass es eigentlich verwundert, dass in der Rest-Öffentlichkeit der empörte Aufschrei ausbleibt. Vielleicht, weil viele den Glauben an die Pluralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schon aufgegeben haben und ihn längst als mediale Beute der verschiedenen Staatskanzleien in den Landeshauptstädten sehen.

Warum nun legen sich NDR und WDR auf die Süddeutsche Zeitung fest? Warum nicht die FAZ, DER SPIEGEL, Die Welt oder die taz? Zumal wenn man doch angeblich nur projektbezogen arbeitet, auch die Arbeit mit wechselnden Partner möglich wäre?

Es bleibt ein gehöriges Geschmäckle. Vor allem, wenn man sieht, welch problematische Meinungsmacht sich da mit Hilfe von Gebührengeldern etabliert. „Wer direkten Zugriff auf die Tagesschau und eine der größten Zeitungen hat, kann leicht sein Thema auf die Agenda setzen“ resümert Steven Geyer zutreffend in der Frankfurter Rundschau. Und damit auch andere verdrängen. Das ist auch eine große Gefahr solcher mächtigen Partnerschaften. Sicher ist schlagkräftige Recherche nötig, doch leidet die deutsche Medienlandschaft auch darunter, dass viele Fragen von Journalisten gar nicht mehr gestellt werden. Und wenn die öffentlich-rechtlichen Anstalten mehr investigative Recherche wünschen, so können sie die sofort haben, auch ohne Süddeutsche Zeitung und Georg Mascolo. Sie müssen nur ihre Journalisten wieder für ihre Recherchen angemessen entlohnen.  Stephan Friedrichs

1 Kommentar

  1. Prof. Pikt.

    Sehr schön, daß wir uns nun von unserem Geld selbst eine Meinung bilden können!

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