Bleifreie Jagd?

Lange schon wird um das Verbot bleihaltiger Munition bei der Jagd gestritten. Es geht dabei um die Bleivergiftung von Seeadlern, den Bleigehalt im Wildbret einerseits und die unbekannten Gefahren durch die Alternativmunition andererseits. Erste Studien geben den Verfechtern der bleifreien Jagd Recht und so haben schon einige Bundesländer das Verbot bleihaltiger Munition in ihre Jagdgesetze aufgenommen. Für die Jäger, die das Wild weiterhin mit bleihaltiger Munition erlegen wollen, ist damit aber noch nicht alles verloren. Denn es ist unklar, ob die Länder das Verschießen von Blei überhaupt verbieten dürfen. Die Frage ist: Gehört das Verbot bleihaltiger Munition in ein Jagdgesetz, also ins Landesrecht, oder ins Waffenrecht, also ein Bundesgesetz?

 

In Sachsen ist die Jagd mit bleihaltiger Munition ab 1. April 2014 verboten. So steht es im Jagdgesetz des Freistaats. Auch in Schleswig-Holstein wurde ein solches Verbot bereits beschlossen. Diskutiert wird es in weiteren Bundesländern. Doch vor einigen Wochen erhielten die zuständigen Ministerien in Dresden und Kiel Post aus dem ebenfalls mit der Jagd befassten Bundeslandwirtschaftsministerium. Das Schreiben wies sie darauf hin, dass sie mit dem Verbot bleihaltiger Munition ihre Kompetenzen überschreiten würden, denn ein solches Verbot könne nur im Waffen- und Sprengstoffgesetz geregelt werden und das sei  Sache des Bundes.

Unabhängig vom kuriosen Kompetenzstreit herrscht in Sachen bleihaltiger Jagdmunition schon seit Jahren ein kleiner Glaubenskrieg. Die einen führen mögliche Bleivergiftungen von Aas verzehrenden Tieren an, so diese sich am erlegten Wild laben. Auch der erhöhte Bleigehalt im Wildbret ist ein Argument. Um diesen nachzuweisen wurde in diesem Jahr in verschiedenen Regionen Wild zu Studienzwecken sowohl mit bleihaltiger als auch mit bleifreier Munition erlegt.

Die meisten Jäger aber hängen an der bleihaltigen Tradition und argumentieren auch mit dem Tierschutz. So sei bei bleifreier Munition die Gefahr größer, dass ein getroffenes Tier nur verletzt und nicht erlegt wird, und damit länger leiden muss.  Auch hätte bleifreie Munition ein ganz anderes Abprallverhalten, so dass das Verletzungsrisiko für Jagdbeteiligte steige.

Was nicht ganz so laut gesagt wird, aber für die betroffenen Jäger sicher nicht minder wichtig: Es bedeutet eine ziemliche Umstellung, denn das ballistische Verhalten der bleifreien Munition ist oft völlig anders, als der gewohnten bleihaltigen.

Die Argumente der Bleigegner fanden zum Leidwesen der traditionsbewussten Waidmänner Unterstützung vom  Bundesinstitut für Risikobewertung und auch bei den entscheidenden Landespolitikern mehr Gehör. Das Ende der bleihaltigen Jagd schien schon fast besiegelt. Aber nun muss zunächst entschieden werden, wer denn die bleifreie Jagd verordnen darf.

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