Liebesgaben aus Athen

Die Gläubiger des hoch verschuldeten griechischen Staates werden um neues Geld und Hilfe gebeten, etwaige Gegenleistungen, wie das Eintreiben ausstehender Steuern von reichen Griechen oder die Beendigung der Steuerfreiheit für schwerreiche griechische Reeder, mag man nicht verbindlich zusagen. Mit den eigenen Schuldnern will die Linksaußen-Rechtsaußen-Koalition ebenfalls milder umgehen. Aller Sozialrhetorik der regierenden Populisten zum Trotz werden allerdings nicht zuerst die Bedürftigen bedacht, sondern wie immer die Wohlhabenden unter den eigenen Freunden. Oder den neuen Freunden. 20 Millionen Euro Steuerschuld erließ die Athener Regierung Ivan Savvidis, dem russischen Besitzer des Fußball-Erstligisten PAOK Saloniki. Savvidis gilt auch als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Von dem erhofft sich die Athener Regierung Hilfe aus der Finanznot, ohne konkrete Reformen zusagen zu müssen. Da wären dann auch weitere Steuerschuldenerlasse möglich.

„Befreit von den Fesseln der Schulden werden wir den Klub jetzt auf den Weg unserer Träume führen können“, schrieb Ivan Savvidis in einem offenen Brief zum Dank an den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tispras. Dieser hatte den Verein mit einer Verordnung von einer großen Schuldenlast befreit. Statt der fälligen 31 Millionen Euro muss Savvidis nur noch 11 Millionen zahlen.

Möglich wurde der Erlass, indem die eigentliche Steuerschuld auf jene 11 Millionen heruntergerechnet wurde, während Tsipras‘ Beamte den Löwenanteil von 20 Millionen als Verzugszinsen und Strafgebühren gewertet wurden und die dürfen erlassen werden.

Der russische Unternehmer Savvidis hat griechischen Wurzeln, soll aber kaum Griechisch sprechen. Auf der Forbes-Liste der reichsten Russen kommt er auf Platz 30. Gleich nachdem er den Fußballverein PAOK 2012 übernommen hatte, forderte er regelmäßig von Tsipras‘ Vorgängern einen Steuererlass für den Verein. Auch seine politischen Vorstellungen ließ er schon den damaligen Regierenden zukommen: „Griechenlands Rettung“ befinde sich in der christlich-orthodoxen Welt, in der Russland das größte und reichste Land ist, zitiert der Standard den Unternehmer. Der heutige Premierminister Tsipras träumt nun ebenfalls von „einer wunderbaren Zukunft“ mit Russland. Tsipras will, Presseberichten zufolge, in Moskau um eine Senkung der Erdgaspreise und die Aufhebung eines russischen Importverbots für griechische Waren bitten. Ersteres gewährt Russland sonst im postsowjetischen Raum für Wohlverhalten, Letzteres hieße, die russischen Gegen-Sanktionen gegen die EU würden für Griechenland nicht mehr gelten. Letztlich ist das ein Aufweichen der westlichen Sanktionspolitik durch die griechische Hintertür.

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