Linke Angst vorm schwarzen Mann

Ein deutsches Gymnasium im Frühjahr 2015. Schüler organisieren eine Veranstaltung über Zuwanderung, Ausländerintegration und Asylpolitik und laden unter anderem Achille Demagbo dazu ein. Demagbo stammt aus Benin, ist nach dem Studium in Deutschland geblieben, hat hier inzwischen eine Familie mit vier Kindern, arbeitet als Übersetzer und engagiert sich politisch in seiner Wahlheimat. Ein junger Schwarzer mit dieser Geschichte könnte bei einer Debatte über Zuwanderung eigentlich als Idealbesetzung gelten, doch es gab wegen Demagbos Teilnahme Proteste und Boykottaufrufe gegen die Veranstaltung. Vor allem Mitglieder der Grünen Jugend und der Jungsozialisten (Jusos) forderten, den schwarzen Mann wieder auszuladen. Die Schulleitung sagte die Veranstaltung wegen der Proteste ganz ab. Der Grund für den Protest war aber nicht Demagbos Hautfarbe, sondern seine Mitgliedschaft in der AfD.

Das Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide verwendet selbst für die eigene Bildungsstätte gern das Kürzel KGB. Darüber soll man vielleicht schmunzeln. Vielleicht denkt auch kaum ein heutiger Gymnasiast bei den drei Buchstaben noch an die sowjetische Geheimpolizei. Jedenfalls der Geist des Hauses war nicht von sowjetischer Engstirnigkeit geprägt. Im Gegenteil: Die Oberstufenschüler suchten sich für eine Veranstaltung zum Thema Zuwanderung und Integration gezielt Diskussionspartner mit sehr unterschiedlichen Ansichten und Erfahrungen. „Das war der ausdrückliche Wunsch des Vorbereitungsteams“, sagt Schulleiterin Brigitte Menell, „damit die Diskussion lebendig und kontrovers verläuft.“

Dazu gehörte, dass auch ein Vertreter der AfD eingeladen wurde, auch wenn die oft als rechtspopulistisch und rassistisch geschmäht wird. Umso spannender, wenn der AfD-Vertreter selbst ein dunkelhäutiger Einwanderer ist. Achille Demagbo wäre auch gern gekommen. Es wäre sein erster öffentlicher Auftritt, seit er im März in den AfD-Landesvorstand von Schleswig-Holstein gewählt wurde. In der Partei ist er schon länger und hält ihren schlechten Ruf für absurd: „Man darf mir getrost abnehmen, dass ich niemals einer ausländerfeindlichen oder gar rassistischen Partei beigetreten wäre und eine solche mich auch kaum in den Landesvorstand gewählt hätte“, antwortet er all denen, die genau dieses Bild von seiner Partei haben.

Die aber wurden aktiv, als sie vom geplanten Auftritt eines AfD-Vertreters hörten, und machten sich daran, ihn zu verhindern. Ein ehemaliger KGB-Schüler, der bei der Grünen Jugend aktiv ist und einige Jusos organisierten den Protest. Sie forderten, den schwarzen Mann von der AfD vom Podium zu verbannen. Wenn seine Gesinnung den selbsternannten linken Tugendwächtern zuwiderläuft, hilft ihm da auch die dunkle Hautfarbe und die Einwandererbiographie nicht. Als AfD-Mitglied ist Demagbo für sie der Vertreter der Ausländerhasser und nur Meinung der weißen Männer, die zum Diskutieren geladen waren, sind akzeptabel.

Die Schulleiterin sah sich unter enormen Druck gesetzt. Die Protestaufrufe zogen Kreise. Massenhaft erreichten sie bedrohlich klingende E-Mails. Von gezielten Störungen war die Rede. Die Einladung an die Kritiker, selbst mit aufs Podium zu kommen, schlugen die Protest-Initiatoren aus, den sie wollten „der AfD keinen meinungsschaffenden Raum auf einem Podium“ gönnen. Eine Eskalation konnte die Schulleiterin nicht riskieren. Nachgeben und den schwarzen AfD-Vertreter ausladen wollte Brigitte Menell auch nicht. Es hätte wirklich zu dumm ausgesehen, wenn ein Podium nach dem Rauswurf des einzigen schwarzen Debattenredners einig zum Kampf gegen die Rassisten aufgerufen hätte. Es blieb aus der Sicht der Schulleiterin nur eine kurzfristige Absage. Die für den 31. März geplante Veranstaltung fand nicht statt und alle die beteiligt gewesen wären, denken nun über die Folgen dieser Absage nach.

Achille Demagbo sagt, er sei „enttäuscht über so viel Hass und Unverständnis, aber auch über so wenig demokratische Gesinnung. Zur Demokratie gehören Meinungsvielfalt und die Auseinandersetzung über unterschiedliche Meinungen. Das Verhindern von Diskussionen und das Ausgrenzen Andersdenkender zeugt von einer zutiefst undemokratischen Gesinnung. Ich finde es sehr enttäuschend, dass die Schulleitung vor demokratiefeindlichen Protesten eingeknickt ist. Hier scheinen noch große Herausforderungen für den staatsbürgerlichen Unterricht zu bestehen.“

Bei seinem Auftritt wäre es ihm nicht zuerst um die AfD gegangen. Vielmehr hält es Demagbo für sinnvoll, wenn in dieser Debatte auch die Einwanderer, die Teil der deutschen Gesellschaft geworden sind, sagen können, welches Einwanderungsrecht sie sich wünschen. „Dies hätte ich den Schülern des Kopernikus-Gymnasiums gerne erklärt“, sagt er und bedauert, dass es mittlerweile in Deutschland möglich sei, „durch das Schüren von Hass einen offenen Diskurs an einem deutschen Gymnasium zu verhindern. Das ist eine Niederlage der Demokratie“.

Bargteheides Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Abel ist ebenso enttäuscht, denn sie wollte mit vier Flüchtlingen, drei Eritreern und einem Syrer, zu der Veranstaltung kommen. Demagbos Erfahrungen als schwarzer Einwanderer hätten sie bestimmt interessiert. Und Gabriele Abel erinnert sich angesichts dieser Entwicklung noch an ganz andere Zeiten: „Ich komme aus dem Osten Deutschlands und weiß, was es heißt, wenn Meinungen unterdrückt werden.“ Das wirft sie allerdings nicht der Schule vor, denn das KGB habe bereits durch mehrere Veranstaltungen eine offene Diskussionskultur bewiesen. „Die Schüler wollten die volle Bandbreite von Gesprächspartnern bieten, schade, dass es von außen verhindert wurde.“

Schulleiterin Menell wurde von einer Lokalzeitung gefragt, ob sie die AfD noch einmal einladen würde. Sie gibt offen zu, dass sie heute darüber nachdenken müsste, doch grundsätzlich war die Einladung kein Fehler: „Wir haben nicht wirklich eingesehen, warum wir das nicht tun dürfen.“

Trotzdem haben sie sich dem Druck gebeugt und einen schwarzen Mitbürger zwar nicht wegen seiner Hautfarbe, sondern wegen seiner Gesinnung ausgegrenzt. Macht das die Ausgrenzung besser? Stephan Friedrichs

12 Kommentare

  1. Pingback: Moralische Erpressung gegen alles „rechte“ | feuilletonkritik

  2. Querdenker

    Jeder Flüchtling ist mittelfristig gesehen ein (durchschnittlich) potenzieller linksgrüner Wähler. Vor allem die Grünen haben ihr ursprüngliches „Kernthema“ verloren und mit Zuwanderung und Asyl ein neues gefunden. Ein billigeres Wahlprogramm für zukünftig neue Stammwähler kann es nicht geben. Der „Braindrain“ und die Folgen für die entsprechenden Herkunftsländer ist vollkommen egal. Es ist wichtiger unsere Wirtschaft am laufen zu halten, als einem ausgebombten Land (später) beim Wiederaufbau zu helfen. Es gibt ein gutes Gefühl drei Kriegsflüchtlinge aus egoistischen Gründen zu retten und dafür 40 Arme die es nicht hier her schaffen (mittelfristig) im Stich zu lassen. Wenn dann später auch noch der Nachzug der Familien ansteht, wird es sich sogar noch mehr lohnen. Vorausgesetzt, dass die zurückgebliebenen Familien natürlich im letzten Winter in den Zelten an der syrischen Grenze nicht erfroren sind. Spendenaufrufe und Spendenkonzerte waren ja irgendwie ausgefallen. (Satire Ende)

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  3. Rudolf Steger

    Es ist vielleicht verständlich, wenn die Schulleitung die Veranstaltung absagt. Trotzdem ist es falsch.
    Man darf derartigen demokratiefeindlichen Drohungen nicht nachgeben. Im Zweifel ist die Polizei dafür zuständig.
    Als langjähriges SPD-Mitglied sage ich den beteiligten Jungsozialisten, dass ihr Verhalten den Grundwerten der SPD widerspricht. Der zuständige Ortsverein bzw. Kreisverband sollte sich dringend um diese Personen kümmern und ihnen Nachhilfe in sozialdemokratischen Werten geben.
    Wer nicht in der Lage und willens ist, sich mit einem politischen Gegner argumentativ auseinander zu setzen, ist bei den Jungsozialisten bzw. in der SPD am falschen Platz und darf sich nicht wundern, wenn er seinerseits als faschistisch bezeichnet wird.

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  4. Ignazio Silone

    Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».

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    1. Peter Hünten

      Kurz, prägnant und wahr!

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    2. bluff

      ach ja, so iss das also..

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  5. Tom

    Das Kürzel KGB halte ich für geschmacklos, inhuman! Es ist eine Diffamierung von Millionen Opfern der Diktatur des Proletariats! Den linken Weltverbesserer interessiert das nicht oder sie wissen es nicht besser, was keine Entschuldigung sein kann! Es gibt gute und schlechte Mörder. Das ist einfach nur widerlich.
    Meinungsvielfalt und die Akzeptanz anderer Meinungen steht nicht im Revolutionstransformationsprogramm der sogenannten Avantgardisten.

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  6. Konrad Jaeger

    Über solche anti-pluralistischen, anti-demokratischen Umtriebe darf man zu Recht fassungslos den Kopf schütteln …

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  7. dentix07

    Wieder ein Beleg für meine erweiterte Aussage von Kurt Schumacher, der einmal sagte: „Kommunisten sind nur rotlackierte Faschisten!“
    Meine angepasste und erweiterte Feststellung: „Ob Rot, Grün, Lila oder Braun, unter dem Lack herrscht derselbe Geist!“

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  8. Aron Sperber

    Schwarze und Juden sind bei Linken nur erwünscht, wenn sie die Opfer spielen, die man vor den bösen weißen Rechten beschützen muss.

    reaktionäre Ansichten über Frauen, Schwule, Atheisten könnte man so einem Menschen verzeihen, die Mitgliedschaft bei der AfD ist jedoch unentschuldbar.

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    1. Knütterer

      Toleranz bei anderen einfordern, das können Jusos und Grüne prima. Aber SELBER gegenüber anderen tolerant sein?! Nein, das geht gar nicht, wenn andere eine andere Meinung haben.

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  9. Siro

    Es ist erschütternd welches Demokratieverständnis unter den jungen Grünen und den Jusos herrschen. Möchte mal wissen wer deren Lehrmeister waren. Von Demokratie und freier Meinungsäußerung habe ich jedenfalls ein anderes Verständnis. Wenn ich daran denke, dass diese „Jungpolitiker“ irgendwann einmal hohe Ämter begleiten werden ,dann wird mir jetzt schon ziemlich übel.

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