Inszenierte gute Gesinnung

GELESEN: „Der biedermeierliche Wunsch, den fast schon weltweiten Kampf des Islamismus gegen die säkulare Zivilisation zu ignorieren und Politik ohne jede Unterscheidung von Freund, Interessenpartner, Gegner und Feind zu betreiben, will die Regenbogenwelt der eigenen Illusionen konservieren. Statt sich gegen den Islamismus zu wehren, wehrt sich das fast durchweg liberale Milieu von Politik und Medien gegen eine überdimensioniert wahrgenommene ‚rechte Gefahr‘. Die Tragödie des unterlassenen Widerstands gegen den Nationalsozialismus wird als Farce im Kampf ‚gegen rechts‘ wiederaufgeführt.“

Das schreibt der Politikwissenschaftler Heinz Theisen in einem lesenswerten Artikel im Tagesspiegel. Vor allem will er vor Verharmlosung und Blindheit warnen: „Eine Analyse des Gewaltislams ist in hohem Maße gefordert, weil die Übergänge zwischen Islam und Islamismus und Dschihadismus oft fließend sind. Nach der einschlägigen Studie des Bundesinnenministeriums über ‚Muslime in Deutschland‘ gaben 46,7 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Gebote der Religion wichtiger seien als die Demokratie, und ein Viertel der muslimischen Jugendlichen bejahte schon 2007 die eigene Bereitschaft zur körperlichen Gewalt gegen Ungläubige im Dienst der islamischen Gemeinschaft. Diese sind noch lange keine Gewalttäter, aber ein Potenzial, aus dem sich Einzelne oft herauslösen.“

Online finden Sie den Artikel hier und falls Sie die Sonntagsausgabe des Tagesspiegel vom 10. Mai durchgeblättert haben, ohne bei dem Artikel hängen geblieben zu sein und sich deshalb wundern: Es lag vielleicht einfach daran, dass er mit einer großen Karikatur illustriert war, die eine deutlich andere Aussage transportierte.

Abschließend sei hier noch auf Theisens Buch zum gleichen Thema hingewiesen:

Heinz Theisen

Der Westen und sein Naher Osten
Vom Kampf der Kulturen zum Kampf um die Zivilisation
ca. 272 Seiten, 14,5 x 21,5 cm
ISBN 978-3-95768-162-1,lau verlag 2015, 28,00 € [D]

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