Zwangsruhestand bei Personalmangel

Vor allem in der Provinz ist im Ernstfall die Freiwillige Feuerwehr entscheidend. Doch dort, wo sich das Land entvölkert, fehlen auch die Feuerwehrleute. Mancherorts in Sachsen-Anhalt ist beispielsweise die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in manchen Gegenden schon akut gefährdet. Doch auch wenn die Feuerwehr in Personalnot ist, wird die Regel, dass Feuerwehrleute, auch freiwillige, mit 65 Jahren zwangsweise in den Ruhestand geschickt werden, konsequent eingehalten. Da gibt es Engagierte, die möchten und können noch weiter zum Einsatz ausrücken, aber dürfen sie nicht mehr.

In vielen Gegenden im Osten ist es das Gleiche: Die Freiwilligen Feuerwehren sind zwar unverzichtbarer Bestandteil jeder Notfallplanung und regelmäßig auch im Einsatz, doch es fehlt an Feuerwehrleuten. Ohnehin gibt es immer weniger junge Menschen und die, die es noch gibt, suchen ihre berufliche Zukunft anderswo oder sind so stark beruflich eingebunden, dass für das aufwendige Ehrenamt keine Zeit mehr bleibt. Viele Feuerwachen schlagen inzwischen selbst Alarm, dass sie im Alarmfall gar nicht mehr einsatzfähig sind.

Wenn in Nempitz die Sirene zum Einsatz ruft, ärgert sich Hans-Jürgen Heilmann, denn er darf nicht mehr mitfahren. Der 65-Jährige ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft und er weiß, dass er auch dringend gebracht würde, doch das Brandschutzgesetz in Sachsen-Anhalt schreibt vor, dass er mit 65 Jahren Ruheständler zu sein hat, dem der aktive Feuerwehrdienst verboten ist. Wenn man Heilmann sieht, glaubt man ihm sein Alter nicht. Doch das, bzw. seine Gesundheit und seine Fitness spielen keine Rolle. Er hat keine Chance.

Der Umstand ist in vielen Feuerwachen ein ernstes Problem. Denn in der alternden Gesellschaft kommen auch die Besatzungen der Feuerwachen nach und nach in die Jahre. Seit 2009 ist die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute von 3 039 auf 2 734 gesunken. Dieser Trend hält an. Wie es weitergehen soll, wenn Jahr für Jahr Kameraden in den Zwangsruhestand gehen müssen, kann sich keiner der Wehrleiter vorstellen. Denn selbst für viele Ältere, die nicht mehr ganz so fit sind, hätten die Wehren durchaus Verwendung. Eigentlich müsste die Landespolitik schnell umsteuern und das könnte das Brandschutzgesetz problemlos entsprechend ändern. Die SPD-Landtagsfraktion kündigt das auch an, aber erst für die Zeit nach der nächsten Landtagswahl. Dabei könnte die Regierungspartei mit diesem Anliegen beim Koalitionspartner CDU nicht rundweg auf Ablehnung stoßen. Doch es geht ja nicht zuerst um den Brandschutz, sondern um ein nettes Wahlkampfthema.

Die Wehrleiter sind darüber eigentlich ziemlich sauer. Politiker sollen handeln und gerade wenn es brennt – so wissen sie – sollte man nicht viel Zeit verlieren. (St. F.)

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