174 Prozent mehr bei der Bahn

Kurz vor Pfingsten nun atmeten alle auf, dass der neunte Lokführerstreik in Folge vorzeitig abgebrochen wurde, und nun die Schlichtung beginnt. Während sich das Staatsunternehmen in der Tarifauseinandersetzung bislang hartleibig zeigte und mehrfache tagelange Streiks zu Lasten der Bahnkunden in Kauf nahm, gönnten sich die Vorstände ein paar Millionen mehr.

Irgendwann vor dem achten Lokführerstreik beschlossen die Bahnvorstände einen Anstieg ihrer kurzfristigen Boni von 1,9 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro. Das bedeutet einen Zuwachs von 174 Prozent. Insgesamt stiegen die Erfolgsprämien von 3,42 Millionen auf 7,28 Millionen Euro, haben sich also immerhin verdoppelt. Im März hatte zwar das Handelsblatt kurz darüber berichtet, aber ansonsten war die Öffentlichkeit vor allem darauf konzentriert zu erfahren, wann der Bahnverkehr wieder streikbedingt zusammenbrechen wird. Angesichts dieser Großzügigkeit bei einer unbefriedigenden Bilanz wird es immer unverständlicher, dass der Eigentümer der Deutschen Bahn AG, also die Bundesrepublik Deutschland vertreten durch die Bundesregierung, nicht endlich einschreitet und der Unternehmensführung deutlich die Richtung weist. Stattdessen unterstützt die Bundesregierung den Konfrontationskurs der Bahn gegenüber der GdL, nur um von den streikgenervten Bahnkunden Unterstützung für die Einschränkung des Streikrechts durch das sogenannte Tarifeinheitsgesetz zu gewinnen. Die Großzügigkeit der Bahnvorstände zu sich selbst, obwohl das Geschäftsergebnis der Deutschen Bahn weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, wird vom Eigentümer ebenso unwidersprochen hingenommen. Eigentlich wäre hier doch mal wirkliche Verkehrspolitik gefragt. Vielleicht sollte sich der Verkehrsminister neben der Pkw-Maut und Kampagnen für Fahrradhelme auch endlich einmal mit der Bahn beschäftigen. Stephan Friedrichs

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