Der griechische Euro

… oder eine europäische Drachme? Momentan suchen alle politisch Verantwortlichen in der EU nach Lösungen für das griechische Finanzdesaster. Fieberhaft wird überlegt, welchen Plan B es gibt oder welcher Plan C funktionieren könnte. Wenn die auch alle nicht funktionieren, hätten wir hier Plan X. Hier kommt unser ultimativer Rettungsplan.

Gibt es nach dem Referendum in Griechenland wirklich Klarheit über den Ausweg aus der endlosen Griechenland-Euro-Krise? Vielleicht wenn die griechische links-rechts-Regierung umgehend und geräuschlos das Feld räumt. Aber das ist bei solch professionellen Populisten eher unwahrscheinlich. Vielmehr arbeiten sie nach dem Varoufakis-Plan. Griechenland kann noch so pleite sein, niemand kann das Land aus dem Euro werfen. Keine Schulden bezahlen, den Euro trotzdem behalten und Hilfsgelder bekommen, das versucht die Athener Regierung gerade den Griechen schmackhaft zu machen. Unabhängig vom Ausgang des Referendums ist das sicherlich auch mehrheitsfähig.

Das ist auch keine spontane Idee. Yanis Varoufakis hatte dies schon 2013 ganz klar vor Augen. Die Deutschen hatten, als einmal eine Aufzeichnung dieser Rede gezeigt wurde, leider lieber gerätselt, ob der Stinkefinger echt war. Aber was er sagte, war viel wichtiger, denn er hat sich jetzt in der Regierungsverantwortung konsequent daran gehalten: „Der effektivste und radikalste politische Schritt wäre, wenn die griechische Regierung oder ein griechischer Premierminister oder ein griechischer Finanzminister in der Eurogruppe oder wo auch immer, aufsteht und sagt: ‚Leute, wir sind zahlungsunfähig.‘“ Die Schulden werden einfach nicht mehr bezahlt, doch stimmberechtigtes Mitglied der Euro-Zone bleibt das Land dennoch. Notfalls werde sich Griechenland dieses Recht vor dem Europäischen Gerichtshof einklagen, hatte Varoufakis vorsorglich angekündigt, falls die Gläubigerstaaten versuchen sollten, ihn aus diesem Club zu entfernen. Was dann passiert, dazu sagte er vor zwei Jahren: „Aber warum dafür den Euro verlassen? Haltet ihnen ihre Widersprüche vor, sie sollen sich selber den Widersprüchen der Eurozone stellen. Weil in dem Moment, in dem der griechische Premierminister den Bankrott der Eurozone erklärt, bricht die Hölle aus. Und entweder federn sie das ab oder der Euro wird ohnehin sterben und dann können wir zur Drachme gehen.“ [1]

Soweit also der Varoufakis-Plan. Und was machen nun die, die die Zeche zahlen sollen? Federn wir das ab, wie es der griechische Finanzminister erwartet, und lassen die sparsameren Euro-Europäer dauerhaft für bankrotte Währungsbrüder aufkommen? Den Euro sterben lassen, das dürfen wir ja nicht, steht doch der Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ wie in Stein gemeißelt. Sollten also auch die zahlenden Länder jetzt dem Varoufakis-Plan folgen, um Europa nicht zu gefährden?

Es gibt noch eine Alternative: Lasst Griechenland den Euro behalten und der Rest der Währungsunion macht eine Währungsreform zum Neuen Euro. Was man den Griechen vorgeschlagen hat, nämlich eine Zweitwährung einzuführen, das kann man ja auch selbst machen. Zu einem Stichtag dürfen alle Euroland-Bewohner außerhalb Griechenlands ihre Guthaben eins zu eins umstellen. Wenn sie wollen, können sie natürlich auch den alten Euro behalten, aber dessen Wertverlust würde dem der Drachme entsprechen. Er würde quasi zu einer europäischen Drachme mit Zentralbank in Frankfurt werden. Im außergriechischen Euroraum würde die Zweitwährung Neu-Euro natürlich sofort zur Erstwährung werden.

Natürlich müsste man zum Neuen Euro auch eine neue Zentralbank gründen, denn die alte hätte ja weiterhin Bestand, aber letztlich können die beteiligten Länder, damit es schnell geht, für den Neuen Euro, alle Regelungen des alten übernehmen. Für lange Verhandlungen ist keine Zeit.

Es gäbe nun vieles doppelt, denn die Institutionen des alten Euro – mit Griechenland – würden wie die Zentralbank neben denen des Neuen Euro – ohne Griechenland – weiter existieren, trotz des großen Bedeutungsverlusts. Dass Mario Draghi damit nur noch der Herr über die griechische Währung wäre, klingt aber nicht nach einem allzu herben Verlust für Europa.

Wie bei jedem kühnen Plan gibt es natürlich ganz viele rechtliche Hindernisse, die diesen Geldwechsel theoretisch unmöglich machen. Doch wie wir aus den vergangenen Jahren wissen, kann man darüber bei genug gutem Willen ebenso hinweggehen, wie über die Stabilitätsregeln die eigentlich all die bisherigen Rettungspakete schon verhindert hätten.

Zugegeben, die dadurch entstehenden doppelten Institutionen muten etwas aufwendig und teuer an, aber der Aufbau teurer Institutionen in der EU nicht außergewöhnlich. Neu-Euroland würde wie bei der ersten Euro-Einführung wieder eine goldene Zukunft verheißen und das Problem wäre gelöst, oder?

Sie haben natürlich recht, wenn Sie jetzt denken: Was für ein Unsinn, den sich doch nur jemand ausgedacht haben kann, der von der Finanzwirtschaft und der Währungspolitik keine Ahnung hat. Nur leider klingen die Rettungspläne, die wir ernst nehmen sollen, nicht vertrauenserweckender.

 

[1] http://www.ardmediathek.de/tv/Hart-aber-fair/Griechen-Poker-im-B%C3%BCrgercheck-ist-das/Das-Erste/Video?documentId=29313996&bcastId=561146 bei 00:32:54

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