Ein klares Jein zur Homo-Ehe

Ein Mann, ein Wort! Wie sich ein Berliner Abgeordneter sowohl dafür als auch dagegen engagieren kann, dass homosexuelle Partnerschaften in den Genuss der vollständigen Eheprivilegien kommen.

Soll die CDU sich bei dieser Frage plötzlich ihrer traditionellen Werte erinnern? Und was heißt das genau? Muss man die Ehe konservativ als Beziehung zwischen Mann und Frau verteidigen oder sich freuen, dass Schwule und Lesben heutzutage so ein konservativ-spießiges Familienmodell wie die Ehe anstreben? Oder liegt das Heil der Partei in der weiteren Anpassung an die politisch-korrekte Welt mit ihren Quoten, dem Gender-Mainstreaming und der „Ehe für alle“?

Schwere Fragen, zumal das eigenverantwortliche Beziehen einer inhaltlichen Position ohnehin nicht zu den Disziplinen gehört, in denen die Mehrheit deutscher Volksvertreter sonderlich geübt ist. Deshalb kann einem Mandatsträger auch schon einmal ein solches Missgeschick unterlaufen, wie dem Berliner CDU-Abgeordnetenhausmitglied Hans-Christian Hausmann, der öffentlich sowohl für als auch gegen die Homo-Ehe auftrat.

Vielleicht wollte der Rechtsanwalt aus dem Stadtteil Rudow es einfach allen recht machen. Für einen Politiker nicht ungewöhnlich. Wenn man aber zugleich klar Ja und klar Nein sagt, dann fällt das auf. Hausmann hatte sowohl bei den Parteifreunden unterschrieben, die die Ehe öffnen wollen, als auch bei denen, die alles lassen möchten, wie es ist. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es einem Journalisten der Lokalpresse ins Auge stach, dass der Abgeordnete in beiden Aufrufen auftauchte.

Eine nette Provinzposse, über die man gern schmunzelt, denn Hausmann dementierte nicht, sondern versuchte den Versuch, zugleich auf zwei Hochzeiten zu tanzen, als „Kommunikationsfehler“ zu erklären. Versehentlich habe er beide Offene Briefe unterschrieben und als er es bemerkt hatte, waren die Flyer leider schon gedruckt.

Die Nachfrage, wofür er denn nun eigentlich sei, kann er dummerweise nun nicht mehr mit einem klaren Jein beantworten und entscheidet sich für das Nein, also die Ehe bleibt bei Hausmann eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Traurig, dass unterschiedliche Positionen inzwischen schon so wenig voneinander unterscheidbar sind, dass selbst ein Volksvertreter nicht mehr genau weiß, wohin er mit seiner Überzeugung gehört. Bislang war ein Argument der Gegner direkter Demokratie immer, dass viele Fragestellungen für Volksabstimmungen und damit den einfachen Bürger zu komplex seien. Was machen wir nun, wenn auch unsere Abgeordneten schon so leicht überfordert sind?

Oder ist es so schwer, weil manche Positionen nur noch verklausuliert und nicht im Klartext formuliert werden. Um nicht der Homophobie geziehen zu werden, sind ja auch Statements gegen die Homo-Ehe inzwischen mit so vielen Bekenntnissen zu den Rechten von Homosexuellen garniert, dass sie zu 80 Prozent auch als Reden zum Christopher-Street-Day gehalten werden könnten. Da kann sich auch ein Politprofi bei der Meinungsfindung schnell verirren. (Stephan Friedrichs)

 

 

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