Zum Schluss ein Lächeln der Regierung

AUFGELESEN: „Die Demokratie kann sich offenbar nicht wehren, weil sie einen sympathischen Henker hat. Und Griechenland hat offenbar keine funktionierenden Mechanismen mehr, die eine westliche Demokratie schützen sollte.“ Das schreibt ein griechischer Anwalt in einem verzweifelten Appell, den das Handelsblatt dankenswerterweise veröffentlicht hat.[1]

Dieser Brief erinnert eindringlich daran, dass es nicht nur um eine Staatspleite und damit um Geld geht. Wenn eine Regierung aus Ideologen ein Gemeinwesen seinen Weltbildern opfert, dann geht es um mehr. Das einmal aus griechischer Sicht formuliert zu sehen, ist wichtig.

„Wir gleiten mit einem hübsch lächelnden Regierungschef, der uns von frischer Luft und sonnigen Tagen erzählt und von kleinen Problemen, die bis kommende Woche mit absoluter Sicherheit überwunden sein würden, in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Katastrophe.

Seine Minister können gar nicht aufhören, von sonnigen Tagen frei von Problemen zu sprechen. Es gebe überhaupt kein Problem, sagen viele sogar. Ohne mit der Wimper zu zucken, lügen sie uns ins Gesicht. Wenn ich die Menschen darauf anspreche, sagen einige: ‚Er ist doch unser Ministerpräsident. Soll ich denn den Fremden glauben?‘“

[…] „Sehr bald wird es nicht einmal mehr 20 Euro an den Geldautomaten geben – und dann gar nichts mehr. Außer ein kleines Lächeln seitens der Regierung.

Aber es sind ja nette demokratische Menschenfreunde, die all das tun. Diejenigen, die es wagen, sich ernsthafte Sorgen zu machen oder gar eine andere Ansicht haben, werden von den Fanatikern als Verräter beschimpft.

Wir taumeln mit unserem lächelnden, jungen und fotogenen Ministerpräsidenten in einen Abgrund jenseits meiner bisherigen Vorstellungskraft.“

Es ist ein lesenswerter prägnanter Appell, auch wenn er nicht gerade hoffnungsvoll endet: „Ich bin wirklich tief verzweifelt! Haben uns alle Freunde schon abgeschrieben. Wollen Sie uns loswerden? Hat es keinen Sinn mehr, für ein demokratisches Griechenland in Europa zu kämpfen?“

 

[1] Den vollständigen Text, dem wir auch alle Zitate entnommen haben, finden Sie hier: http://www.handelsblatt.com/politik/international/verzweifelter-brief-eines-griechen-mir-fehlt-die-kraft-gegen-den-wahnsinn-zu-kaempfen/12001264.html

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