Schläge für Flüchtlinge

Mit Eisenstangen, Knüppeln und Messern gehen sie immer wieder auf Asylbewerber los und kaum einer von uns nimmt daran Anteil. Vielleicht weil die Täter keine Deutschen sind, sondern Asylbewerber anderer Herkunft.

Leipzig in der Nacht zum Samstag (4. Juli): Ein 18-jähriger syrischer Flüchtling wird von einem jungen Mann erstochen. Nicht auf der Straße, sondern von einem Mitbewohner in der Asylbewerberunterkunft. Ein tragischer Einzelfall? Vielleicht, wenn man den Todesfall zum Maßstab nimmt, doch brutale Gewalt ist in Asylunterkünften leider keine Seltenheit.

Im sächsischen Schneeberg gab es am Dienstag (30. Juni) eine Massenschlägerei mit mehreren Hundert Beteiligten. Mit Knüppeln, Steinen und Eisenstangen gingen, Berichten zufolge, vor allem Albaner und Eritreer aufeinander los. Der Wachschutz hatte gegen diesen Gewaltexzess keine Chance und wurde sofort in die Flucht geschlagen. Erst einem Polizeikommando gelang es, die Situation zu befrieden, 14 Verletzte blieben zurück. Ausgangspunkt soll ein Streit bei der Essensausgabe gewesen sein. Gegen zehn Heimbewohner wird nun ermittelt, einer blieb eine Nacht lang in Polizeigewahrsam und wurde danach wieder entlassen.

Eine Woche zuvor gab es am gleichen Ort ebenfalls eine Massenschlägerei. Diesmal waren nur 30 Männer beteiligt und es waren Albaner und Syrer, die auf diese Weise einen Konflikt austrugen.

Ebenfalls am 30. Juni schlugen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz 30 Asylbewerber aufeinander ein. Die Polizei musste anrücken und nahm drei Männer vorübergehend in Unterbindungsgewahrsam. Die Polizeibeamten waren in gleicher Sache auch schon am Tag zuvor in der Einrichtung, da trafen sich 40 Bewohner zu einer Schlägerei. Vorangegangen war eine Messerstecherei zwischen einem Pakistani und einem Inder.

Leipzig, Schneeberg und Chemnitz? Ist es in Sachsen vielleicht schlimmer als in anderen Bundesländern? Leider nicht. In Ellwangen beispielsweise hat der Asylheimbetreiber für Muslime während des Ramadan extra eine spätabendliche Essensausgabe eingerichtet. Diesen Treffpunkt nutzten 70 Syrer und 30 Algerier, um mit Messern, Steinen und Stühlen aufeinander loszugehen. Seit einem Jahr kommt es zudem immer wieder in Asylheimen zu gewalttätigen Übergriffen auf Flüchtlinge, die sich in den Augen mancher Heim-Mitbewohner zu unislamisch verhalten hatten (siehe auch hier).

Die Frage nach den Ursachen dieser Gewalt gegen Flüchtlinge und nach den Möglichkeiten, solche Gewalttaten zu verhindern, wird öffentlich kaum gestellt, wenn auch die Täter Einwanderer sind. Ohnehin berichtet normalerweise allenfalls die Lokalpresse über solche Vorfälle. Zu sehr verbreitet ist die Angst,  Asyl-Gegnern und Ausländerhassern in die Hände zu spielen und ihnen Argumente zu liefern. Letztendlich werden aber genau die von der standhaften Weigerung, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, profitieren. Denn die Probleme lassen sich nicht wegignorieren. Sie werden wahrgenommen. Aber jeder, der sie öffentlich ausspricht und vielleicht sogar noch sagt, dass er eine solche Entwicklung fürchtet und nicht in seiner Nachbarschaft haben möchte, spürt, dass er Gefahr läuft, einer ausländerfeindlichen Gesinnung verdächtigt zu werden. Doch wo Sprechverbote herrschen, wachsen Ressentiments unterschwellig nur umso schneller.

Für Michael Beyerlein sind die Massenschlägereien keine Überraschung. Er ist Koordinator für Asylarbeit in Chemnitz und präsentiert in der örtlichen „Freien Presse“ Erklärungen für die Gewaltausbrüche: „Stellen Sie sich vor, sie leben zusammengepfercht mit Hunderten Menschen anderer Kulturen und Nationen in einem Heim; sind verdammt zum Nichtstun, dürfen nicht arbeiten. […] Dass es in so einer Situation zu Reibereien kommt, ist für mich keine Überraschung, es ist logisch.“

Nun müssen aber aus Reibereien nicht gleich Massenschlägereien werden. Doch auch dafür gibt’s natürlich eine einfache Erklärung und gleich auch einen Lösungsansatz: „Auffällig ist aber, dass unter anderen Nationen der Zusammenhalt größer ist. Ein kleiner Streit zwischen zwei Männern kann deshalb ruck, zuck eskalieren. Sicher wäre es in diesem Zusammenhang gut, verfeindete Kulturen mehr als bisher räumlich voneinander zu trennen.“[1]

Also kein Multikulti sondern Parallelgesellschaften von Anfang an? Und wonach sollen denn die Kulturen sortiert werden? Nach Herkunftsländern oder nach Ethnien? Zumal die Auseinandersetzungen oft nichts mit traditionellen Konflikten in den Herkunftsländern zu tun haben können. Über ernste Auseinandersetzungen zwischen Albanien und Eritrea ist nichts bekannt.

Vielleicht ist aber auch eine gute Vorbereitung auf das künftige Leben in Deutschland, im Erstaufnahmeheim zu lernen, dass es besser ist, sich in Konfliktfällen auf die Schlagkraft des eigenen Clans zu verlassen. Deutsche Institutionen zeigen sich hingegen oft genug den Gewalttätern mit Migrationshintergrund nicht gewachsen. Keiner möchte als ausländerfeindlich gelten, deshalb tendieren viele, die eigentlich Gewaltkriminalität bekämpfen sollen, an dieser Stelle zur Nachsicht. Wozu dies führt, kann man in deutschen Problemvierteln Tag für Tag sehen, wenn man vor Ort ist.

Am 30. Juni gab es beispielsweise in Duisburg-Marxloh einen Verkehrsunfall. Die Polizei kam und eine Polizistin wollte die Personalien aufnehmen. Doch in dem einen Auto saßen Mitglieder einer berüchtigten libanesischen Großfamilie. In Windeseile riefen sie fast 100 Menschen zusammen, die sofort auf die Polizisten losgingen. Die Polizeibeamtin wurde umgehend niedergeschlagen und ihr Kollege konnte nur mit Hilfe seiner Dienstwaffe erreichen, dass sie sich beide zurückziehen konnten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in Problemvierteln mit einem hohen Zuwandereranteil rechtsfreie Räume entstehen, in denen kriminelle Gruppierungen durch gezielte Einschüchterungen polizeiliche Maßnahmen verhindern. „Wir dürfen kriminellen Gruppierungen nicht die Straße überlassen, sonst werden ganze Stadtteile weiter abrutschen und mit ihnen die dort lebenden Menschen“, warnt der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Arnold Plickert die Politik davor, das Problem der No-Go-Areas weiter zu verdrängen.

Nach Beobachtungen der GdP gibt es nicht nur in Duisburg, sondern auch in Essen und Dortmund nahezu jede Woche Situationen, in denen Polizisten ohne jeden erkennbaren Grund von einer größeren Menschenmenge bedroht und angegriffen werden. „Für die kriminellen Banden ist es ein Spiel. Sie wissen, dass die Polizei in ihrem Stadtviertel keine Maßnahmen mehr durchsetzen kann, wenn sie nach Angriffen auf einzelne Polizisten nicht sofort fünf bis zehn Streifenwagen zur Verstärkung heranziehen kann.“[2] Sorge bereitet der GdP nach eigenen Angaben vor allem das Vordringen libanesischer Großfamilien in den Problemvierteln. In Duisburg kämpfen neben mehreren rivalisierende Rockergruppen vor allem türkische, rumänische und bulgarische Gruppen um die Vorherrschaft auf der Straße.

So funktioniert die empfohlene „Trennung der ethnischen Gruppen“ in Selbstorganisation. Und manch ein junger Mann, der im Asylheim gelernt hat, dass die eigene Gruppenzugehörigkeit auch in Deutschland wichtig ist und Probleme auch mit Gewalt gelöst werden, wird bei seiner Gruppe bleiben, statt seine Chancen in der deutschen Gesellschaft zu suchen. Da sollte die deutsche „Willkommenskultur“ dringend andere Signale setzen.

Während Polizeibeamte als Opfer gewalttätiger Übergriffe inzwischen immerhin wahrgenommen werden, interessiert sich kaum jemand für die Opfer der Gewalt in den Asylheimen. Sie wurden leider von den falschen Tätern zusammengeschlagen. Exemplarisch dafür war der Tod von Khaled Idris Bahray, der im Januar in Dresden erstochen wurde. Solange die Öffentlichkeit glaubte, der Asylbewerber aus Eritrea sei von einem deutschen Ausländerhasser umgebracht worden, herrschte überall große öffentliche Anteilnahme an. Nachdem ein Landsmann aus dem Asylheim die Tat gestanden hatte, erlosch das öffentliche Interesse.

Über ausländische Gewaltopfer lässt sich schlecht berichten, wenn die Gewalttäter ebenfalls Ausländer sind.  Die Medien wollen mit ihrer Berichterstattung schließlich keine Ressentiments gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln schüren. Der gut gemeinte Passus im Pressekodex des Deutschen Presserats, wonach die Herkunft eines Tatverdächtigen nur erwähnt werden solle, wenn sie zum Verständnis des Falles unbedingt nötig ist, hat mittlerweile zensurähnliche Berichtsverrenkungen hervorgebracht. (Mehr dazu hier und hier) (St. F.)

 

[1] http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/AUE/Massenschlaegerei-ist-keine-Ueberraschung-artikel9237666.php

[2] http://www.gdp.de/gdp/gdpnrw.nsf/id/DE_Polizist-konnte-sich-nur-durch-gezogene-Waffen-schuetzen?open&l=DE&ccm=200010

1 Kommentar

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