Sachdienliche Opern-Zensur

Das Festival von Aix-en-Provence streicht unbequeme, weil vielleicht als antiislamisch zu verstehende Szenen aus Martin Kušejs Inszenierung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Festivalchef Bernard Foccroulle hält diesen Eingriff in die Arbeit des Intendanten des Bayerischen Staatsschauspiels nicht für Zensur. Aber Anspielungen auf die Terrormiliz „Islamischer Staat“ seien ihm nach dem Anschlag in Lyon auf einer Opernbühne nicht sachdienlich erschienen.

„Kann man Mozarts ‚Türken-Oper‘ im Zeitalter eines bedrohlichen, menschenverachtenden Islamischen Staates (IS), in der der Muselmann Osmin fordert, dass alle Ungläubigen ‚geköpft, gehangen, gespießt auf heiße Stangen‘ werden, noch im Glauben an die Macht der Aufklärung inszenieren?“ fragt Alexander Dick von der Badischen Zeitung und antwortet gleich: „Für Martin Kusej undenkbar. Der Kärntner Theater- und Opernregisseur galt nie als zimperlich im Umgang mit den Realitäten auf der Bühne.“[1]

Man hätte also ahnen können, dass es keine seichte Inszenierung wird. Und dass mit Enthauptungsszenen auf den Islamischen Staat angespielt wird, kann man mögen oder nicht, legitim ist es allemal.

Aber wir leben in einer Zeit, in der sich westliche Verantwortungsträger nach jedem islamistischen Anschlag beeilen, zuerst zu versichern, dass das nichts mit dem Islam zu tun habe. Statt sich mit der Ideologie von Attentätern und Terroristen auseinanderzusetzen, möchte man alles vermeiden, was der ständig drohenden Islamophobie Vorschub leisten könnte. Vielleicht hat das auch den Festivalchef angetrieben, als er sich für den Zensur-Eingriff entschied. Er könne die Aufführung so nur noch eingeschränkt als seine Inszenierung bezeichnen, kommentierte Martin Kusej die zensierte Fassung.

[1] http://www.badische-zeitung.de/theater-2/gekoepft-gehangen-gespiesst–107313494.html

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