Bankenzwang statt Bargeld

Was lange nur als Forderung einiger Banker und Finanzpolitiker wahrgenommen und nicht sonderlich ernst genommen wurde, nimmt in Europa langsam politische Gestalt an: das schleichende Bargeld-Verbot. Auch deutsche Minister ergreifen jetzt die Initiative.

Bargeld ist verdächtig, denn mit ihm gibt es Geldflüsse, die nicht umfassend und detailliert überwacht und kontrolliert werden können. Außerdem verschafft das Bargeld dem Bürger noch die Möglichkeit, Geschäfte ohne das Zutun von Banken abzuwickeln. Nicht zuletzt kann er sein Geld auf diese Weise schnell und unkompliziert einer Enteignung durch Minuszinsen oder Bankenpleiten entziehen. Diese Freiheit, einfach zum Bargeld zu greifen, wird etlichen Europäern und vielleicht bald auch den Deutschen nach und nach beschnitten.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) startet jetzt die Initiative, eine gesetzliche Höchstgrenze für das Bezahlen mit Bargeld einzuführen. Nach seinen Vorstellungen könnte zunächst ab einem Wert von 2000 bis 3000 Euro jedes Bargeldgeschäft verboten werden. Das heißt, der Sozialdemokrat möchte die Bürger zwingen, möglichst jede Geldbewegung über eine Bank abzuwickeln. Die Banken bekommen so auch noch die Macht über Finanztransaktionen, die bislang an ihnen vorbei abgewickelt werden konnten.

Natürlich macht das der Minister nicht, weil er die Banken unterstützen will, sondern nur um uns Bürger noch besser vor Steuerhinterziehung und Kriminalität zu schützen. Wo virtuelles Geld die Konten wechselt, da kann der Staat schließlich alles bestens kontrollieren. Das Bankgeheimnis ist schließlich längst Geschichte.

Borjans verweist auf einen europäischen Trend und wirbt derzeit um eine gemeinsame Initiative der deutschen Landesfinanzminister, diesem zu folgen. In Frankreich sind ab September Bargeldtransaktionen über mehr als 1000 Euro illegal. In Italien gilt ebenfalls eine 1000-Euro-Grenze. Dänemark hat jüngst beschlossen, dass Geschäftsinhaber die Annahme von Bargeld verweigern dürfen. Bislang mussten Läden und Tankstellen – wie in Deutschland auch – das Geld als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren. Schweden propagiert seit Jahren, alles – also auch kleinste Beträge – mit Karten bzw. virtuell zu bezahlen. Das Bargeld komplett zu ersetzen ist das erklärte Ziel der Kampagne.

Soweit, versichert Borjans treuherzig, wolle er ja gar nicht gehen. Für kleine Beträge dürfen die Deutschen auch weiterhin noch ein wenig Kleingeld in bar mit sich herumtragen. Seine Initiative ziele nur auf „Auswüchse“ und „schiefe Geschäfte“ wie Drogenhandel, Steuerhinterziehung und Schwarzgeldkäufe.[1] Für ihn gilt offenbar jeder der in bar zahlt schon als verdächtig. Wer nichts zu verbergen hat, kann schließlich unter den Augen und zum Nutzen der Kreditinstitute und des Staates alle seine Geldgeschäfte über Bankkonten abwickeln.

Der Münchner Volkswirtschaftsprofessor Gerald Mann warnt schon länger davor, dass das Ende des Bargeldes längst ein festes Ziel der Finanzpolitik ist. „Das wäre ein massiver Eingriff in das Eigentumsrecht. Aber wenn, dann erfolgt die Abschaffung sowieso schleichend. Zuerst werden die großen Geldscheine abgeschafft, dann sinkt die Obergrenze der Beträge, die man in bar abheben darf – in einigen europäischen Ländern gibt es solche Regelungen bereits. Schließlich werden Barzahlungen einfach nicht mehr möglich sein und damit wird jede Transaktion nachvollziehbar. Die Arbeit der schon jetzt mächtigen Geheimdienste wird noch leichter und es entsteht der ‚gläserne Zahler‘. Ich nenne das ‚NSA plus‘.“[2]

Die Bargeldgegner werben aber mit mehr Sicherheit vor Kriminellen. Raubüberfälle oder Taschendiebstähle würden sich weniger lohnen und deshalb seltener verübt. Abgesehen davon, dass die auf Taschendiebstahl und Raubüberfall spezialisierten Fachkräfte sicher auch Abnehmer für gestohlene Kreditkarten finden und sich ansonsten stärker auf Sachwerte wie Schmuck, Uhren und Mobiltelefone fokussieren würden, birgt die bargeldlose Welt aus Manns Sicht noch ganz andere Gefahren. Er verweist auf „die großen Cyber-War-Angriffe, wenn also Kriege nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern virtuell geführt werden. Nehmen wir an, ein Land wird angegriffen und die komplette Stromversorgung lahmgelegt. Das allein würde ausreichen, um eine Panik auszulösen. Wenn es in so einer Situation aber kein Bargeld mehr gibt, kommt erst einmal niemand mehr an sein Geld, es sind keine Transaktionen mehr möglich und das Chaos wäre perfekt.“[3]

Doch wahrscheinlich würden sich etliche renitente Menschen schnell Alternativen zum verbotenen Bargeld suchen: „Die Menschen könnten wirtschaftliche Transaktionen mit Bargeld fremder Länder abwickeln. Edelmetalle könnten Verwendung finden oder Regionalwährungen oder Gutscheinsysteme. Menschen werden erfinderisch, wenn man ihnen das Bargeld nimmt, die geprägte Freiheit, wie es der russische Schriftsteller Dostojewskij formulierte. Aber auch der Staat hat Möglichkeiten, diese Alternativen zu unterbinden oder zu erschweren.“ Es wäre wohl ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel um einen letzten Rest finanzieller Freiheit. Da wäre es wohl besser, jetzt das Bargeld zu verteidigen.

[1] http://www.derwesten.de/wirtschaft/nrw-finanzminister-will-obergrenze-fuer-barzahlung-id10844890.html

[2] http://www.br.de/nachrichten/abschaffung-bargeld-bundesbank-100.html

[3] Ebd.

10 Kommentare

  1. Hella

    Da sind dann doch selbst die Kleinkriminellen noch das mit Abstand kleinere Übel gegenüber diesen mittlerweile staatlich organisierten Totalitaristen und Faschisten in der Maske der Demokraten, die eine Bargeldabschaffung befürworten!

    Der Versuch einer Abschaffung des Bargeldes – und sei er noch so hinterhältig eingefädelt – wird aber absehbar im unstillbaren Bürgerkrieg enden, denn niemand wird sich diese perverseste und allerletzte Form des Totalitarismus und der bankengestützten Sklaverei gefallen lassen!

    Wer das Bargeld abschafft, stellt sich damit außerhalb der Notwendigkeiten und der Zivilisation der gesamten Weltbevölkerung und ist damit vogelfrei, weil ohne weiteres als Totalitarist auszumachen! Kein Gesetz kann ihn mehr schützen – selbst nicht das der Gewalt!

    Wer an die Menschheitserrungenschaft des Bargeldes Hand anlegt, ist verflucht in Ewigkeit – denn er legt Hand an die Existenzgrundlage der gesamten Zivilisation und jedes einzelnen Menschen: Er legt Hand an die natürliche Freiheit des Individuums!!

    „Allzu straff gespannt bricht der Bogen!“ weiß jedoch der Volksmund seit Jahrtausenden – und auch die Befürworter einer Bargeldabschaffung würden dies lernen müssen – und zwar absehbar auf sehr blutige Weise – dies lehrt uns nämlich bereits die Geschichte!

    Die Abschaffung des Bargeldes käme dem Selbstmord des heute bestehenden, zivilisierten Systems gleich!
    Denn:

    Ohne Freiheit ist das Leben nicht mehr lebenswert – die Opfer dieser Infamie – und das wären (und sind bereits (sic.)) ja ganze Völker – würden nach kurzer Schockstarre über SO viel Infamie dagegen kämpfen wie die Berserker, weil das sklavenleben, was sie andernfalls erwartet nicht mehr lebenswert wäre!

    Mögen sich also die offenen oder heimlichen Befürworter einer Bargeldbeschränkung, oder gar ~abschaffung die Angelegenheit noch mal überschlafen, ehe es zu spät ist und der Zorn der Völker unbremsbar erwacht …

    Ich glaube: Nur Geisteskranke, Erzverbrecher und politische Selbstmörder können solch eine absurde und menschenverachtende Maßnahme wie die Abschaffung des Bargeldes auch nur in Erwägung ziehen!

    Statt das Bargeld, sollte man besser den unsäglichen und menschenverachtenden Bankenzwang abschaffen!

    Ein Regime aber, das die Menschen derart zu versklaven sucht und damit jegliches Vertraunen verspielt hat, gehört ohne jede Träne auf den Müllhaufen der Geschichte – samt seinen offenbar völlig wahnsinnig gewordenen Protagonisten!

    Hella

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  2. Onkel Dapte

    Und noch etwas…
    Es wurde den Leuten schon vorgerechnet, wieviel Geld sich sparen ließe ohne Geldscheine. Die genannten Beträge lagen zwischen einer und zwei Milliarden für Deutschland jährlich.
    Gegenrechnung: Wenn alles über Banken läuft, wie teuer wird es dann, wie hoch werden die Bankgebühren? Belastet würde der Empfänger der Zahlung, und der würde es durch Preiserhöhungen zurückholen. Unter dem Strich nichts als ein Minuspaket für jeden Bürger.

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  3. Onkel Dapte

    Ich habe längst ein paar CHF gebunkert. Bisher hat es sich gelohnt.

    Im übrigen halte ich die Bargeldabschaffung für nichts anderes als den Versuch, die Demokratie abzuschaffen. Man achte darauf, wer sich besonders dafür einsetzt, dann weiß man, wer eine Diktatur errichten will.

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    1. Hella

      So ist es!

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  4. dentix07

    Dieser Versuch wird letztlich nur dazu führen das der Schwarzmarkt blüht! Irgendeine Ersatzwährung – Zigaretten werden es wohl nicht mehr sein – werden die Menschen finden, jede Wette!
    Menschen sind viel erfinderischer – insbesondere wenn es um ihre ureigensten Interessen geht – als es sich staatliche Bürokratie und Politbürokraten vorstellen können! „Der Staat“ wird sich damit nur selbst delegitimieren, weil er immer offener und öfter zu Repressalien gegen seine Bürger greifen muß um „das (Un)-Recht“ durchzusetzen!
    Sollten sich Politiker hinter die Ohren schreiben: Erstens kommt es anders, und zweitens als IHR denkt!

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  5. Geldsozi

    Hieß es nicht früher immer, Sozis könnten nicht mit Geld umgehen? Da ist es doch konsequent, wenn der Genosse Finanzminister das Geld gleich ganz abschafft, dann fällt das nicht so auf.

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    1. Umverteiler

      Nee, nee, wenn schon Genosse dann richtig, denn wie haben wir es doch im Osten gelernt: Im Kommunismus kann das Geld abgeschafft werden, denn das Privateigentum spielt keine Rolle mehr … und sonst ists wie immer: Einige sind gleicher.

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      1. Selbständiger

        Ja, die Schweine sind gleicher. Hoffen wir mal, das sie nicht gewinnen.

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      2. Weckruf....

        Wann wird uns endlich mal bewußt, was diese Rot-Grün linke „Vereinigung“ mit uns vorhat?
        Diese sozialistischen Vordenker bzw. Gutmenschen sind ja von Ihren Plänen meist nicht betroffen!!!

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        1. dentix07

          Nicht ganz! Die 100 000 DM Parteispende im Köfferchen, oder wars der Briefumschlag in der Schublade von Schäuble, wären dann auch nicht mehr möglich! 🙂
          Das ist denen aber wahrscheinlich noch nicht aufgefallen, bzw. es fallen ihnen andere Tricks ein!
          Wird bestimmt hoch interessant, wenn der Bettler in der Einkaufsstraße einem ein mobiles Kartenlesegerät entgegenstreckt: „Bitte um eine Spende!“ Oder wenn während des Gottesdienstes statt Klingelbeutel auch so ein Kartenlesegerät rumgereicht wird! Und am Ausgang auch noch zwei und später fragt einen der Finanzbeamte ob der Höhe der Spende: „Hatten Sie was ausgefressen? Scheint ja als ob Sie Gott bestechen wollten!“

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