Reform auf dem Medien-Gutshof

Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender eine Strukturreform angeht, sind Landespolitiker sehr wachsam. Nicht, weil sie sich um die künftige Qualität der Programme sorgen, sondern weil so viele Senderstandorte wie möglich im eigenen Bundesland gehalten werden müssen. Gewachsene Produktionsstrukturen oder gar die Interessen der Mitarbeiter spielen auf diesem Verschiebebahnhof nur eine nachrangige Rolle. Das kann man den Landespolitikern aber auch nicht vorwerfen, denn die Senderchefs selbst agieren in diesen Dingen ohnehin schon nach Gutsherrenart.

Der MDR steht vor einer Strukturreform. Bisher arbeiten Fernsehen, Hörfunk, Online und Regionales  getrennt in ihren jeweiligen Funkhäusern bzw. Verwaltungen. Ganz traditionell, oldschool sozusagen. Künftig, der neuen Medienwelt angepasst, soll alles crossmedial sein, also TV, Hörfunk und Online werden jeweils für Kultur, Zeitgeschehen oder Sport zusammengelegt. Soweit klingt das eigentlich ganz sinnvoll. Dennoch erinnert das, was man von MDR-Mitarbeitern hört, eher an einen großen Verschiebebahnhof. Denn dummerweise ist da ja auch noch die technische Infrastruktur. Bislang produziert das Fernsehen in Leipzig und der Hörfunk in Halle. Künftig soll in Halle die Kultur in allen Verbreitungsformen angesiedelt werden, Zeitgeschehen und Aktuelles wird in Leipzig zusammengefasst.

Nur müssten nun in Halle TV-Produktionsmöglichkeiten entstehen und in Leipzig Hörfunkstudios.

Investitionen von 12 Millionen Euro sind zur Reform nötig. Gleichzeitig wird über sparsamere Kompromissvarianten diskutiert. Strukturell könnten beispielsweise alle Kultur-Mitarbeiter nach Halle gehören, von dort auch verwaltet werden, während alle Arbeit, zu der man TV-Equipment braucht, weiterhin in Leipzig erledigt würde. Die Mitarbeiter müssten vielleicht häufiger zwischen den quasi benachbarten Städten pendeln, aber das würden die meisten als Berufspendler zunächst ohnehin tun.

Dafür spräche auch, dass es dann nicht so auffällt, wenn – wie geplant – noch ein paar Redakteure in den Resten alter Programmbereiche arbeiten, die vorerst nicht in die neue Ordnung einsortiert werden. Es müssen schließlich auch alle Programmbereichsleiter in der neuen Ordnung einen angemessenen Posten finden bzw. behalten.

Aber das ist ein anderes Thema. Schon die einfache Umstrukturierung, ohne solche Besonderheiten, ist für die Verwaltung schwer genug.

Viele Mitarbeiter wissen deshalb noch nicht, wo sie denn ab Jahresbeginn arbeiten werden. Als wäre das nicht schon schwer genug, schalten sich nun auch die Landespolitiker aus Thüringen lautstark ein. Parteiübergreifend beklagen sie, ihr kleiner Freistaat werde benachteiligt. Mag der Kinderkanal unangefochten in Erfurt sitzen – auch das Landesfunkhaus bleibt natürlich – letztlich werde die Musik in Leipzig und Halle spielen, also in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ganz falsch ist das nicht, nur war es bislang nicht anders. Dennoch fordern die Thüringer nun eine stärkere Berücksichtigung ihres Landes. Muss jetzt deshalb noch flugs etwas von Halle oder Leipzig nach Erfurt verschoben werden? Zum Gutshofdenken in der Provinz würde es passen. Denn jetzt müssen Standortgrößen und Arbeitsplätze gezählt werden. Das ist viel wichtiger, als dem Sender einfach die Chance zu geben, sein Programm ohne unproduktiven Zusatzaufwand zu produzieren. Ob der diese Chance auch wahrnähme, ist eine ganz andere Frage.

Letztlich kann man davon ausgehen, dass sich die MDR-Führung mit der Thüringer Landesregierung auf irgendeine Form der stärkeren Berücksichtigung des Landes einigen wird. Dass die Thüringer Allgemeine ganz aufgeregt von einer Krisensitzung der Intendantin und der Rundfunkräte mit der Landesregierung schreibt, ist vielleicht etwas hoch gegriffen. [1]

Doch selbst wenn es in dieser Auseinandersetzung noch ein wenig Theaterdonner geben wird, dem Publikum, auch dem aus Thüringen, dürfte das herzlich egal sein. Die Qualität des Programms ist entscheidend, egal ob es fünf Kilometer vor oder hinter einer Landesgrenze entsteht.

[1] http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Krach-im-MDR-Wird-Thueringen-zum-Verlierer-der-Sender-Reform-369507284

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