Sag niemals „Nein“ zum CSD

Das Christopher-Street-Day (CSD)-Bündnis in Erfurt hatte sich alles so schön vorgestellt: die Einladung zu einem angemessenen Empfang im Landtag und die fördernde Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten vor dem bunten Aufmarsch Ende August. Und dann lehnt dieser Mann das einfach ab. Aber der „LGBT*I-Community“ einen Wunsch abzuschlagen, ist mehr, als nur einfach einer Interessengruppe das Parlamentsgebäude und etwas Steuergeld zu verweigern. Heutzutage scheint das schon ein Ausdruck von Homophobie und Diskriminierung zu sein, wenn man sich die Reaktionen auf diese Absage anschaut.

„Wir hatten keine Hoffnung mehr, dass dieses Jahr ein angemessener Empfang für die Menschen der LGBT*I-Community in Erfurt stattfinden kann“, schreibt der Vorsitzende des CSD Erfurt e.V., Ralf Merbach, dem Facebook-Publikum. Angemessen heißt in diesem Falle offenbar, alles unterhalb eines Staatsempfangs ist eher beleidigend für die Thüringer CSD-Aktivisten. Schließlich muss man nicht mehr gegen das Establishment protestieren, sondern ist selbst schon so sehr Teil des Establishments, das beinahe in Vergessenheit gerät, dass es sich bei der „LGBT*I-Community“ immer noch um eine kleine Minderheit handelt.

Bei Christian Carius, dem Landtagspräsidenten von der CDU, war dieser Umstand hingegen vielleicht wieder etwas zu präsent, als er das Begehren der CSD-Veranstalter abschlägig beschied. Letztlich war das keine Katastrophe, denn umgehend sprang Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow ein, lud zum Empfang in die Staatskanzlei und übernahm die Schirmherrschaft. „Den Anliegen vieler Menschen in Thüringen und darüber hinaus, wird seitens der Staatskanzlei damit Rechnung getragen“, freute sich CSD-Organisator Merbach.

Damit könnte es gut sein, zumal es den meisten Thüringern wahrscheinlich herzlich egal ist, wer so im Laufe eines Jahres zu Empfängen in den Landtag oder in die Staatskanzlei eingeladen wird. Aber dass ein Landtagspräsident im rot-rot-grünen Thüringen die Frechheit besitzt, der „LGBT*I-Community“ eine Absage zu erteilen, das kann nicht ohne Nachspiel bleiben. Das Verhalten des Landtagspräsidenten werden die Grünen zumindest im Ältestenrat des Landtags auf die Tagesordnung setzen. Und natürlich muss auch den Bürgern erklärt werden, wie verwerflich diese Absage war.

Astrid Rothe-Beinlich sitzt für die in Thüringen mitregierenden Grünen im Landtag und ist nach eigener Auskunft in ihrer Fraktion „zuständig für die Themen Bildung, Kultur, Religion, Aufarbeitung, Migration, Integration und Flucht, Justiz sowie Frauen und Gleichstellung“. Als solche ist sie prädestiniert, den ungeheuerlichen Vorfall richtig einzuordnen: „Dass Landtagspräsident Christian Carius den vom Erfurter CSD-Bündnis geplanten Empfang nicht unterstützt, ist ein wahrliches Trauerspiel. […] Mit Fragen und Problemen bei der Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und intersexuellen Menschen will die Thüringer CDU anscheinend im Landtag nichts zu tun haben. Das beweisen allein die unqualifizierten Aussagen der CDU zum Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre.“

Das eine hat mit dem anderen zwar nichts zu tun, aber es macht sich gut, um selbst noch als Regierungspartei einer eigenen Werbeveranstaltung etwas positive Protest-Aura zu verleihen: „Daher werden wir im Herbst selbstverständlich auch unseren vierten Regenbogenempfang wieder im Thüringer Landtag veranstalten – und das ist auch gut so! Nachdem wir uns in den vergangenen Jahren den Themen ‚Homophobie und sexuelle Vielfalt im Sport‘, ‚LSBTI in Schule und Unterricht‘ sowie ‚Öffnung der Ehe‘ und ‚Kinderwunsch von gleichgeschlechtlichen Paaren‘ gewidmet haben, werden wir in diesem Jahr das Thema ‚Transsexualität in Thüringen‘ auf die Agenda setzen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie unseren Gästen werden wir uns einen möglichst umfassenden Überblick über Transsexualität und Transidentität sowie über die Aufklärungsarbeit verschaffen, um mehr Offenheit gegenüber Transsexualität und Transidentität zu erreichen. Insbesondere soll die bisherige Antidiskriminierungsarbeit von Institutionen und Politik in den Blick genommen werden. Schließlich gibt es hier gerade in Thüringen noch eine Menge zu tun.“

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