Im Gegenverkehr durch Afrika

REZENSION: Wie schwer es für afrikanische Auswanderer nach Europa ist, eine nicht lebensgefährliche Schiffspassage über das Mittelmeer zu bekommen, ist hinlänglich bekannt. Der Europäer hingegen fliegt einfach nach Afrika, wenn er denn dorthin will. Aber was ist, wenn er plant den Kontinent über das Mittelmeer zu erreichen, um ihn dann im eigenen Auto durchqueren zu können? Vor wenigen Jahren hätte er einfach einen Platz auf einer Fähre buchen können. Doch wer heutzutage Ostafrika erreichen möchte, für den gibt es durch die aktuellen Krisen und Kriege gar keine Fähre mehr, die er nehmen könnte. Der Gegenverkehr von Europa nach Afrika ist vielleicht nicht lebensgefährlich, aber reich an Abenteuern und Überraschungen ist der Weg inzwischen allemal.

Matthias Mesletzky hat sich auf diesen Weg gemacht und man kann ihn  äußerst lebensnah in seinem Buch „Allein durch Afrika“ auf dieser Tour begleiten. Hinter dem Titel könnte sich alles verbergen, deshalb kurz zusammengefasst: Sie bekommen zum Glück keine in seichte Reisegeschichten gebettete Reiseführerlyrik zu lesen, sondern das wirkliche Leben in klaren Worten. Die Lektüre bietet ein facettenreiches Miterleben all des Unvorhergesehenen, der Herausforderungen, der Beinahe-Katastrophen, der vielfältigen Begegnungen mit den verschiedensten Menschen und auch der Ängste und Triumphe. Der lebensnahen Beschreibung glaubt man alles, wie den Erzählungen eines alten Freundes, selbst dann, wenn die Wirklichkeit manchmal gängigen Klischees entspricht. Im nächsten Moment ist ohnehin alles wieder ganz anders.

Die Route geht von Berlin nach Kapstadt, zuerst nach Ostafrika und dann von Tansania aus in Richtung Südwesten nach Namibia.

Schon am Anfang droht das Vorhaben zu scheitern. Keine Fähre fährt mehr nach Ägypten. Es gibt zwar Schiffe nach Tunesien, aber dann kommt man nicht durchs Kriegsgebiet Libyen. Also muss unser Mann erst nach Israel. Und dann darf er nicht von Israel nach Ägypten reisen, weil die ägyptische Regierung, während er auf dem Schiff war, ein Einreiseverbot für Allradfahrzeuge verhängt hat. Die würden schließlich gern von Aufständischen gekidnappt, um sie dann militärisch aufzurüsten. Also geht es erst einmal nach Jordanien.

Nun gäbe es einen Weg über Saudi-Arabien und von dort mit einer Fähre in den Sudan, doch dazu braucht der Reisende ein saudisches Transitvisum. Das ist in Amman einfach nicht zu bekommen. Hilfe von der deutschen Botschaft gibt es dabei nicht. Der um Unterstützung bittende Deutsche wird beim Besuch „seiner“ Vertretung wiederholt draußen vor der Tür, im Straßenstaub von Amman abgefertigt.

Doch es gibt zum  Glück Jordanier, die ihm einen Ausweg weisen. Das Auto kommt mit einem Containerschiff in den Sudan und er selbst muss fliegen. Also landen wir mit ihm in völliger Ungewissheit in Khartum, der Hauptstadt eines so sehr boykottierten Staates, dass man sich auch als Ausländer kein Geld aus der Heimat überweisen lassen kann.

Es sind nicht nur Geschichten administrativer Schwierigkeiten. All das Schöne, Archaische, Spannende an Afrika erleben wir mit dem Autor auf seiner Reise. All die faszinierenden Landschaften und Menschen. Man taucht einfach mit ein und bekommt beim Lesen sowohl Fernweh als auch ein wenig das Gefühl, vielleicht nicht über die nötige Courage für eine solche Reise zu verfügen.

Es wird nie langweilig, so wie auch eine solche Reise nicht langweilig werden kann.

Matthias Mesletzky hatte etliche Stationen seiner Reise schon in dem Blog a-man-on-tour.com beschrieben. Das Buch ist aber kein zweiter Aufguss dieser Geschichten. Auch für den, der die Reise schon im Blog verfolgt hatte, bietet das Buch viel Neues. Auf der früheren Blog-Seite finden sich jetzt Leseproben des Buches.

Vor allem wird das Mitreisen für den Leser, der sich darauf einlässt, so leicht, weil wir mit einem Autor unterwegs sind, der sich nicht als mit allen Wassern gewaschener Abenteuerreisender darstellt, sondern als normaler Mann, der nur im Unterschied zu den meisten anderen normalen deutschen Männern genug Mut und Entschlossenheit aufgebracht hat, allein eine solche Tour zu starten und der sie jahrelang akribisch vorbereitet hat. Zwar lässt sich Afrika nicht planen, aber man muss sich selbst auf Vieles vorbereiten, wenn man auf dieser Route allein ist.

Im Gegenverkehr fuhr der Autor nicht nur im Vergleich zu den Auswanderern nach Europa. Auch die meisten Traveller, die den Kontinent ähnlich wie er bereisten, kamen von Süden. Auch wenn die beschriebene Reise zeitlich kurz vor dem dramatischen Anstieg der Einwandererzahlen lag, wir lesen schon hier, dass der deutsche Reisende oft darauf angesprochen wurde, wie man denn nach Deutschland gelangen könne und welche Chancen dieses reiche Land denn bieten könne.

Wenn es das Buch nicht viel teurer gemacht hätte, wären mehr Fotos wünschenswert. Aber die findet man ergänzend auf der Galerie-Seite von a-man-on-tour.com

Matthias Mesletzky: Allein durch Afrika

divis (-) verlag Berlin 2015, Taschenbuch 13,95 Euro, Festbindung 17,95 Euro, E-Book 4,99 Euro, ISBN-10: 3981720601, ISBN-13: 978-3981720600

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