Halal für alle

Am Jahresanfang haben wir noch gelernt, dass Islamisierung gar nicht existiere und nur eine Wahnvorstellung zurückgebliebener sächsischer Pegida-Anhänger sei. Dass die Schüler, die in einem deutschen Berufskolleg das Kochen und Backen erlernen, dies nach muslimischen Speisevorschriften tun müssen, hat damit selbstverständlich nichts zu tun. Halal ist einfach nur besser, sagt der verantwortliche Bäcker- und Konditormeister.

Thomas Stürznickel ist Bäcker- und Konditormeister und lehrt an einem Berufskolleg in Münster. Der Mann ist kein Moslem, doch für seinen Unterricht hat er eine klare Regel: „Hier gilt die Maßgabe, dass alle Produkte gemäß den Halal-Richtlinien hergestellt werden.“[1] Für die islamische Seite IslamiQ ist Stürznickel damit natürlich ein Mann der Zukunft und passender Werbeträger: Der christliche Bäcker, der auch den nichtislamischen Nachwuchs zum Halal-Backen und Kochen erzieht, welch eine Integrationsleistung.

„Ich habe gemerkt, dass die christlichen Schüler das sehr interessant fanden und dabei auch festgestellt haben, dass der Anspruch hinsichtlich der Qualität an Lebensmitteln im islamischen Glauben viel stärker ausgeprägt ist, als im christlichen Glauben und das haben die Schüler gerne übernommen“, sagt der Halal-Liebhaber. Das klingt so märchenhaft schön. Schade nur, dass es immer noch rückständige Schweinefleischesser gibt, die das einfach nicht verstehen wollen.

Aber die, die es schon verstanden haben, kümmern sich in einer deutschen Bildungseinrichtung um die Einhaltung der muslimischen Speisevorschriften dann auch mit deutscher Gründlichkeit, wie Stürznickel erzählt: „Natürlich gab es auch skurrile Situationen, zum Beispiel als wir mit Pinseln das Backwerk abgestrichen haben, und plötzlich eine hitzige Diskussion darüber geführt wurde, dass die Pinsel aus Schweineborsten hergestellt wurden. Danach sind wir auf Kunststoffpinsel umgestiegen. Die muslimischen Schüler sagten zu mir, dass nicht mal Muslime auf solche Feinheiten achten würden.“

Natürlich sind sich Stürznickel und die Macher von IslamiQ einig, dass dieses Beispiel Schule machen muss. „Wir sind das erste Berufskolleg in Deutschland, das islamkonformes Essen herstellt. Das sollte als Lerneinheit Bestandteil in jeder Koch- und Backausbildung werden. Alles andere würde der multikulturellen und multireligiösen Realität in Deutschland widersprechen.“

Muss dann jeder Koch auch noch lernen, auf Hindus Rücksicht zu nehmen, natürlich ist auch vegane Küche zwingend, denn als aufgeklärtes Öland sind uns ja auch die Zivilreligionen wichtig. Klimaschonendes Kochen und Backen wäre ebenso essentiell. Ja, ich übertreibe, denn so haben es weder der islamfreundliche Bäckermeister noch die Muslime von IslamiQ gemeint. Hier heißt doch multikulturell und multireligiös nur, dass es immer privilegierende Sonderregelungen für den Islam geben muss. Überall muss es Halal-Angebote geben und der Staat hat sich darum zu kümmern. Nebenher darf es auch noch ein paar Lokale geben, die auch Schweinshaxen anbieten

In den Regionen, in denen die Schweinshaxe noch viele Anhänger hat, gibt es auch in der Politik noch Reaktionäre, die sich der schönen neuen deutschen Halal-Welt entgegenstellen. Beispielsweise in Bayern. Dort hatte der Landtag vor der Sommerpause mit CSU-Mehrheit den Antrag der SPD-Fraktion, ein staatliches bayerisches Halal-Gütesiegel einzuführen, einfach abgelehnt. Aber den Halal-Siegeszug wird das nicht aufhalten. In Brüssel beispielsweise ist schon jede zweite Metzgerei halal.

[1] http://www.islamiq.de/2015/07/25/halal-produkte-sind-qualitativ-hochwertiger/

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