Zensur und Korrektur

In George Orwells 1984 konnten wir einst lesen, wie unbequeme Zeitungsmeldungen rückwirkend verändert wurden, damit auch die Beiträge im Archiv ins offizielle Weltbild passten. Dass man das Gleiche auch mit einer TV-Livesendung versucht, ist wirklich eine Premiere. Wer will da noch behaupten, vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gingen keine Innovationen mehr aus.

Dass der WDR eine Folge der Diskussionssendung „hart aber fair“ über den Gender-Wahnsinn hat aus der Mediathek verschwinden lassen, sorgte für einige Aufregung. Der Deutsche Frauenrat hatte sich zuvor beschwert, weil den Damen die Sendung insgesamt zu kritisch gegenüber Gender-Professuren war und der Moderator Frank Plasberg allzu pointiert über die absurden Auswüchse, die unter der Flagge der Gleichstellung in den Alltag einsickern, gesprochen und Gender-Kritikern damit Steilvorlagen geliefert habe.[1] Obwohl der WDR feststellte, dass weder Redaktion noch Moderator einen Regelverstoß begangen hätten, beschloss der Rundfunkrat, die Sendung in den Giftschrank zu verbannen und der Öffentlichkeit auch in der Mediathek nicht mehr zu zeigen.

Einige Tage lang gab es etwas Aufregung, aber eigentlich hätte es das Publikum jetzt schon fast vergessen, aber das lässt der WDR nicht zu. Für den Sender ist das hingegen Anlass zu einer äußerst innovativen Fortsetzung des Zensur-Dramas. Nun soll die gleiche Sendung zu diesem Thema wiederholt werden. Mit den gleichen Gästen – zumindest seitens der Gender-Kritiker – plus einer Vertreterin eines Frauenverbands, also der seinerzeitigen Beschwerdeführer. Eine im Sinne des Gender-Mainstreaming misslungene Diskussion wird durch eine hoffentlich gewogenere ersetzt. Zumindest wenn alles nach Plan funktioniert.

Für den Zuschauer ist das ein durchaus spannendes Experiment, wann sonst darf man der medialen Korrektur der Wirklichkeit schon live beiwohnen. Das gab es noch nie. Und solange der WDR nicht gegen die auf YouTube veröffentlichte Aufzeichnung der alten „hart aber fair“-Sendung vorgeht, kann man dann sogar die beiden Versionen vergleichen: Die legale und die illegale. So kann sich öffentlich-rechtliches Fernsehen vielleicht auch bei jüngeren Menschen wieder interessant machen. Verschwinden Sendungen im Giftschrank, so haftet ihnen der Reiz des Verbotenen an und dafür riskiert der Nachwuchs vielleicht sogar  einen Blick ins Gebührenfernsehen. „Aktenzeichen XY“ hat das gerade mit einem schwarzen Verdächtigen versucht.

Es geht aber auch einfacher. Warum entscheiden sich die Sender nicht dafür, künftig auf Live-Diskussionen zu verzichten und nur zuvor aufgezeichnete Sendungen auszustrahlen. In Diktaturen und „gelenkten Demokratien“ funktioniert das Modell seit Jahrzehnten prima. Dann kann man einfach wie ehedem zurechtschneiden, was nicht passt, und hat hinterher nicht so viel Ärger. Aber wir wären um eine Programminnovation ärmer.

Die YouTube-Fassung der alten „hart aber fair“-Sendung finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=QApizuolG8s.

[1] http://www.frauenrat.de/deutsch/infopool/nachrichten/informationdetail/article/nrw-gleichstellungsbeauftragte-legen-programmbeschwerde-gegen-hart-aber-fair-ein.html

1 Kommentar

  1. Gassenreh

    „Es wurde bisher grundsätzlich immer nur die Wahrheit verboten.”
    (Friedrich Nietzsche, Philosoph)
    Die beabsichtigte und bisher gut verborgene gesellschaftszerstörende Wirkung von Gender Mainstreaming wird sicher nicht gleich von allen bemerkt werden. Aber bald deutlich werden sollte, dass Gender Mainstreaming auch ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder ist.
    Nicht verschwiegen werden sollte, dass Gender Mainstreaming auch ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder ist. Zum Beispiel das Negieren bedeutsamer und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig und die an sich höhere weibliche Depressionsneigung noch gesteigert werden. Vergessen der für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung (infolge des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten im Mutterleib) mit der Folge von Sprach-, Lese- und Rechtschreibstörungen durch Fremdbetreuung.
    Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-9814303-9-4 (http://www.amazon.de/Vergewaltigung-menschlichen-Identität-Irrtümer-Gender-Ideologie/dp/3) und „Es trifft Frauen und Kinder zuerst – Wie der Genderismus krank machen kann“, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-945818-01-5 (http://www.amazon.de/trifft-Frauen-Kinder-zuerst-Genderismus/dp/394581801X)

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