Ermittlerin mit Titelbild

Ein verdeckter Ermittler soll logischerweise nicht als Polizeibeamter erkannt werden. Die Hamburger Polizei hat allerdings eine verdeckte Ermittlerin in die linksradikale Szene eingeschleust, die wenige Jahre zuvor in Uniform das Titelbild des „Polizeispiegel“ zierte. Trotzdem wurde sie während der vier Jahre ihres Einsatzes von 2009 bis 2012 nicht enttarnt. Erst jetzt, drei Jahre später. In der Szene ist man aber nachtragend und veröffentlicht nun ein Dossier.

Die Polizeibeamtin war unter dem Tarnnamen Maria Block in „antifaschistischen“ und „antirassistischen“ Gruppen aktiv. Sie tauchte überall dort auf, wo sich Linksradikale gern treffen und „organisierte Demonstrationen und Soli-Aktionen, führte Freundschaften und eine Liebesbeziehung innerhalb der Szene“[1], wie die taz schreibt. Die Zeitung hat dafür auch eine Bestätigung durch die Polizeipressestelle bekommen, aber bezieht sich ansonsten vor allem auf einen Blog und eine nicht näher bezeichnete „Recherchegruppe“.

Schaut man sich das Rechercheergebnis[2] an, so stößt man auf eine junge Frau, die ursprünglich aus Halle kommt und in Berlin eine Polizeiausbildung begann. Im Jahr 2003 gingen etliche ausgebildete Polizisten von Berlin nach Hamburg. Die Hauptstadt sparte und wollte nicht mehr alle Absolventen der Polizeiausbildung übernehmen, während der Hamburger Senat gerade zusätzliche Polizisten suchte. Zu diesem Anlass lächelte die künftige Maria Block vom Cover des „Polizeispiegel“, in Uniform, als Beispiel für die glücklichen neuen Hamburger Polizeibeamten. Das Bild konnte im Internet seither jeder sehen.[3]

In den linksradikalen Gruppen in Hamburg wurde aber die Zeitschrift der Deutschen Polizeigewerkschaft wahrscheinlich nicht ganz so aufmerksam gelesen. Und auch die Hamburger Polizei hat sich offensichtlich darauf verlassen, dass sich nach einigen Jahren wohl niemand mehr an das schöne Titelbild erinnert. Die „Recherchegruppe“ gibt in ihrem Dossier auch unumwunden zu, nur durch einen Zufall auf das Titelbild des „Polizeispiegel“ gestoßen zu sein.

2012 zog sich die verdeckte Ermittlerin aus der linksradikalen Szene zurück. Jetzt könnte es für sie etwas ungemütlich werden, denn die linken Rechercheure teilen ihren Lesern nicht nur den Klarnamen mit. Sie erfahren auch die genaue Adresse der Polizeibeamtin und dass sie dort mit ihrem Partner und einer kleinen Tochter wohnt.

Es ist zu spät, jetzt zu resümieren, dass sich Zeitschriftencover und verdeckte Ermittlungen nun einmal schlecht vertragen.

[1] http://www.taz.de/Verdeckte-Ermittlerin-aufgeflogen/!5223544/

[2] https://enttarnungen.blackblogs.org/veroeffentlichung-enttarnung-von-maria-block-boehmichen/

[3] http://www.dpolg-saar.de/upload/pdfpolsp/Polizeispiegel%2009-03.pdf

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