Brennendes Deutschland

Als Nachrichtenkonsument bekommt man dieser Tage den Eindruck, überall legen rechte, fremdenfeindliche Brandstifter Feuer, um Zuwanderer zu attackieren. Doch an deutschen Brandstätten zündeln oft auch völlig andere Täter. Sogar etliche Feuer, die in den Medien schon ganz sicher in die Reihe fremdenfeindlicher Anschläge eingeordnet wurden, hatten nach Ende der Ermittlungen ganz andere Brandstifter.

Dass es rechtsextreme und fremdenfeindliche Brandstifter gibt, ist natürlich unbestritten. Sie nehmen in den folgenden Zeilen nur deshalb wenig Raum ein, weil ihr Treiben schon hinreichend mediale Würdigung und Verurteilung findet. Wer aus anderer Gesinnung Feuer legt oder vielleicht gar nicht aus weltanschaulichen Gründen zündelt, kann nicht mit so viel Aufmerksamkeit rechnen.

Es geht ja auch nicht jedem um Aufmerksamkeit. Manchmal entsteht ein großer Brand nur durch einen Dumme-Jungen-Streich, wie Ende August in einer Sporthalle im Berliner Stadtteil Wittenau. Die lag neben einem Gelände, dass schon von Asylbewerbern bewohnt wurde und einen Tag nach dem Brand, sollte hier ein Willkommensfest stattfinden. Als die Flammen loderten, war deshalb klar: Hier haben wieder rechtsextreme Ausländerhasser Feuer gelegt. Sofort erschien der Brand in den Aufzählungen fremdenfeindlicher Anschläge.

Das Ergebnis der Ermittler der Berliner Polizei sah dann einige Tage später ganz anders aus. Keine Rechtsextremisten, keine Fremdenfeinde, keine Deutschen, ja nicht einmal vorsätzliche Brandstifter waren es, sondern Kinder der hier lebenden Asylbewerber hatten buchstäblich mit dem Feuer gespielt. Dieses Ermittlungsergebnis wird natürlich nicht verschwiegen. Aber so prominent, wie der vermeintliche fremdenfeindliche Anschlag wird es nicht vermeldet und in mancher Aufzählung der von Rechten angegriffenen Asyleinrichtungen bleibt es wahrscheinlich dennoch stehen.

Interessant ist eine Aufstellung über 111 Brände in Asylheimen seit Ende 2013[1], in der die offensichtlich die Daten von Einzelnachrichten zusammengefasst wurden. Natürlich muss man jeder Erhebung, deren Urheber damit Interessen verfolgen könnte, skeptisch sein. Insofern sind diese Zahlen ohne Gewähr. Aber nach einigen eigenen Stichproben erscheint sie relativ stimmig und verrät zumindest etwas über die Größenordnungen.

Lassen wir die Brände wegen technischer Defekte einmal weg, so sind 35 Verursacher der fahrlässigen und vorsätzlichen Brandstiftungen bislang nicht ermittelt worden. Davon können natürlich viele in den Bereich des fremdenfeindlichen Feuerlegens fallen. Eindeutig fremdenfeindlich waren die Motive immerhin bei 16 Brandstiftungen.

47 Brände haben die Bewohner der jeweiligen Unterkunft ausgelöst, oft in fahrlässiger Brandstiftung.

Jeder rechtsextreme Brandanschlag ist schlimm und verdient es, wie jede Brandstiftung, mit aller Konsequenz verfolgt zu werden. Aber auch andere Extremisten oder völlig unpolitische Pyromanen spielen mit dem Feuer. Und es wird jeden Tag weitaus mehr angezündet, als Asylbewerberunterkünfte.

Aufgrund von Brandstiftung brennen auch Kirchen, Synagogen, Moscheen, Mehrfamilienhäuser mit ausschließlich deutschen Bewohnern, Geschäfte, Werkshallen, Lagerhallen, Bahnsignalanlagen und Autos. Mal geht es um die eigene Ideologie, um Protest, um Rache, um Immobilienspekulation, um Versicherungsbetrug oder eine perverse Liebe zur Macht des Feuers. Allein ein Blick in die Nachrichten der letzten Augusttage zeigen, dass in Deutschland recht oft etwas mutwillig angezündet wird.

Linksextreme beispielsweise spielen gern mit dem Feuer, erregen damit aber nur geringere Aufmerksamkeit. Autos anzünden wird, außer von den Betroffenen, ja fast schon wie eine kulturelle Eigenheit behandelt. Stehen Signalanlagen der Bahn in Flammen, kann das zuweilen als legitimes Mittel durchgehen, Rechte an der Fahrt zu einer rechten Demonstration zu hindern. Deshalb ist es auch keine große mediale Aufregung wert, wenn’s denn bei den Rechten brennt. Jüngst gerade wieder in Chemnitz, wo ein Laden in Brand gesetzt wurde, der die bei Rechtsextremen Kleidungsmarke Thor Steinar vertreibt. Bei einem ebenfalls von der rechten Szene in Chemnitz gern besuchten Militariahändler griff das gelegte Feuer nicht richtig auf das Geschäft über.

Das Bedauern hält sich in Grenzen, denn niemand will die Rechten in einer Opferrolle sehen. Wir ja auch nicht, deshalb verlassen wir dieses Feuer. Als es in einem Wohnblock in Neuhaus am Rennweg brannte und klar wurde, dass hier jemand gezündelt haben musste, betonte der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft zuallererst, dass in diesem Aufgang keine Asylbewerber untergebracht waren. Erst dann zeigte er sich erleichtert, dass den sechs Familien in dem brennenden Aufgang nichts passiert ist.

In Königswinter gab es in den letzten Monaten eine Brandstiftungsserie: Zuerst wurde im Bahnhof Feuer gelegt, dann folgte eine Brandstiftung in einem größtenteils leer stehenden Gebäudekomplex, eine versuchte Brandstiftung in der Sakristei der Kirche St. Remigius und zum Schluss die Tafel der Arbeiterwohlfahrt. Die Lebensmittelausgabe an Bedürftige musste daraufhin eingestellt werden. Ende August nun wurde der Brandstifter gefasst: Ein 14-jähriger polizeibekannter Intensivtäter, der nun in Untersuchungshaft kam.

Vermutlich ebenso unpolitisch war das verheerende Feuer in der Lobenhausener Mühle eine Lagerhalle mit Kunstdünger und Holzpellets brannte völlig nieder und die Polizei ging davon aus, dass „menschliches Verhalten“ den Brand ausgelöst haben muss. Ob also vorsätzlich oder fahrlässig Feuer gelegt wurde, war nicht klar. Bekannt wurde der Brand vor allem, weil vermutlich das belastete Löschwasser in der Jagst, die neben der Mühle fließt, ein großes Fischsterben ausgelöst wurde.

Im brandenburgischen Schenkendöbern kam es derweil wiederholt zu Bränden von Stroh-Lagern, Scheunen und zwei leer stehenden Gebäuden, bei denen die Polizei von Brandstiftung ausgeht. Auch eine Milchviehanlage war Ziel der unbekannten Brandstifter. In Plön brannte derweil ein Mehrfamilienhaus, aber hier konnte der betrunkene Brandstifter  bald darauf ermittelt und festgenommen werden.

In Braunshausen traf es etwas früher schon die Peterberg-Kapelle, die nun seit Wochen geschlossen ist. Zwar hatte die Kirchgemeinde Glück, dass der Dachstuhl nicht Feuer fing, trotzdem ist der Sachschaden enorm.

Während hier der Brandstifter von der Polizei abgeholt wurde, wurde in Minden vor dem Polizeirevier ein Streifenwagen in Brand gesetzt. In der kleinen Stadt ist das noch ein seltenes Ereignis, anders als in Leipzig.

In Heidelberg brannte derweil das Bowling-Center der früheren US-Kaserne „Patrick-Henry-Village“ nieder. Schnell erkannten die Ermittler, dass das Feuer mit Brandbeschleuniger gelegt worden war. Zwei 13-Jährige waren schnell als Täter ermittelt.

Das sind nur Schlaglichter aus einigen feurigen Tagen Ende August. Es brennt mehr und öfter nach Brandstiftungen, als man gemeinhin denkt.

[1] https://docs.google.com/spreadsheets/d/1n7m9T09kLn0dNU_v6NlR58sLLMWbfVp8W2pkKVdi_cM/htmlview?pli=1#gid=0

1 Kommentar

  1. Reinhard Wehpunkt

    Die Meinungsmacher der Political Correctness brauchen einfach nur brennende Asylantenheime.
    Alles andere ist unwichtig – das manipulieren sie in jedem Fall so geschickt hin, dass es immer nur zu einer Schlußfolgerung führt, egal, wer den Brand gelegt hat:
    Schande über Deutschland und seine pösen Dunkeldeutschen!

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