Neue deutsche Kinder

Sie sind hochschwanger, wenn sie sich bei den deutschen Behörden melden, weshalb sie in den Wochen des gesetzlichen Mutterschutzes vor und nach der Geburt vor der Abschiebung geschützt sind, auch wenn sie illegal eingereist sind und keinen Asylantrag stellen. Erkennt nach der Geburt ein Mann mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht in Deutschland – egal ob Ausländer oder Deutscher – die Vaterschaft an, so ist das Neugeborene ein neuer deutscher Staatsbürger.

Man kann die Geschichte jetzt so erzählen: Wir tun alles, damit endlich wieder mehr deutsche Kinder geboren werden und dabei ist es egal, woher die Eltern kommen. Um die Einwanderer zum Gebären von kleinen Deutschen zu gewinnen, verzichtet der Staat auf die Überprüfung der anerkannten Vaterschaften und freut sich auf die Neubürger. Welche weiteren Staatsangehörigkeiten die neuen deutschen Kinder besitzen, ist den Behörden ja mittlerweile egal, denn sie kommen ja später hier viel besser klar, wenn sie bei der Suche nach dem Heimatland jederzeit zwischen verschiedenen Optionen wählen können.

Leider stören engherzige Realisten die Schönheit der Geschichte ganz erheblich mit dem Hinweis, dass sich immer öfter Schleuser diese Feinheiten im Ausländer-, Staatsbürgerschafts- und Familienrecht zu Nutze machen und in afrikanischen Ländern um auswanderungswillige Schwangere als zahlende Kundinnen für diese Art des Bleiberechts werben. Sicher, gemessen an den mindestens 800000 Zuwanderern, die in diesem Jahre kamen und kommen, ist der Anteil der Mütter von neuen deutschen Kindern noch klein. Doch dieser Weg könnte Schule machen, denn die Bedingungen sind ideal und die Schleuser können mit einem nahezu sicheren Weg zum Bleiberecht werben.

In Deutschland kann jeder Mann, der geschäftsfähig ist, eine Vaterschaft rechtsgültig anerkennen. Er muss nur bestätigen, dass er sich über die Konsequenzen dieses Schrittes im Klaren ist. Ob dieser offizielle Vater tatsächlich der biologische Vater ist, interessiert die deutschen Ämter nicht. Wenn aber die Vaterschaft eines legal in Deutschland lebenden Mannes amtlich ist, dann ist das hier geborene Kind deutscher Staatsbürger. Die Mutter bekommt als „sorgeberechtigter Elternteil eines deutschen Kindes“ eine Aufenthaltserlaubnis aus familiären Gründen.

Sollte die Mutter mit älteren Kindern, also nicht-deutschen Geschwistern des neuen deutschen Kindes eingereist sein, dürfen die selbstverständlich auch bleiben. Doch hier wird der deutsche Staat plötzlich pingelig und lässt zuweilen mit einem DNA-Test prüfen, ob der nicht-deutsche Nachwuchs tatsächlich zur Mutter eines deutschen Kindes gehört. Immerhin werden die Väter mit solcherlei Misstrauen nicht behelligt.

Diese Vaterschaften darf ein deutsches Amt inzwischen gar nicht mehr prüfen. Die Beamten können nur registrieren, dass die Väter, die dem neuen Nachwuchs per Erklärung zum neuen Vaterland verhelfen, nach der Vaterschaftsanerkennung zumeist keinerlei Interesse mehr am Nachwuchs haben. Auch fällt es mancherorts auf, dass viele dieser Männer anschließend offiziell nicht in der Lage sind, etwas zum Kindesunterhalt beizutragen. Doch selbst in Fällen, in denen es ziemlich offensichtlich ist, dass der bekennende Vater das anerkannte Kind nicht gezeugt haben kann, weil Mutter und „Vater“ im fraglichen Zeitraum gar keine Möglichkeit hatten, zusammen zu sein, ist nichts zu machen.

In Hannover hatte man früher in einigen solchen Fällen versucht, die Vaterschaften anzufechten. Kamen die Fälle vor Gericht, sagten plötzlich alle aus, es gäbe enge Vater-Kind-Beziehungen. Nachvollziehbar, denn sonst hätte sich ja jemand einer Straftat bezichtigen müssen.

Seit Dezember 2013 haben die selbst ernannten Väter dieses Problem nicht mehr, denn das Bundesverfassungsgericht untersagte den Kommunen die Vaterschaftsprüfung. Die Richter betrachteten diese als Versuch, Deutschen – in diesem Falle den hier geborenen Kindern – die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Und Ausbürgerung lässt das Grundgesetz nicht zu. „Verfassungsrechtliche Elternschaft (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG) besteht bei einer durch Anerkennung begründeten rechtlichen Vaterschaft auch dann, wenn der Anerkennende weder der biologische Vater des Kindes ist noch eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind begründet hat“, schrieben die Verfassungsrichter seinerzeit ganz klar in ihr Urteil.[1]

Bislang waren die neuen deutschen Kinder sonst kaum ein Thema. Ihre Zahl wird statistisch nicht erhoben. Nur vor Ort fällt eine Entwicklung gelegentlich mal auf. Marc Hansmann ist Dezernent für Finanzen und Ordnung in Hannover und braucht gegenwärtig jeden Platz, um Flüchtlinge unterzubringen. Darüber, dass solche Plätze anderweitig belegt sind, ist er „nicht glücklich“, wie er der Hannoverschen Allgemeinen sagt.[2] Denn auch wenn der „Vater“ zur Vaterschaftsanerkennung auf dem Amt erscheint, aufnehmen tut er Mutter und Kind meist nicht. Bis zur amtlichen Feststellung der deutschen Staatsangehörigkeit des Neugeborenen bringen die Ausländerbehörden Mütter und Kinder deshalb in Asylbewerberunterkünften unter. Erst wenn die Feststellung der deutschen Staatsbürgerschaft auch beurkundet ist, stehen dem deutschen Kind mit der ausländischen Mutter die Sozialleistungen für Einheimische zu.

In Hannover bemerkte die Ausländerbehörde schon seit geraumer Zeit, dass es häufig ghanaische Mütter sind, die sich hochschwanger melden und meist auch schon ankündigen, dass sie ein deutsches Kind zur Welt bringen würden. Derzeit leben 19 deutsche Kinder ghanaischer Mütter in Hannovers größter Asylunterkunft. In Ghana werben Schleuser gern um Kundschaft, denn im Gegensatz zu den Menschen in völlig verarmten Ländern sind sie hier zahlungskräftiger. Ghana gilt auch als recht sicherer Staat und eine Asyl-Anerkennung zu bekommen, ist deshalb schwer. Da ist ein garantiertes Bleiberecht in Europa schon etwas wert.

274 Frauen in knapp vier Jahren zählten Fachleute im Rathaus von Hannover. Sie vermuten, „dass in Ghana Vaterschaftsanerkennungen vermittelt werden“[3] und die Frauen dafür teuer an Vermittler wie Schleuser zahlen. Es sind derzeit keine überregionalen Erhebungen bekannt, wie weitgehend Schleuser das Modell mit den deutschen Kindern schon nutzen, auch über ghanaische Mütter hinaus. Aber dass diese Beispiele Schule machen werden, kann man ohne allzu große prophetische Begabung voraussagen.

Aber vielleicht nehmen wir das ja gern hin, denn unsere demographische Bilanz verbessert sich mit den neuen deutschen Kindern allemal. Und bei so vielen allein einwandernden jungen Männern sollte man sich doch auch über jede Frau freuen, oder? Man stelle sich nur einmal vor, was geschähe, wenn jemand eine Frauenquote auch für Flüchtlinge fordern würde. (A. Wa.)

[1] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2013/12/ls20131217_1bvl000610.html

[2] http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Ghanaische-Mutter-deutsches-Kind

[3] Ebd.

1 Kommentar

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