Angst und Zumutung

GESEHEN: Es ist ein interessanter Einblick in eine Erstaufnahmeeinrichtung in Zeiten, in denen wegen der „Willkommenskultur“ einerseits alle Probleme routiniert heruntergespielt werden, andererseits immer öfter von der Belastungsgrenze gesprochen wird. Da trifft man auf den syrischen Christen, der wegen der IS-Anhänger im gleichen Heim vor Angst nicht schlafen kann und einen Regierungspräsidenten, der erklärt, warum Asylbewerber im Asylbewerberheim nicht ihren eigenen Dreck wegräumen dürfen. Die „Hessenschau“ sendete jüngst einen selten informativen Beitrag zum Thema.[1]

Es wird ja viel kritisiert an der Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien über den massenhaften Zustrom an Asylbewerbern, die alle nur noch Flüchtlinge genannt werden. Deshalb ist es wichtig, auch die Journalisten zu würdigen, die es nicht verlernt haben, kritisch zu berichten, ohne dem Zuschauer sofort auch die eigene gute Gesinnung aufzunötigen.

Das Team des Hessischen Rundfunks, das die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen besuchte, sollte eigentlich gar nicht allein im Heim unterwegs sein dürfen. Eigentlich gehörten sie zum Pressetross, der den Sozialminister und den Regierungspräsidenten beim Besuch der Flüchtlingsunterkunft begleitete. Und da galt die Anweisung, sich nicht von der Gruppe zu entfernen. Das taten die Hessenschau-Reporter dankenswerterweise doch und verschafften dem Zuschauer einen seltenen, kleinen Einblick in die Heim-Wirklichkeit.

Erschreckend ist es, wenn Bashar Baroma von seiner Angst vor den Islamisten erzählt, die ihn hier umgeben. Es ist ein weitgehend beschwiegenes Problem, dass nur bei der Minderheit der Zuwanderer zuverlässig bekannt ist, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Der syrische Christ Baroma jedenfalls fürchtet sich, wenn seine Nachbarn nachts demonstrativ laut die Koranverse rezitieren, die auch die Henker bei Hinrichtungen rufen: „Es sind die Worte, die der IS ruft, bevor er den Menschen den Kopf abschlägt. Ein Freund von mir wurde von denen getötet, er wurde geköpft. Um Himmels willen, ich kann hier nicht bleiben, mit dem IS und allem. Ich bin Christ und ich habe Angst hier“, sagt Bashar Baroma.

Die Angst geflüchteter Christen davor, dass ihre Peiniger nun gleichzeitig kommen, ist leider selten ein Thema. Auch für die offiziellen Besucher nicht. Dabei haben sie auch bei anderen Problemen durchaus kuriose Erklärungen parat. Als ein Bewohner der Einrichtung über den Zustand der Sanitäranlagen klagt und die Hessenschau-Reporter den zuständigen Regierungspräsidenten Lars Witteck (CDU) fragen, warum denn die Flüchtlinge nicht auch angehalten würden, selbst mitzuhelfen, die Einrichtung sauber zu halten, ist er ganz fürsorglich: „Wir wollen es den Flüchtlingen nicht zumuten, dass sie das alles selbst reinigen müssen, weil es nicht sein kann, dass diejenigen die sich gut verhalten dann den Dreck wegmachen von denjenigen, die sich nicht gut verhalten. Wir haben überall Putzdienste und teilweise wie gesagt im Stundentakt.“ Wenn Deutsche den Dreck von denen „die sich nicht gut verhalten“ wegmachen, geht das aber in Ordnung. Außerdem wollen wir doch gar nicht darüber reden, dass es Flüchtlinge gibt, „die sich nicht gut verhalten“, denn sonst käme noch jemand auf die Frage, warum das geduldet wird. Gerade auch im Interesse der tatsächlich Schutzsuchenden.

[1] http://hessenschau.de/tv-sendung/video-3964.html

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