Islamische Integration für Flüchtlinge

Wenn politische Verantwortungsträger von den Anstrengungen für die schnelle Integration der Flüchtlinge sprechen, dann glaubt das Publikum – vielleicht manchmal sogar der Redner – es gehe darum, dass die Zuwanderer neben der Sprache auch die Spielregeln dieser Gesellschaft kennenlernen und akzeptieren. Doch statt die Asylbewerber offensiv mit den freiheitlichen Spielregeln des Westens zu konfrontieren, sollen die Gastgeber zunächst Rücksicht nehmen, damit die Muslime unter den Zuwanderern möglichst nicht in Konflikt mit ihren Glaubensregeln geraten. Dass das für manche nicht-muslimischen Flüchtlinge, die islamistischer Verfolgung gerade entkommen sind, alles andere als ein Willkommenssignal ist, scheint die sonst sehr sensiblen deutsche Flüchtlingsfreunde etwas zu überfordern.

Doch zurück zur Integration der Zuwanderer. Die betrifft doch Muslime wie auch Nicht-Muslime und sollte doch, wo sie sich staatlicher Unterstützung erfreut, weltanschaulich möglichst neutral sein. Doch offensichtlich wird das deutsche Flüchtlingsheim stattdessen zum Ort muslimischer Mission. Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, freute sich in einem Interview, dass sich unter den Zuwanderern „viele meist arabische Muslime befinden. Deshalb sind unsere Gemeindemitglieder auch schon in vielen Kommunen vom Bürgermeister gebeten worden, im Flüchtlingsheim zu dolmetschen, Imame dort Freitagsgebete abhalten zu lassen oder einfach nur den Bedarf an Koranen und Gebetsteppichen zu stillen.“[1]

Freitagsgebete mit dem Imam im staatlichen Flüchtlingsheim? Mit der weltanschaulichen Neutralität des Staates sollte das eigentlich unvereinbar sein. Denn anders als Mazyek hier suggeriert, geht diese Demonstration islamischer Normalität über eine Erstversorgung religiös Bedürftiger weit hinaus. Es ist ein Signal, dass der Islam seinen Platz in Deutschland erobert hat und auch den eingewanderten Muslim hier nicht loslässt. In Bezug auf manche syrischen Flüchtlinge ist das ein wichtiges Signal, denn viele Syrer hatten vor dem Bürgerkrieg ein eher lockeres Verhältnis zu ihrer Religion. Aus der Sicht von Islam-Vertretern stünden sie also in der Gefahr, im ungläubigen Westen, wo so viele Menschen areligiös leben, keinen Kontakt zu islamischen Gemeinden zu suchen.

Den Deutschen versucht Mazyek ebendiese Missionsarbeit als Beitrag zur Integration zu verkaufen und die könne der Staat am besten bei ihm buchen: „Wir sollten Integrationslotsen und Scouts heranbilden, die die arabische Sprache beherrschen und denselben Glauben wie die Flüchtlinge haben. Ich kann mir vorstellen, dass dies einen starken Wirkungsgrad entfaltet.“[2] Dafür, wen wundert es, möchte Mazyek die missionierenden Glaubensbrüder natürlich gern vom deutschen Staat entlohnt wissen. Nach seinen Angaben gibt es mit Bund und Ländern bereits erste Gespräche.

Selbstverständlich distanziert er sich von den radikalen Salafisten, die bereits im Umkreis von Asylbewerbereinrichtungen gesichtet wurden. Die sprechen eine deutlichere Sprache, denn sie fordern die Muslime unumwunden auf, sich ja nicht dem westlichen Leben anzupassen und erklären ihnen, dass das in Deutschland auch gar nicht nötig ist, wenn man nur entschlossen genug auftritt. Unnötiger Respekt vor ungläubigen Amtspersonen sei ebenfalls der eigenen Glaubensfestigkeit nur hinderlich.

Um die Extremisten nicht zum Zuge kommen zu lassen, sollte man die Flüchtlinge dem Einfluss der nicht so radikalen Moscheegemeinden überlassen, schlägt Aiman Mazyek den deutschen Behörden vor. Also lieber Islamisierung light statt Islamisierung brutal. Eine andere Alternative scheint es in seiner Vorstellungswelt nicht zu geben. Und in unserer?

Hamed Abdel-Samad hat den Vorstoß der Islamverbände, sich mehr um Flüchtlinge kümmern zu wollen und gleichzeitig die Einrichtung von durch den deutschen Steuerzahler geförderten islamischen Wohlfahrtsverbänden zu fordern, treffend kommentiert: „Der Staat wird wie so oft das Problem woanders verlagern und die konservativen Verbände damit noch mehr aufwerten. Die Verbände werden somit viele Neuankömmlinge vereinnahmen und Macht über Eltern und Kinder bekommen. Aber bitte nicht vergessen: Niemand hat die Absicht, hier eine Islamisierung voranzutreiben!“[3]

Unabhängig von den Aktivitäten der deutschen Islamverbände und islamistischen Extremisten, könnten aber auch immer mehr ohnehin radikalisierte Islamisten nach Deutschland kommen. Viele, die sich auf den Weg nach Europa machen, haben die letzten Jahre in einem der Flüchtlingslager in der Türkei zugebracht und dort vermittelt schon der Schulunterricht islamistisches Gedankengut, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet. Demnach wird dieser Unterricht aus Saudi-Arabien, Katar und der türkischen Regierungspartei AKP finanziert

GfBV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido, ein syrisch-kurdischer Historiker, der seit 1990 in Deutschland lebt, kritisiert unter anderem eine „radikale Koranauslegung“ und „islamistisches Gedankengut“, das die Kinder „belaste“, weil sie daraus kein „friedliches Miteinander im Umgang mit Nicht-Muslimen und Nicht-Sunniten“ lernten. Bei einem Türkeibesuch im Januar und Februar führten besorgte kurdische Flüchtlinge aus Syrien Dr. Sido unter anderem vor, dass ihren Kinder in der Flüchtlingsschule Lieder wie das antisemitische „Khaybar, Khaybar, oh ihr Juden, die Armee Mohammeds wird zurückkommen“ beigebracht werden.[4]

Dennoch sollen wir vor einer Islamisierung keine Angst haben, sagte ja jüngst die Kanzlerin und empfahl beispielsweise den Christen größeren Bekennermut und „mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein.“[5] Dass das allein nicht reichen könnte, auch darauf verweist Hamed Abdel-Samad recht eindrücklich: „Frau Merkel antwortet auf Menschen, die Angst vor einer Islamisierung haben mit ‚Haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind‘. Ex-Bischöfin Margot Käßmann nimmt die Melodie auf und sagt ‚Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben!‘ Den beiden netten, unbesorgten Frauen will ich sagen: Keiner ging häufiger in die Kirche […] als die Christen von Bagdad und Mossul, und es hat ihnen nicht geholfen! Den verfolgten Christen weltweit hatte es nie geholfen, dass sie sich zum Christentum bekennen. Im Gegenteil!“[6]

[1] http://www.welt.de/politik/deutschland/article146090865/Arabisch-gepraegter-Islam-wird-kuenftig-sichtbarer.html

[2] Ebd.

[3] https://www.facebook.com/hamed.abdelsamad/posts/10153571181990979?pnref=story

[4] http://www.heise.de/tp/artikel/45/45859/1.html

[5] http://www.welt.de/politik/deutschland/article146183441/Merkels-deutliche-Botschaft-an-alle-besorgten-Buerger.html

[6] https://www.facebook.com/hamed.abdelsamad/posts/10153567245145979?pnref=story

2 Kommentare

  1. Hagen

    Welche Grenze ziehen wir dann eigentlich. Ist jeder geeignet zu integrieren, der nicht zum IS zählt? Dann könnte ja auch Pierre Vogel bald vom Staat bezahlt werden. Gerade als Konvertit lebt er doch die Integration, die stattfinden wird, schon vor.

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  2. Ansager

    Vielleicht sollten wir endlich dahin kommen, was bei klassischen Einwanderungsländern gängig ist: Wer kommt und bleiben darf soll alle Chancen nutzen können, die das Land bietet, aber er wird weder für sein Kommen belohnt, noch bekommt er Sonderrechte dafür. Willkommen ist, wer zur gastgebenden Gesellschaft gehören will und sich selbst darum bemüht. Wer die gastgebende Gesellschaft seinem Weltbild anpassen möchte, möge sich andere Gastgeber suchen, die besser zu seinen Wertvorstellungen passen. Und wenn er damit vor die Entscheidung zwischen einem Staatswesen, das seinem Glauben folgt und westlichen Sozialleistungen gestellt ist, dann muss er halt abwägen und entscheiden. Vom Staat bezahlte islamische Integrationslotsen sind ja wohl ein schlechter Witz

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