Possen aus der alten Welt

Noch ist die alte Welt nicht verloren und bei allem Zuwandereransturm schaffen es auch deutsche Kommunalverwaltungen noch, für eine gute alte Provinzposse zu sorgen. Hier also zur Abwechslung und seichten Unterhaltung eine Geschichte aus dem Baugenehmigungswesen.

Im Potsdamer Stadtteil Bornim registrieren zwei Familien eines Morgens entsetzt, dass vor ihrem Haus Bauarbeiter anfangen, die Wiese wegzubaggern. Nichts hatte man den Anwohnern von irgendwelchen Planungen erzählt. Was konnte da aus heiterem Himmel gebaut werden? Falls Sie jetzt gleich nur wegen des überraschenden Baubeginns an ein Containerdorf für Flüchtlinge denken, liegen Sie falsch. Diese Geschichte ist eine, ganz wie aus alten Zeiten.

Barbara Fehling ist eine der Anwohnerinnen, und wie sie der Lokalpresse beschrieb, ging sie sofort auf die Baustelle, um herauszubekommen, was hier vor sich geht. Die Bauarbeiter hatten den Auftrag, einen Parkplatz mit Beleuchtung zu erreichten, für die ebenfalls neue Schule. Von der Schule wussten die Anwohner, von dem Parkplatzareal nicht. Eigentlich hätten sie aber informiert werden müssen, zumal der Bauherr der kommunale Immobilienservice war.

Die Bauarbeiter ließen sich nicht stoppen, hatten sie doch ihren Auftrag. Dass ein städtisches Unternehmen ohne Baugenehmigung baut, konnten sie sich wahrscheinlich nicht vorstellen. Barbara Fehling verlangte Akteneinsicht im Bauamt, aber da war niemand zu erreichen. Eine Woche lang nicht. Die Bauarbeiter hingegen arbeitete viel schneller als auf vielen anderen städtischen Baustellen, als Frau Fehling nach sechs Tagen endlich Akteneinsicht bekam, da fehlte auf dem Parkplatz nur noch die letzte Asphaltdecke. Der Blick in die Akten ergab, dass es zum einen keine Baugenehmigung gab und es sie wegen der Nichteinhaltung der Abstände zu den nächsten Wohngrundstücken auch nicht geben konnte. Der Kommunale Immobilienservice schrieb dann etwas freundlicher, dass „aufgrund der Dringlichkeit die Befestigung der Stellplatzflächen bereits vor der Ausreichung der Baugenehmigung begonnen hat“.[1]

Wie geht die Geschichte weiter? In vielen deutschen Städten wäre es mittlerweile eingeübter Brauch, großes Bedauern zu zeigen, Fehler einzuräumen, jedoch wegen des weit fortgeschrittenen Baus, den Kosten und der ja ohnehin verlorenen Wiese das Ganze im Nachhinein zu legalisieren.

Doch Potsdam scheint manchmal noch preußisch korrekt zu sein. Gut, die Nachbarn haben lautstark protestiert und eine Affäre um einen überdimensionierten Privatbau des ehemaligen Bau-Beigeordneten, den er sich im Nachhinein genehmigen ließ, spielte vielleicht auch eine Rolle. Jedenfalls sind die Bagger wiedergekommen, damit der Platz rückgebaut werden kann, dann wird Muttererde aufgetragen und Rasen gesät.

Der Parkplatz werde nach einem ordentlichen Baugenehmigungsverfahren gebaut. Wo genau, ist noch offen.  (PeZo)

[1] http://www.morgenpost.de/brandenburg/article205699611/Wenn-die-Stadt-schwarzbaut.html

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