Gebührenbescheide für Asylbewerber

Dass ARD und ZDF ganz vorn bei der Willkommenskultur und der Integration von Flüchtlingen sein wollen, bleibt inzwischen kaum eine Sendestunde unerwähnt. Der Beitragsservice der öffentlich-rechtlichen Anstalten, früher GEZ, widmet sich nun offenbar auch der praktischen Integration. Wie sollen aus Asylbewerbern Neubürger werden, was Vertreter der Willkommenskultur ja erklärtermaßen anstreben, wenn sie sich nicht schnell an die Herausforderungen des Alltags gewöhnen. Verständlicherweise ist aus der Sicht öffentlich-rechtlicher Sender das pünktliche Zahlen der Rundfunkgebühren eine der vordringlichen Alltagspflichten in Deutschland. Grund genug, allen Bewohnern der Asylbewerberunterkunft im rheinischen Langenfeld Gebührenbescheide zu schicken.

Nun sind Asylbewerber von der Gebührenzahlung befreit und das kuriose Willkommensschreiben ist nichts als eine Panne, aber doch immerhin eine bezeichnende. Langenfelds Bürgermeister hat den Vorgang mit einem Facebook-Post zwar öffentlich gemacht, aber gleich gesagt, dass er das Ganze eher rheinisch-gelassen sieht: „Lachen oder wahnsinnig werden? Ich nehm’s mit Humor (obwohl die GEZ es Ernst meint)“, schrieb er. Für manche Journalisten-Kollegen war der Vorgang aber schon wieder „unfassbar“.

Dabei ist der Grund einfach ganz typisch deutsch. Der Beitragsservice gleicht seine Daten mit den Melderegistern ab. Wenn irgendwo Menschen leben, dann wissen auch die Gebühreneintreiber davon. Und wenn die Kommunen vergessen, die Adresse der Asylbewerberunterkunft auch als solche zu kennzeichnen, trifft das auch die Bewohner dieser Einrichtungen automatisch. Das alte Deutschland trifft auf seine Neubürger. (PZ)

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