Mehr Quecksilber für den EU-Thunfisch

Die EU plant offenbar, die Grenzwerte für Quecksilber im Fisch zu verändern. Dabei geht sie so zwiespältig damit um, wie sie es mit dem Quecksilber schon manchmal getan hat. Dort, wo die Gefahren geringer sind, geht sie scheinbar rigoros gegen das gefährliche Nervengift vor, während auf der anderen Seite den europäischen Verbrauchern mehr Quecksilber untergeschoben wird.

Wenn Sie demnächst eine Thunfischdose öffnen, dann könnte der Inhalt doppelt so viel Quecksilber enthalten, wie jetzt. Natürlich wäre auch der frische Thunfisch, so wie alle großen Raubfische, die in der Europäischen Union gehandelt werden, davon betroffen. Das zumindest behauptet die Verbraucherorganisation Foodwatch aufgrund eines ihr vorliegenden EU-Arbeitspapiers.

Danach hat diese Anpassung der Grenzwerte vor allem wirtschaftliche Vorteile für die Fischereiwirtschaft. Bislang sind wegen des niedrigen Quecksilbergrenzwerts etwa die Hälfte der Raubfisch-Fänge unverkäuflich. Könnte man den Grenzwert verdoppeln, würde der Anteil, der nicht verkauft werden darf, auf 14,5 Prozent sinken.

Damit nun niemand behaupten kann, dass generell die Quecksilber-Grenzwerte beim Fisch erhöht würden, sollen sie bei anderen Fischen drastisch sinken. Insbesondere bei kleineren Friedfischen. Deshalb hält Foodwatch das Ganze auch für eine Mogelpackung, weil diese Fische bereits jetzt meist unterhalb der neu angedachten Grenzwerte liegen, sich mithin eigentlich nichts verändert. Wohingegen sich Quecksilber gerade bei Raubfischen anreichert.

Ob nun die konkrete Grenzwerterhöhung beim Thunfisch wirklich ernste Bedenken rechtfertigt, kann der Autor dieser Zeilen seriöserweise gar nicht sagen. Aber es macht misstrauisch, denn gerade die EU geht mit Quecksilber in merkwürdiger Weise um. Auf der einen Seite ist es verboten, so dass beispielsweise Thermometer mit Quecksilber nicht mehr verkauft werden dürfen. Andererseits hat gerade das Glühbirnenverbot dafür gesorgt, dass massenhaft Quecksilberdampflampen unter dem Label „Energiesparlampe“ in die Haushalte kamen und so eine bis dato unbekannte Quecksilberverbreitung erreicht wurde. Die Folgen, insbesondere auch, wenn nach und nach immer mehr quecksilberhaltiger Müll anfällt, sind allenfalls schätzbar. Und nur weil die Quecksilberdampflampen mehr und mehr durch LED-Leuchten verdrängt werden, wird der Quecksilberumlauf wieder etwas gebremst.

Gründe genug also, gegenüber einer geplanten EU-Richtlinie, die Grenzwerte verändert, misstrauisch zu sein.

2 Kommentare

  1. Alreech

    Quecksilber im Thermometer läßt sich durch andere, weniger gefährliche Stoffe ersetzen.

    Warum die EU das Quecksilber im Thunfisch nicht durch andere, weniger giftige Stoffe ersetzt kann sich wohl jeder selbst vorstellen.
    Solange aber der durchschnittliche EU Bürger zu wenig Thunfisch ist um durch die Quecksilberaufnahme aus dem Fisch gefährdet zu sein, ist auch eine Anhebung des Grenzwertes i.O. – oder ist es besser, den Fisch wegzuwerfen ?
    Wieviel Kilo Thunfisch muß man den essen, um nach den neuen Grenzwerten in gefährliche Bereiche der Quecksilberaufnahme zu kommen ?

    Und ja, sobald es eine bessere Alternative zu Quecksilber in Leuchtstoffröhren gibt, wird auch da ein Verbot kommen.

    Wobei die Chance gut stehen, das Flüssigthermometer und Leuchtstoffröhren durch Thermoelemente mit digitaler Signalauswertung und OLEDs ersetzt werden…

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  2. Erik

    IM TV war einmal zu sehen wie die Q. Lampen entsorgt werden.Alles wird in grosse Gitterboxen reingeschmissen und dann hunderte km kreuz und quer durch D. transportiert(absolut sinnlos) wobei natürlich jede MEnge kaputt geht,am Ende kommt alles in grosse Säcke und wird in einem ehemaligen Bergwerk gelagert.

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