Aufruf zum Flüchtlings-Tausch?

„Ich hätte gerne das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte“[1], sagte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) auf der Flüchtlingskonferenz seiner Partei und sorgte damit für riesige Empörung. Die Bezeichnung „Osteuropäer“ mag im konkreten Kontext vielleicht etwas undifferenziert sein, doch das Stadtoberhaupt hat jenseits aller menschenfreundlichen Willkommenskultur mit manchen Zuwanderergruppen ganz handfeste Probleme.

Und da hat er die Einladung des SPD-Vorsitzenden, auf der Flüchtlingskonferenz für Kommunalvertreter „so konkret wie möglich“ darzulegen und nichts zu beschönigen, etwas zu wörtlich genommen. Zeitungen berichten, Sigmar Gabriel habe nach Links Skandal-Satz für einen Augenblick erschrocken geguckt.

Auf das Stadtoberhaupt gingen postwendend Protesttiraden nieder. Serap Güler, integrationspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, fand diese Worte „menschenverachtend und inakzeptabel“[2]. „Unmenschlich und entsetzlich“ sei eine solche Äußerung, hieß es vom Duisburger Vorstand der Linken. „Nützlichkeitsrassismus“ würde da deutlich, weil „in gute und schlechte Ausländer unterteilt“ würde. Die Genossen wollten zudem „darauf aufmerksam machen, dass Roma vor rassistischer Verfolgung fliehen“. Andere Gründe können sich die Wohlmeinenden nicht vorstellen.

Der grüne Vorstandssprecher Matthias Schneider warf dem OB „ganz üble Propaganda“ vor. „Er vertritt Duisburg nicht, wenn er Roma gegen syrische Flüchtlinge schachern will.“

Das sind auch deshalb bezeichnende Reaktionen, weil doch Link an dieser Stelle lieber nur vorsichtig von „Osteuropäern“ gesprochen hatte. Aber natürlich denken alle unwillkürlich an die Geschichten von kriminellen Roma-Clans, die inzwischen ganze Straßenzüge im Problemviertel Marxloh als ihr Hoheitsgebiet betrachten. Und eigentlich kann sich auch jeder denken, dass der Duisburger Oberbürgermeister für diese Art von Stoßseufzer allen Anlass hat.

Deshalb fiel auch die in solchen Situationen allfällige Entschuldigung eher verhalten aus. „Ich bedaure, dass ich für meine Botschaft in einer emotionalen Debatte nicht die richtigen Worte gefunden habe. Ich wollte durch meine Aussage niemanden persönlich treffen“, begann Link seine Stellungnahme, in der er vor allem wieder darauf hinwies, dass seine Stadt nicht nur unter den Erfordernissen der aktuellen Flüchtlingswelle ächzt.

„Wir haben in Duisburg eine zusätzliche Belastung zu stemmen, auf die ich auf der Flüchtlingskonferenz aufmerksam machen wollte. Anders als in anderen Städten leben hier mittlerweile 12.500 Bulgaren und Rumänen, die im Rahmen der EU-Freizügigkeit kommen. Die meisten von ihnen haben keine Arbeit und durch fehlende Deutschkenntnisse auch kaum Möglichkeiten, eine zu finden. Über 4000 Kinder dieser Personengruppe müssen in Seiteneinsteigerklassen und Sprachförderung untergebracht werden – die gleichen Klassen, die die Kinder der Asylbewerber besuchen sollen“, so Link.

„Es steht außer Frage, dass wir alle Asylbewerber in Duisburg willkommen heißen wollen, egal woher sie kommen. Mir war es jedoch auch wichtig, dass der Bund mitnimmt, dass wir in Duisburg durch 12.500 EU-Zuwanderer ganz andere Bedarfe haben, wenn aktuell diskutiert wird, wie Asyl als nationale Aufgabe begriffen und finanziert werden soll. Dies habe ich so ausgeführt und in diesem Kontext steht der zitierte Satz, dass ich mehr Syrer aufnehmen wollte und könnte, wenn dafür weniger EU-Zuwanderer aus Südosteuropa da wären.“

Und eigentlich liegt das Flüchtlings-Tauschangebot doch auch im Zeitgeist. Immerhin dürfen sich belgische Beamte gerade in Asylbewerberheimen in NRW die besten Flüchtlinge aussuchen, mit deren Aufnahme sie Deutschland dann „entlasten“. (siehe auch hier: http://sichtplatz.de/?p=4014)

[1] Alle Zitate außer Fußnote 2: http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/wie-duisburgs-ob-soeren-link-ueber-zuwanderer-aus-osteuropa-spricht-id11098608.html?onepage=true

[2] http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/soeren-link-kritik-an-ob-nach-bemerkung-ueber-osteuropaeer-aid-1.5401496

1 Kommentar

  1. Jim Kopf

    Ach Claudia Roth sprach ja auch schon von verwertbarem Menschenmaterial, sprich nicht gleich verwertbaren Menschen, die zu uns kommen. Himmler hätte seine Freude an Claudi. Aber selbst solch ein Duktus ficht diese selbstgerechten Monster nicht an. Die Flüchtlingswelle holt aus vielen das Beste heraus. Tiefenpsychologisch sehr interessant.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.