Neue Geschichte. neues Land, neuer Geschmack

Ein kurzer Blick durch die Sonntagsmeldungen

Beginnen wir mit etwas Geschichte, denn die wird in Russland offenbar neu geschrieben: Die Polen sind mitschuldig, dass sie 1939 vom Deutschen Reich und der Sowjetunion überfallen wurden, sagt der russische Botschafter in Warschau. Hätten sie damals Stalins Truppen freie Einreise gewährt, hätte der Moskauer Diktator nicht mit Hitler paktieren müssen, um seinen Teil Europas zu bekommen. Warum nur haben die Polen das nicht gemacht? Ohne den Umweg über den Zweiten Weltkrieg hätten sie sich gleich unter sowjetische Herrschaft begeben können. Ganz friedlich. So muss man den russischen Botschafter in Warschau doch verstehen, oder? Das offizielle Moskauer Geschichtsbild bietet immer neue und überraschende Facetten. Mehr dazu hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/70-jahre-kriegsende/diplomatischer-streit-russlands-botschafter-gibt-polen-mitschuld-am-zweiten-weltkrieg-13826052.html

Auch der Volkswagen ist nicht mehr das, wofür er einst gehalten wurde. Und warum nicht? VW fehlte einfach die Frauenquote. So ungefähr könnte man zusammenfassen, wie Spiegel-Online-Welterklärerin Sibylle Berg den VW-Skandal nutzt, um wieder einmal zu beklagen, warum Frauen nicht allein aufgrund ihres Geschlechts mehr Chefposten zugeteilt bekommen. O-Ton: „Neulich sagte der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit in einem Gespräch, dass Männerbünden ohne die regulierende Wirkung von Frauen keinerlei Entwicklung innewohnten. Sie würden sich in Hackordnungen und Brutalität verlieren. Aber dann über den Islamischen Staat wettern, liebe VW-Buddys.“ Vielleicht, liebe Frau Berg, wäre es dann dringlicher, zuerst die Frauenquote im „Islamischen Staat“ zu fordern. Die sind gegenwärtig doch etwas brutaler und auch umweltschädlicher als VW. Mehr hier: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gleichberechtigung-das-maerchen-von-managerinnen-kolumne-a-1054506.html – ref=meinunghp

Da erfreuen wir uns doch lieber am schönen neuen bunten Deutschland. Die taz will uns das veränderte Heimatland zwischen „Willkommenskultur und Patriotismus“ erklären. Das Leitartikel-Wort zum Sonntag zeigt vor allem Unsicherheit. Lag man und frau sonst immer richtig, den deutschen Mainstream als falsch zu entlarven, so sind jetzt Zuwanderung,Islam-Eingemeindung und Zurückdrängung des Dunkeldeutschtums von allerhöchster Stelle zur „nationalen Aufgabe“ erhoben worden. Wie erklärt man das seinen LeserInnen? Man bleibt skeptisch, erkennt aber, fast wie ein richtiger Sozialpädagoge, die gute Entwicklung des modernen Patriotismus an: Das …schland aus dem Fußball-WM-Sommermärchen 2006 war schon besser als das Deutschland nach der Wiedervereinigung. Das …land der Willkommenskultur von 2015 ist noch besser, aber natürlich ständig in Gefahr, wieder in den …schland- oder gar Deutschland-Modus zurückzufallen. Politisch korrekter formuliert gibt es diese Denkübung hier: http://www.taz.de/Willkommenskultur-und-Patriotismus/!5232927/

Derweil wird Flüchtlingsaufnahme-Europameister Deutschland von der EU gerügt. Die Bundesrepublik schiebt zu wenig ab. Mindestens 120000 Menschen leben in Deutschland ohne Aufenthaltsberechtigung, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Logisch, dass sich die Brüsseler Europaverwalter darüber beschweren müssen. Wären diese Illegalen weg, wäre in Deutschland wieder mehr Platz und man müsste nicht ständig die unwilligen Ostmittel- und Osteuropäer zur Migrantenaufnahme drängen. Mehr dazu hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/fluechtlinge-eu-ruegt-laschen-umgang-mit-abgelehnten-asylbewerbern-13826037.html

Also lieber jetzt ein Themenwechsel zur Überwachung. Sie können die österreichische Innenministerin jetzt auf Youporn sehen, als zielsicheren Werbeträger. Die österreichische Piratenpartei wirbt bei denen um Stimmen, die eine stärkere Überwachung im Netz fürchten. Und um diese Zielgruppe zu erreichen, sind Pornoseiten natürlich in der Tat eine sichere Adresse. Ein dortzulande bekanntes Gesicht, soll die Pornokonsumenten die Furcht vor staatlicher Datenspeicherung lehren. „Johanna möchte Dir zuschauen“ heißt es unter dem Konterfei von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. In Deutschland hat die taz dankenswerterweise auf diese vorbildliche Zielgruppengenauigkeit in der Parteienwerbung aufmerksam gemacht. Lesen Sie hier: http://www.taz.de/Oesterreichs-Innenministerin-auf-Youporn/!5235514/

„Bild“ warnt unterdessen davor, im Netz allzu bedenkenlos nach den Namen bestimmter Stars zu suchen, denn auf den Seiten, zu denen man verwiesen wird, lauern überall Viren und Trojaner. Wäre das nicht eine Variante für unseren Bundesjustizminister, um gegen Hetze im Internet vorzugehen? Gab es da nicht mal den sogenannten Bundestrojaner? Kann man den nicht zum Einsatz bringen, wenn jemand mal nach „Pegida“ sucht? Da muss man dann nicht immer bei den Amerikanern von Facebook nachfragen, ob die einem bei der Netz-Zensur helfen. Wer jedenfalls Bildplus-Kunde ist, kann hier schon einmal lesen, bei welchen Prominenten die Trojaner, allerdings nicht der Bundestrojaner, jetzt schon lauern: http://www.bild.de/bild-plus/unterhaltung/leute/computerkriminalitaet/diese-stars-sind-im-internet-gefaehrlich-42733846,var=a,view=conversionToLogin.bild.html

Wechseln wir zum Schluss zu den wirklich berührenden Themen, also ins Lebensmittelregal eines Discounters. Auf den Seiten des Stern erfahren wir, das ein Mäusekopf, der in einem Fertigsalat „Pasta Tomate Mozzarella“ von Lidl als unfreiwillige Zugabe auftauchte, nussig schmeckte. Um keinen vertiefenden Ekel-Dialog zu führen, zog es der Discounter vor, über die Salatzugabe diskret zu schweigen. Nuss-Geschmack war der Salatkomposition wahrscheinlich auch nicht abträglich Mehr hier: http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/lidl–frau-beisst-auf-maeusekopf—und-beschwerden-werden-ignoriert-6471452.html

 

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