Front und Familienunternehmen

Eine kurze Durchsicht der Dienstags-Meldungen.

Was sagt der Frontbericht? Kundus ist gefallen, die Taliban sind zurück. Wahrscheinlich wäre der Name der afghanischen Stadt hierzulande kaum bekannt, wäre dort nicht über Jahre die Bundeswehr stationiert gewesen. Als die Soldaten abzogen, konnte man in Fernsehberichten sehen, wie deutsche Soldaten ihren afghanischen Kameraden bei der Übergabe alle technischen Feinheiten des Stützpunkts erklärten. Nun weht die Fahne des Propheten über den einstigen Bundeswehr-Barracken. Neue afghanische Flüchtlinge sind zu erwarten. Mehr u.a. hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/kundus-faellt-an-taliban-ueberraschungsangriff-im-morgengrauen-13828444.html

Der Ansturm Asylsuchender geht also weiter, da helfen auch Kontrollen an den deutschen Grenzen oder neue Gesetze nur sehr wenig. Eigentlich wollte die Politik nach dem großen Willkommensgruß der Bundeskanzlerin jetzt demonstrieren, dass sie auch zur Regulierung der Zuwandererströme in der Lage ist. Die Zahlen scheinen eine andere Sprache zu sprechen: Täglich kommen 10000 Asylbewerber in Deutschland an, allein zwischen dem 5. und dem 27. September sollen es 230000 gewesen sein. Da wird die prognostizierte Million für dieses Jahr wohl noch einmal nach oben korrigiert werden müssen. Mehr dazu hier: http://www.bild.de/politik/inland/fluechtlingskrise/zahl-der-fluechtlinge-in-deutschland-steigt-dramatisch-42747548.bild.html

Manchmal kann man ruhig auch einen Blick auf ein Land werfen, aus dem fast jeder Asylbewerber anerkannt wird, auf Eritrea. Im „Nordkorea Afrikas“ herrscht ein Regime, das in der Tat zum Davonlaufen ist. Zahlen wir dem eigentlich auch noch Entwicklungshilfe, wie so vielen Despoten, deren Landeskinder anschließend als Verfolgte zu uns kommen? Mehr hier: http://www.taz.de/Militaerdienst-in-Eritrea/!5235932/

Auf ihrer Fluchtroute stoßen die Menschen unweigerlich auch auf Grenzübergänge. Die werden nicht immer nur von Flüchtlingen überrannt und gegen den Willen der Ordnungskräfte geöffnet. Im österreichischen Spielfeld war es gestern ganz anders. Da hat eine rechte Bürgerwehr der „Identitären Bewegung Österreichs“ den Übergang kurzerhand besetzt und geschlossen. Die österreichischen Behörden scheinen hingegen nicht mehr so ganz Herr der Grenzübergänge ihres Landes zu sein. Mehr hier: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/28/oesterreich-rechte-buergerwehr-besetzt-grenzuebergang-nach-slowenien/

Was macht eigentlich Pegida? Darüber würde heute wahrscheinlich auch kaum einer überregional berichten, wären nicht einige Mitmarschierer mit Faustschlägen auf Journalisten losgegangen. Von Gegendemonstranten konnte die Gewalt nicht ausgehen, denn es gab keine. Ansonsten marschierten zwischen 8000 und 10000 Menschen am Montag in Dresden mit den selbsternannten Abendlandverteidigern. Das war zum Ende des letzten Jahres ungefähr die Zahl, bei der die hysterische Berichterstattung über die damals neue Bewegung einsetzte. Heute ist der Umgang mit Zahlen manchmal etwas diffus. Die Kollegen von ZEIT-Online schreiben im Kopftext von „mehr als 8000 Teilnehmern“, während im Artikel unter Berufung auf dpa von 10000 Demonstranten die Rede ist. Mehr hier: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-09/dresden-pegida-demonstration

Bleiben wir bei der drohenden Islamisierung oder sagen wir besser, dem politischen Kuschelkurs gegenüber konservativen Islamverbänden. Nicht alle machen den mit: „Nein, der Staat ist nicht verpflichtet, auf Gebote einer einzelnen Religion besondere Rücksicht zu nehmen. Das wäre auch kein guter Weg. Nehmen Sie die Situation in der Türkei: Die dortige Stärkung des politisch-konservativen Islam hat gerade nicht zu mehr Offenheit und zur Liberalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse geführt hat – sondern leider ganz im Gegenteil.“ Diese klaren Sätze sagt der Berliner SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß, der zum linken Flügel seiner Partei gezählt wird, als er von der „Berliner Zeitung“ gefragt wird, ob seine Partei das „Neutralitätsgesetz“ lockern wolle, damit muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch an staatlichen Schulen unterrichten dürfen. Viele seiner Genossen würden das gern tun, schließlich gibt es in Berlin viele wahlberechtigte Muslime. Deshalb haben wir auch aufgemerkt, ob der klaren Worte des Vorsitzenden. Mehr hier: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/interview-mit-jan-stoess-nicht-gegen-den-islam–sondern-fuer-gleichbehandlung,10809148,32000226.html

Die NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern musste unterdessen ein Asylbewerberheim besuchen. Als den Abgeordneten der Besuch untersagt wurde, konnten sie öffentlichkeitswirksam dagegen klagen und hatten Erfolg. Nun mussten sie natürlich auch hinfahren und – oh Wunder – es ist nichts passiert. Vielleicht hätte man sie einfach gleich ganz unspektakulär ins Asylbewerberheim einlassen sollen. Mehr hier: http://www.taz.de/Pastoers-zu-Besuch-in-Unterkunft/!5236551/

Zum Schluss wenigstens etwas Positives: Wer bei der Arbeit glücklich werden will, der muss von einem großen Unternehmen in ein kleines wechseln. Am Wohlsten fühlen sich deutsche Arbeitnehmer in Familienunternehmen, sagt eine Studie. Vielleicht hilft es Ihnen ja bei der Glücks-Suche. Mehr hier: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-09/mitarbeitermotivation-kollege-konkurrent

1 Kommentar

  1. Reinhard Wehpunkt

    Vielen Dank für diesen Überblick.
    Als überzeugter Gegner der katastrophalen Wirtschaftsflüchtlings-Invasion, die zur Zeit ihren verhängnisvollen Lauf nimmt, möchte ich in Bezug auf den Fall von Kundus folgendes sagen:

    Meiner Meinung nach ist Deutschland in diesem Fall durchaus verpflichtet, den afghanischen Hilfskräften, welche die Bundeswehr in diesem seltsamen Krieg unterstützt haben sowie deren Familienangehörigen politisches Asyl zu gewähren. Großbritannien bietet derselben Personengruppe, die für die britische Armee gearbeitet hat, ein 5-jähriges Asyl an.

    Eine gute Maßnahme, die diese Menschen vor dem bestialischen Terror der Islamisten schützt. In 5 Jahren kann man dann sehen, wie sich die Situation in Afghanistan entwickelt hat und ob die Flüchtlinge sich in der britischen Gesellschaft zurechtfinden und integrieren.

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