Parallelweltenbummler

DER MORGEN-DURCHBLICK DER SAMSTAGS-MELDUNGEN

Heute ist nicht nur der Tag er Deutschen Einheit, sondern auch der Tag der offenen Moschee. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat erstmalig die Schirmherrschaft übernommen. Aus gutem Grund: Der Islam erstarkt hierzulande zahlenmäßig und viele Einheimische beschleicht dabei ein leichtes Unwohlsein. Zu Unrecht? Die ZEIT möchte uns das erklären: „Tatsächlich stellen die arabischen, mehrheitlich syrischen Muslime für den Islam in Deutschland auch eine Chance dar. Je mehr Muslime nach Deutschland kommen, desto deutscher kann der hier gelebte Islam werden.“ Mehr hier: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/islam-deutschland-muslimische-fluechtlinge-chancen

Rein nach Afghanistan, raus aus Afghanistan und nun wieder rein nach Afghanistan – was machen wir denn nun? Zuerst verteidigen wir die Freiheit am Hindukusch, dann wollen wir Afghanistan sich selbst überlassen und überraschenderweise marschieren dort, wo die alliierten Truppen sich zurückziehen die Taliban ein. Also müssen unsere Soldaten sich doch wieder länger im Lande engagieren. So scheint es jedenfalls nach den heutigen Meldungen. http://www.welt.de/politik/ausland/article147159294/Bundeswehr-soll-ein-Jahr-laenger-in-Afghanistan-bleiben.html

Dort wo Krieg herrscht, fliehen die Menschen und so kommen auch wieder mehr Afghanen nach Deutschland. In all dem Drama gab es aber auch eine geradezu märchenhafte Geschichte zu erzählen. Ein 110 Jahre alter afghanischer Mann soll die Flucht nach Deutschland geschafft haben und jetzt im Asylbewerberheim in Gießen leben. Trotz seines Alters müsse er aber ein ganz normales Asylverfahren durchlaufen. Mehr hier: http://www.migazin.de/2015/10/01/110-jaehriger-fluechtling-aus-afghanistan-schafft-es-bis-nach-deutschland/

Überfüllte Asylbewerber-Notunterkünfte, Massenschlägereien, Lagerkoller – es ist nicht gerade schön, was dieser Tage zur Flüchtlingssituation berichtet wird. Dennoch gibt es immer noch die wackeren deutschen Beamten, die mit unbestechlicher Genauigkeit darüber wachen, dass kein Asylbewerber Nachteile bei der Unterbringung zu erleiden hat. Beispielsweise im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Da baut ein Mann einen alten Gasthof aus und möchte dort eine Art Landkommune für Flüchtlinge einrichten. Aber das Amt lässt die Flüchtlinge nicht in den Gasthof ziehen, denn dort gäbe es ja nur eine Gemeinschaftsküche und das sei unwürdig. Den Ausflug in eine Parallelwelt gibt’s hier: http://www.taz.de/Gefluechtete-im-Wendland/!5228525/

Staatsanwälte haben manchmal ein gutes Gedächtnis. Da gab es in dieser Woche Urteile wegen fremdenfeindlicher Hasstiraden auf Facebook und prompt ermittelt die Dresdener Staatsanwaltschaft gegen Pegida-Führer Lutz Bachmann. Der hatte Ausländer auf Facebook einmal als „Viehzeug“ bezeichnet. Das machte eigentlich schon am Jahresanfang Schlagzeilen und wäre beinahe vergessen. Aber offenbar hat einer der Dresdener Staatsanwälte beim Aufräumen noch eine alte Zeitung gefunden und sich erinnert oder wollte auch einen Facebook-Fall haben oder sich vielleicht auch mit einem Verfahren gegen Bachmann profilieren. Wer weiß das schon? Mehr hier: http://www.taz.de/Anklage-gegen-Pegida-Gruender/!5238330/

Wenn wir gerade bei drastischen Meinungsäußerungen sind. „Präzis kalkulierte Hetze“ nennt die taz die Äußerungen des Bundesinnenministers Thomas de Maizière über das Benehmen von Flüchtlingen in Deutschland. Sie seien „widerlich, niederträchtig, verlogen, arrogant, menschenfeindlich, ressentimentgeladen und so dumm, dass man sich damit eigentlich nicht weiter beschäftigen möchte“. Doch Bernd Pickert, Auslandsredakteur der Zeitung, nimmt den Innenminister dennoch auseinander, denn der „ist ja nicht irgendein Pegida-Vollpfosten oder anonymer PI-News-Kommentator“. Dabei muss man doch nur vor deutschem „Mob“ und niemals vor geflüchteten Menschen Angst haben. Mehr hier: http://www.taz.de/Kommentar-de-Maiziere-zu-Fluechtlingen/!5238323/

Dass man beim NSU-Prozess von Dingen hört, die unglaublich sind, ist nicht neu. Und dennoch ist das Verfahren immer wieder für Überraschungen gut. Gestern kam heraus, dass ein Anwalt die ganze Zeit eine Nebenklägerin vertrat, die gar nicht existiert. Wie ist das vor deutschen Gerichten möglich? Mehr hier: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-nebenklaegerin-existiert-wahrscheinlich-gar-nicht-a-1055866.html

Na dann viel Vergnügen an diesem real existierenden Feiertag.

 

1 Kommentar

  1. Reinhard Wehpunkt

    ‚Die ZEIT möchte uns das erklären: „Tatsächlich stellen die arabischen, mehrheitlich syrischen Muslime für den Islam in Deutschland auch eine Chance dar. Je mehr Muslime nach Deutschland kommen, desto deutscher kann der hier gelebte Islam werden.“‘

    Klingt wieder mal so toll, diese hochintellektuell-schlüssige Aussage.
    Nur schade, dass sich so wenig Muslime daran halten.

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