Welche Regeln werden gelten?

Von Vielfalt, Zusammenleben und gemeinsamen Regeln ist gern die Rede, wenn es darum geht, wie ein multiethnisches und multireligiöses Deutschland funktionieren soll, wenn sich die Dominanz der Einheimischen nach und nach auflöst. Doch wie werden die Regeln aussehen, auf die sich eine Bevölkerung, die aus Teilen zusammenwächst, die bisher nicht zusammengehörten, wie es der Bundespräsident formuliert hat?

Im Klartext heißt es doch, dass die Regeln, die in der deutschen Gesellschaft bislang gelten mit den Zuwanderern, die aus fremden Kulturkreisen kommen, neu verhandelt werden müssen. Und wenn mit konservativen Muslimen, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, dass eine Gesellschaft ihre strengen religiösen Lebensregeln berücksichtigen muss, gemeinsame Regeln ausgehandelt werden, wird ein Kompromiss in der Konsequenz immer eine Beschneidung eigener Freiheiten zur Folge haben.

In der sogenannten Islamkonferenz, in der die Bundesregierung mit den Vertretern der muslimischen Verbände verhandelt, geht es noch nicht um solche Regeln. Die islamischen und islamistischen Vereine kümmern sich derzeit ohnehin vor allem darum, wie sie selbst vom rasanten Zuwachs des muslimischen Bevölkerungsteils im Zuge der Masseneinwanderung am stärksten profitieren können.

Aber schon in den letzten Jahren, bevor die Zahl der Asylbewerber ungeahnte Ausmaße erreichte, zeigte die Gesellschaft vielfach im Kleinen, in welche Richtung die Anpassung funktioniert. Etikettiert als Rücksicht werden beispielsweise islamische Regeln nicht nur akzeptiert, sondern auch exekutiert. Vielen ist vielleicht noch der Fall einer Grundschullehrerin in Erinnerung, die zunächst vom Dienst suspendiert und anschließend an eine andere Schule versetzt wurde, weil sie es nicht verhindert hatte, dass sich ein muslimisches Kind beim Schulessen ein Schweineschnitzel nahm.

Als dieser Fall seinerzeit Schlagzeilen machte, wussten etliche Schulen zu berichten, dass es solche Unfälle bei ihnen nicht geben könne, weil gar kein Schweinefleisch mehr angeboten werde. Es sind diese Geschichten im Kleinen, die mehr sind als Kleinigkeiten. Mit dem scheinbar Unwichtigen setzt die Gewöhnung ein, wird es selbstverständlich, in welche Richtung Integration funktioniert.

Gibt es Willkommensfeste für Flüchtlinge, so kümmern sich die Gastgeber meist rührend darum, dass auf islamische Speisevorschriften Rücksicht genommen wird. Dass vielleicht auch Nicht-Muslime unter den Willkommenen sind oder auch mancher Moslem weltoffen genug wäre, dass er – wenn schon in Deutschland gelandet – auch gern einmal mit einer Schweinshaxe und einem heimischen Bier willkommen geheißen würde, ziehen die hochsensiblen Gastgeber meist gar nicht in Erwägung.

Wenn man als Fremder in einen anderen Kulturkreis kommt – egal ob als Gast oder als Flüchtling – so taucht man normalerweise in die neue Welt ein, will sie entdecken und manches probieren, um seinen Platz zu finden. Hier aber geben die Gastgeber den Gästen nicht einmal die Gelegenheit dazu, sondern signalisieren, dass der muslimische Gast die Regeln bestimmt.

Auch wenn es christlich-muslimische Begegnungen gibt, muss man nicht lange überlegen, nach wessen Regeln diese ablaufen. Am gleichen Tag als der Bundespräsident zum Zusammenwachsen dessen, was bislang nicht zusammengehört hat, aufrief, berichtete Laura Backes auf Spiegel-Online aus einem christlich-muslimischen Pfadfinderlager am Rande des Hunsrück. Es war das erste gemeinsame Zeltlager christlicher und muslimischer Pfadfinder und ich muss gestehen, dass ich bis dato gar nicht wusste, dass es überhaupt muslimische Pfadfinder in Deutschland gibt. 100 christliche Kinder und Jugendliche aus Neuss und Grevenbroich trafen auf 40 Muslime aus Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Eine kleine Idylle der Gemeinsamkeit? Auch hier gab es das Problem gemeinsamer Regeln. Das beschreibt Backes so: „Es war schon kompliziert, einen Termin zu finden, weil ein Teil der Sommerferien in den Fastenmonat Ramadan fiel – fasten und zelten, das wäre für die Kinder zu anstrengend geworden. Zudem mussten die Organisatoren über die Regeln im Camp verhandeln. Heraus kam ein Kompromiss: Die ganze Woche wird kein Schweinefleisch serviert, Gummibärchen müssen nach islamischen Regeln hergestellt sein, dürfen also keine Schweinegelatine enthalten.

Die Betreuer dürfen nur nach 22 Uhr Bier trinken, und auch das nur, wenn kein Kind sie dabei sehen kann. Dafür beten die Muslime statt fünfmal nur dreimal am Tag – damit das Tagesprogramm nicht so oft unterbrochen werden muss.“[1]

So sieht also ein Kompromiss aus? Wenn diese Einigung im Kleinen ein Menetekel für die künftigen Regeln in unserer Gesellschaft sein sollte, dann ist das, um mit der Kanzlerin zu sprechen, nicht mehr mein Land.

 

[1] http://www.spiegel.de/schulspiegel/christlich-muslimisches-pfadfinderlager-campen-mit-allah-a-1054823.html#ref=nl-dertag

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.