Pegelstände und „Asylprofiteure“

DER MORGEN-DURCHBLICK DER MONTAGSMELDUNGEN

Womit beginnt die Woche? Mit vielen, vielen Neuankömmlingen. Der Zustrom hat neue Pegelstände erreicht. Galt bislang offiziell eine Zahl von 800000 Asylbewerbern für dieses Jahr, so rechnen deutsche Behörden jetzt mit 1,5 Millionen, denn allein im letzten Quartal werden mit 920000 mehr Zuwanderer erwartet, als bis dato für das ganze Jahr prognostiziert. Verwundern darf das nicht, allein in Nordafrika gibt es noch ein großes Potential auswanderungswilliger Menschen. Da sind immer noch imposante Zuwachsraten drin. Mehr hier: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-behoerden-rechnen-2015-offenbar-mit-1-5.447.de.html?drn:news_id=531891

Wenn es jetzt in die Millionen geht, die zu uns kommen, dann versuchen viele Medienschaffende Beispiele für das Beispiellose zu finden. In Deutschland bietet sich bei dieser Größenordnung die Aufnahme der Vertriebenen aus den Ostprovinzen Deutschlands und den osteuropäische deutschen Siedlungsgebieten an. Aber passt dieser Vergleich. Im Deutschlandfunk versucht die Schriftstellerin Ulrike Draesner diesen Vergleich passend zu machen, indem sie daran erinnert, „wie es war, nach dem Zweiten Weltkrieg mit Menschen konfrontiert zu sein, die aus den Ostgebieten des nationalsozialistischen Reiches kamen und eine andere Sprache sprachen und andere Religion hatten.“ Andere Sprache? In den Ostgebieten des Deutschen Reiches wurde doch Deutsch gesprochen. Und welche andere Religion kam mit den Deutschen aus dem Osten? Es kamen doch zumeist Protestanten und Katholiken – den Menschen in Restdeutschland damals durchaus vertraute Religionen. Die damaligen Zuwanderer unterschieden sich allenfalls in Dialekt und Brauchtum, aber kulturell, habituell, sprachlich und vom Bildungsniveau her nicht. Der einzige signifikante Unterschied war, dass die einen mit dem Verlust ihrer Heimat für die gesamtdeutschen NS-Verbrechen haften mussten und die anderen nicht. Mehr hier: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlingskrise-es-wird-jahre-dauern-wenn-nicht.694.de.html?dram:article_id=332918

Also besser zurück zur aktuellen Zuwanderung und den damit verbundenen Herausforderungen. Die Unterbringung ist mancherorts kaum noch möglich. Da wird über das Beschlagnahmen von privaten Immobilien diskutiert und inzwischen werden schon vereinzelt in Betrieb befindliche Schulen für Asylbewerber geräumt. Während die Schüler weichen müssen und Kommunen jede Immobilie ausheben, bleibt ein großes Gebäude unangetastet: Die frühere Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg. Die bleibt für 20 „Flüchtlinge“, die einst aus anderen deutschen Bundesländern nach Berlin kamen, reserviert. Die Nutzungsvereinbarung, Wachdienst und Versorgung inklusive, sei nicht „einseitig hoheitlich beendbar“ entschied jetzt das Berliner Oberverwaltungsgericht und lehnte das Räumungsbegehren des Bezirks bereits in zweiter Instanz ab. Das ist ein Irrsinn, wenn andererseits Immobilien beschlagnahmt werden können. Doch bevor man aufs Gericht einschlägt, sollte man eher diejenigen zur Verantwortung ziehen, die mit den „Flüchtlingen“, die die Schule besetzt hatten, eine solche Vereinbarung abschlossen, namentlich die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann. Da können Millionen kommen, die deutschen Absurditäten bleiben. Mehr hier: http://www.taz.de/Fluechtlings-Schule-in-Kreuzberg/!5235052/

Es gibt bei allen Problemen auch Zuwanderungs-Profiteure. So mancher macht mit dem Ansturm der Asylbewerber ein gutes Geschäft. Ob man deshalb gleich von einer „Asylindustrie“ sprechen darf, wie es die Hamburger AfD tut, soll hier nicht behandelt werden. Immerhin politisch profitiert auch die AfD von der Allparteien-Kopflosigkeit mit der auf die Zuwanderungswelle reagiert oder eben nicht reagiert wird. Wurde der Partei nach dem Abgang des Gründers Bernd Lucke mit seinen liberaleren Freunden allenthalben noch das Totenglöcklein geläutet, so müsste sie nach jüngsten Umfragen nicht um den Einzug in die Parlamente bangen. „Asylprofiteure“? Hier jedenfalls ist ein Bericht vom Hamburger Landesparteitag aus der taz. Eventuelle Sympathie mit dem Gegenstand der Berichterstattung ist also nicht zu befürchten. Mehr hier: http://www.taz.de/Landesparteitag-AfD-in-Hamburg/!5238437/

Die Integration der vielen neuen Zuwanderer wird oft und laut beschworen, gleichzeitig leise bezweifelt, dass sie gelingen kann. Immerhin war sie schon bei früheren Zuwanderungsgenerationen nur bedingt erfolgreich. Doch jetzt gibt es eine Lösung: Nach den Schleuser-Apps, also virtuellen Reiseleitern, die den Flüchtlingen den richtigen Weg quer durch Europa nach Deutschland wiesen, kommen nun die Integrations-Apps, die das Erlenen der Sprache und der Sitten der Deutschen erleichtern sollen. Das Smartphone integriert alle, ist es doch durchaus auch eine signifikante kulturelle Gemeinsamkeit der Einheimischen und der Zuwanderer. Mehr hier: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fluechtlinge-in-deutschland-das-smartphone-als-integrationshelfer/12395754.html

Gibt es denn noch ein Thema, das nichts mit Flüchtlingen oder Asyl zu tun hat? Ja! Erinnern Sie sich noch an die Griechenland-Krise? Die gibt’s immer noch und sie produziert vertraute Meldungen: „Es deutet sich neuer Streit um den Reformfahrplan für Griechenland an. Die Euro-Finanzminister beraten über die Auflagen, die der griechische Premier Tsipras in Teilen infrage stellt. Es geht um entscheidende Details“, schreibt das Handelsblatt. Was waren das noch für Zeiten, als solcherlei Nachrichten die Nation aufregen konnten. Mehr hier: http://www.handelsblatt.com/my/politik/international/streit-um-reformen-rechenspiele-fuer-die-griechische-schuldenoperation/12406604.html

Beenden wir diesen Blick in den Tag mit einer Beisetzung. Die taz schreibt über Treue und Kameradschaft bis in den Tod. Es geht um eine Skinhead-Trauergemeinde, die einen Neonazi zu Grabe trug, von dem bekannt ist, dass er V-Mann war.  Aber wer weiß schon, wie viele V-Männer unter den Trauernden waren? In jedem Fall wissen aber Rechtsextreme doch seit langem, um wieviel sie dem Engagement des Verfassungsschutzes verdanken. Da ist Trauermarsch bei der Beerdigung eines V-Mannes schon angemessen. Mehr hier: http://www.taz.de/Rechtsextremismus-in-Deutschland/!5235150

 

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