Anleihen, Anschläge und Müll

DER MORGENDURCHBLICK DURCH DIE MONTAGSMELDUNGEN

Willkommen, Konflikte dieser Welt. Ihr gehört jetzt alle auch zu Deutschland. Gut, alle vielleicht nicht, aber der zwischen Türken und Kurden ist hier auf jeden Fall heimisch. Und weil das manche Deutsche nicht glauben wollen, gibt es hier eine Warnung aus berufenem Munde: „So wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier“, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, zur Situation nach dem verheerenden Bombenanschlag in Ankara und möglichen gewaltsamen Auseinandersetzungen von Kurden und nationalistischen Türken in Deutschland. Mehr hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ankara-nach-anschlag-warnt-tuerkische-gemeinde-vor-gewalt-in-deutschland-a-1057285.html

Trotz aller Flüchtlinge scheinen die Kriege dieser Welt im Alltag der meisten Deutschen noch weit weg zu sein. Man darf nur nicht hineinfliegen. Fluggesellschaften sollen jetzt wegen des russischen Raketeneinsatzes in Syrien befürchten, dass zivile Flugzeuge versehentlich abgeschossen werden könnten. Mehr hier: http://www.welt.de/wirtschaft/article147478425/Airlines-fuerchten-die-russischen-Raketen.html

Vor gut hundert Jahren wurden die Bürger der wichtigsten Krieg führenden Staaten des Ersten Weltkriegs gedrängt, Kriegsanleihen zu zeichnen. Zumindest für deutsche Investoren war das Geld wie der Krieg letztlich verloren. Heute sind unsere Anleihen weitaus friedlicher. Jetzt wollen Weltbank und Islambank eine Flüchtlingsanleihe auflegen, um die Aufnahme von Flüchtlingen zu finanzieren. Früher sollte man in den Krieg investieren, heute in die Kriegsfolgen? Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Mehr hier: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/fluechtlingshilfe-weltbank-plant-fluechtlings-anleihe/12436724.html

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat gestern eine Grundsatzrede gehalten. Seine Redenschreiber haben sich alle Mühe gegeben, mit scheinbar klaren Worten für jeden etwas Zustimmenswertes zu formulieren. Die einzige klare Aussage war, dass die Sozialdemokraten die richtigen für die Bewältigung einer solchen Krise sind, weil sie schon immer für das einzig richtige waren, nämlich mehr Staat statt weniger Staat. Die Kunst, für alle etwas Passendes zu formulieren, ist aber in Interviews offenbar nicht immer spontan abrufbar, weshalb Genosse Gabriel auf Nachfragen etwas unwirsch reagierte. Mehr hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sigmar-gabriel-gegen-bettina-schausten-zoff-im-zdf-interview-a-1057273.html

Derweil stellt sich für die Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ganz konkret jeden Tag die Frage, wie sie das alles schaffen sollen. Ein Mitarbeiter beschreibt die Situation am Rande des Zusammenbruchs: „Politiker erhöhen durch unqualifizierte Äußerungen die Erwartungshaltung der Menschen und damit den Druck auf die Behörden. Das führt zu blindem Aktionismus und verursacht unnötige Kosten. Vor ein paar Tagen hat Herr Weise, mein neuer Chef, angekündigt, dass wir bis zu 3000 neue Kollegen von der Bundesagentur für Arbeit bekommen. Das klingt für Außenstehende toll – aber für uns kommt das viel zu spät. Ich würde sogar sagen, im Moment ist es kontraproduktiv. Kommen wirklich so viele neue Kollegen, würde sich unsere Mitarbeiterzahl fast verdoppeln. Aber wer soll sie denn alle einarbeiten? Wir schaffen es zurzeit noch nicht mal annähernd, alle Anträge zu bearbeiten.“ Mehr hier: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/alltag-im-fluechtlingsamt-ich-bin-leistungsmaessig-an-der-grenze-a-1056501.html

Frauen als Freiwild im Flüchtlingsheim, das ist ein Problem, dass mittlerweile wenigstens öffentlich zur Kenntnis genommen wird. Die Hilfe für die Betroffenen ist allerdings spärlich. Und was ist mit den Männern, die diese Frauen bedrängen und bedrohen? Die werden nicht immer im Asylbewerberheim leben und sollten vielleicht nicht nur die Erfahrung machen, dass man auf ihre Wertvorstellungen Rücksicht nimmt. Mehr hier: http://www.welt.de/regionales/hamburg/article147461333/Wie-Frauen-in-Fluechtlingslagern-zu-Freiwild-werden.html

Und wie sieht es sonst bei den Asylbewerberunterkünften aus? Es sind die gleichen Konflikte wie an jedem Tag. Die vernehmbarste Massenschlägereimeldung kam diesmal aus Bremen. Und auch Gewalt von Asylgegnern gab es wieder, diesmal gegen eine Kirche. Erstaunlicherweise blieb die allgemeine Empörung darüber aus. Sind Kirchen als Anschlagsziele schon akzeptiert? „Nach der gescheiterten Unterbringung von Flüchtlingen in einer Turnhalle in Chemnitz-Markersdorf hatten rund 30 Frauen und Kinder Asyl in der nahe gelegenen Bonhoeffer-Kirche erhalten. Pfarrerin Hiltrud Anacker (47): ‚Kurz vor 5 Uhr wurden sechs Scheiben des Gemeindesaals mit Steinen eingeworfen. Das war menschenverachtend!‘ Eine Flüchtlings-Mutter und zwei Kinder erlitten Verletzungen durch Splitter.“ Mehr hier: http://www.bild.de/regional/chemnitz/fluechtlingskrise/nazi-angriff-auf-kirchen-asyl-42974642.bild.html

Bunt sollen wir sein. Aber wie bunt darf man eigentlich werden, ohne die Rechte eines Unternehmens zu verletzen. Die Farben gehören nämlich gar nicht allen: „Schokoladenhersteller Milka beansprucht die Farbe Lila als alleiniges Eigentum, das Unternehmen Beiersdorf ist überzeugt, die Farbe Blau gehöre zu Nivea wie das Ei zum Osterhasen, Langenscheidt bewacht die Farbe Gelb wie den eigenen Augapfel und die deutschen Sparkassen, vertreten durch den deutschen Sparkassen- und Giroverband, streiten sich mit der spanischen Santander-Bank seit Jahren um die Farbe Rot.

Können Farben einem Unternehmen gehören? Stehen Farben für eine Marke und machen diese unverwechselbar? Kann ein Unternehmen einem anderen eine Farbe stehlen und so die Markenidentität des anderen Unternehmens beschädigen? Die Antwort auf diese Fragen lautet: Ja, das geht.“ Mehr hier: http://www.haufe.de/recht/kanzleimanagement/colours-of-law-farben-vor-gericht_222_323426.html

Auch in der besseren, der fleischlosen Welt ist nicht mehr alles so ganz gut: „Frisst die vegetarisch-vegane Revolution ihre Kinder? Die Pionierfirmen der Branche werden immer stärker vom Veggie-Angebot der alten Fleischkonzerne verdrängt. Rügenwalder Mühle, Wiesenhof und andere Firmen erweitern derzeit schnell ihr Sortiment und füllen die Supermarktregale mit fleischlosen Fleischwürsten, Schnitzeln oder vegetarischer Mortadella.“ Mehr hier: http://www.taz.de/Vegetarische-Ersatzprodukte/!5237558/

Ja, wir sollten mit einer guten Nachricht enden. Vielleicht wird das hier eine: Das Bundeskartellamt prüft die Müllgebühren. Die Kartellwächter vermuten, dass wir zu viel Geld für die Entsorgung zahlen müssen. Möglicherweise führt das ja zu einer kleinen Entlastung. Mehr hier: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-10/35216211-kartellamt-prueft-muellgebuehren-in-deutschland-003.htm

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