„Männer besonders erwünscht“

Über Geschlechtergerechtigkeit und Quoten wird derzeit eher selten gesprochen. Das liegt vielleicht daran, dass keiner dazu provoziert werden soll, laut über eine Frauenquote bei Flüchtlingen nachzudenken. Die einen würden das dazu benutzen wollen, vielen männlichen Asylbewerbern die Tür zu weisen; die anderen würden fordern, Frauen aktiv bei der Reise nach Deutschland zu helfen.

Aber hier soll es gar nicht um Flüchtlinge und Zuwanderung gehen. Blicken wir kurz in die nahe Vergangenheit. Können Sie sich noch erinnern, wie wichtig es vielen Gleichstellungspolitikerinnen einmal war, zu verhindern, dass auch die Förderung von Männern, obligatorisch wird, falls sie in einer der Quote unterliegenden Position unterrepräsentiert sind? Dass Gleichstellung irgendwann nicht den Frauen nützen könnte, war ein nahezu blasphemischer Gedanke. Auch wenn man alle Frauenbeauftragte in Gleichstellungsbeauftragte umbenannt hatte, das Ressort als auch die Tätigkeit selbst sollte möglichst für die Ewigkeit eine Frauendomäne bleiben.

Wenn man nicht genau weiß, in welchen Bereichen die Herrinnen über die Gleichstellung Kompromisse machen mussten, ist man überrascht, in einer Anzeige, mit der der Norddeutsche Rundfunk „eine/n Redakteur/in“ sucht, folgenden Satz zu lesen: „Die ausgeschriebene Position befindet sich einer Berufsgruppe, in der Männer unterrepräsentiert sind. Deshalb sind Bewerbungen von Männern besonders erwünscht.“

Es ist nicht überraschend, dass es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk inzwischen in etlichen Programmbereichen mehr Redakteurinnen als Redakteure gibt. Aber dass deshalb explizit Männer zur Bewerbung aufgefordert werden, ist mir bislang nicht aufgefallen. Vielleicht ist das ja gar nichts Neues, aber alle, die das bislang auch nicht bemerkt oder überlesen haben, sollen hier die Möglichkeit haben, dass angemessen anzuerkennen.

Der Autor dieser Zeilen wird sich trotz der freundlichen Einladung nicht bewerben. Zwar bin ich eindeutig ein Mann, aber für das ausgeschriebene Ressort „Show, Musik & Quiz“ nicht hinreichend kompetent.

3 Kommentare

  1. dentix07

    Scheint tatsächlich kein Fake zu sein, und auch keine Satire! Wow!
    Und das angesichts der üblichen weiblichen Gleichstellungsbeauftragten beim NDR! Wundere mich, daß es da noch keine Reaktionen der üblichen Verdächtigen gibt!
    Als Monika Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte in Goslar auch die Benachteiligung von Männern angehen wollte, wurde Sie abgeschossen!
    Sollte sich tatsächlich was bewegen?

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  2. dentix07

    Ich halte das für ein Fake, bzw. für Satire!

    Wahr ist dagegen, daß der niedersächsiche Landesverband des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) vor einiger Zeit eine Männerquote für das Studium der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (landläufig: Zahnmedizin) forderte, da in einigen Semestern der Männeranteil schon 0 wäre und dadurch letztlich die zahnärztliche Versorgung gefährdet würde.
    Wahr ist auch, daß dies von Frauen(vereinigungen) sofort als Diskriminierung (von Frauen) wahrgenommen und abgelehnt wurde.

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    1. Redaktion

      Ein Fake ist es nicht, aber wenn es ein Satiriker in die Personalabteilung des NDR geschafft haben sollte, wäre das ja durchaus auch anerkennenswert. Die Anzeige finden Sie unter den Stellenangeboten auf der NDR-Seite unter http://www.ndr.de/der_ndr/karriere/stellenangebote/Hamburg-Redakteurin-Redakteur,redakteurin112.html

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