Fremdenfeindschaft unter Neudeutschen?

Merkwürdigerweise lief die Meldung ohne große Aufmerksamkeit durch die Presse: Ein 20-jähriger arabischer Asylbewerber wird in Berlin auf offener Straße von mindestens 15 Männern attackiert. Sie schlagen und treten ihn zusammen, nur in letzter Not gelingt ihm die Flucht. Polizeibeamte bergen ihn schwer verletzt.

Viel mehr erfährt der geneigte Leser dieser Polizeimeldung[1] nicht, nur den Grund, warum sie kein mediales Aufregerpotential besitzt: Die Polizei geht von keinem fremdenfeindlichen Motiv aus, denn die Angreifer stammten ebenfalls aus dem arabischen Raum. Mehr erfahren wir nicht. Nicht, aus welchen arabischen Ländern Täter und Opfer kommen, ob die Täter auch Asylbewerber sind, die ihre gewaltsamen Übergriffe, die sonst hinter den Zäunen des Flüchtlingsheims verborgen bleiben, nach draußen getragen haben oder ob es vielleicht gar einen religiösen Hintergrund gibt und hier nur aufrechte Kämpfer des Propheten einem Ungläubigen eine Lehre erteilen wollten. Nur eines erfahren wir: Es gab keinen fremdenfeindlichen Hintergrund.

Warum kann der eigentlich ausgeschlossen werden? Nur weil die Täter arabischer Herkunft sind? Am Tatort, im Stadtteil Moabit, ist in vielen Straßenzügen deutlich mehr arabische Herkunft heimisch, als es Nachkommen der Ureinwohner gibt. Auch sie können einem Fremden Feind sein. Das ist kein Privileg von Weißen oder Deutschen, wie es unsere mediale Wahrnehmung manchmal vermuten lässt. Es ist interessant, dass gerade diejenigen, die sonst so sehr darauf beharren, dass alle Völkerschaften, die hier Quartier nehmen, gleiche Heimatrechte am frisch besiedelten Land haben, sofort jede Fremdenfeindlichkeit ausschließen, sobald ein Täter keine deutschen Ahnen hat.

Dabei kultivieren etliche Zuwanderergruppen eine Fremdenfeindlichkeit, die sich schon gegen jeden richtet, der nicht zum eigenen Familienclan gehört, wenn er im selbst definierten Herrschaftsgebiet des Clans irgendwelche eigenen Rechte geltend machen will. Auch der Fremde kann des Fremden Feind sein, umso mehr, da wir gerade jetzt mit der großen Einwanderungswelle die ethnischen und religiösen Konflikte dieser Welt stärker als bisher bei uns einbürgern.

Wer also immer vorsorglich den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit hegt, sobald der Täter im Gegensatz zum Opfer deutsche Wurzeln hat oder Rassismus wittern, wenn das Opfer mit mehr Pigmenten geboren wurde, als der Täter, sollte sein Weltbild an dieser Stelle erweitern. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind bei unseren Zuwanderern, die wir willkommen heißen, nicht weniger verbreitet als bei Deutschen.  Gewaltbereitschaft und der Hang zu autoritären Weltbildern vielleicht sogar noch mehr. Insofern müssten gerade diejenigen, die sich entschieden gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz wenden, darum bemüht sein, den Neuankömmlingen deutlich zu machen, dass sie diese Regeln auch ihnen gegenüber durchzusetzen bereit sind.

Doch an dieser Stelle setzt bei vielen Wohlmeinenden eine verklärende Blindheit ein. Das war schon im Umgang mit den Gewalttaten von jungen Männern oft so, wenn ihnen  ihr „Migrationshintergrund“ als strafminderndes Entlastungsmoment zuerkannt wurde. Diesem Verhaltensmuster möchten in Deutschland viele auch den Zuwanderern gegenüber gern treu bleiben. Vor allem die, die recht wenig mit den Opfern einer solchen Praxis zu tun haben.

Einige Menschen mit ausländischen Vorfahren und einem deutschen Pass verweisen, wenn es passt, gern auf ihren Migrationshintergrund und empfinden sich daraus ableitende Privilegien, wie eine mehrfache Staatsbürgerschaft, selbstverständlich, gleichzeitig beanspruchen sie aber auch eine besondere Deutungshoheit über die Zukunft der gemeinsamen deutschen Gesellschaft. Selbst nennen sie sich die neuen Deutschen. Doch sind nun neue Deutsche gegenüber ganz neuen Deutschen oder gar Noch-Nicht-Deutschen offener, als es die alten Deutschen gegenüber den neuen Deutschen waren? Zumindest dem Augenschein nach sind die neuen Deutschen unter den Helfern in Asylunterkünften nicht unbedingt überrepräsentiert. Die besseren Menschen sind sie gewiss nicht.

Wenn also die Motive Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bei einer Gewalttat strafverschärfend sind, wie es ja in Deutschland seit der Strafrechtsänderung vom 1. August der Fall ist, dann muss man diese niederen Beweggründe auch jedem, unabhängig von seiner Herkunft, unterstellen dürfen. Sie auszuschließen, weil die Täter keine Eingeborenen sind, folgt auch nur wieder Denkkategorien, die Unterschiede nach Rasse und Herkunft machen. Auch wenn man es gut meint, ist das derzeit eine besonders fatale Gewohnheit, weil gerade eine neue Gesellschaft planlos  aus unpassenden Bestandteilen zusammenwuchert.

Möglicherweise ist der Überfall auf den jungen arabischen Asylbewerber ganz anders gelagert. Vielleicht ging es ja auch nur um die Familienehre, einen zu schlüpfrigen Blick auf den Körper der kleinen Schwester oder ähnliches. Wir wissen es nicht. Dass Täter und Opfer Araber waren, erfuhren wir ja auch nur, um die Fremdenfeindlichkeit damit scheinbar ausschließen zu können. Die Polizei wird wissen, ob das Opfer und ob die Täter Syrer, Ägypter, Libyer, Algerier, Marokkaner, oder Tunesier waren. Aber das Wissen teilt sie nicht mit uns, weil sie sich und weil sich viele Journalisten immer dann, wenn man es mit nichtdeutschen Tätern zu tun hat, anmaßen, für uns zu entscheiden, welche Informationen wir zum Verständnis der Tat benötigen und welche nicht. Dass diese Unkultur einmal gut gemeint war, ist unbestritten. Doch jetzt bleibt eher der üble Beigeschmack der Zensur und im konkreten Fall eines unschönen Subtextes dieser Art: Das war eine Gewalttat der Araber unter sich, damit haben wir so viel nicht zu schaffen.

Das ist nicht nur ein effektiver Beitrag zur Akzeptanz von Parallelgesellschaften. So leistet man auch der Glaubwürdigkeit absurdester Gerüchte Vorschub.  Wo mit den Fäkalien des Verschweigens gedüngt  wird, blühen allerlei Phantasien und Gedanken. Die mögen ansehnlich sein und zutreffen, doch oft haftet ihnen der Gestank noch lange an.

[1] http://www.bz-berlin.de/tatort/mob-greift-20-jaehrigen-in-moabit-an-klinik

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.