Integrationsverweigerer gegen rechts

Wer sollte schon Verdacht schöpfen bei einem pensionierten Bahnbeamten, der seit Jahren zwei Mal in der Woche türkischen Kindern Nachhilfe- und Deutschunterricht erteilt, der die Eltern, falls sie Sprachprobleme haben, zu Behörden und Elternversammlungen begleitet. So ein Mann tut Gutes für die Integration, wer mochte da politisch Unanständiges vermuten.

Der Mann, um den es geht, heißt Werner Zollt und lebt in Oberhausen-Rheinhausen im Landkreis Karlsruhe. Für sein Engagement bekam er jüngst einen kleinen Sonderpreis zum Kreisintegrationspreis. Eine angemessene Anerkennung, wie die Jury fand. Allerdings hatte man im Landratsamt auf eine Gesinnungsprüfung des Preisträgers verzichtet. Man könnte jetzt sagen, dass die Gesinnung nicht ausschlaggebend für eine Preisvergabe sein sollte. Doch das ist blauäugig, denn manche Gesinnungstäter sollten hierzulande keine Preise bekommen. Umso größer die Überraschung, als sich einige Bürger aus Zollts Heimatgemeinde über die Preisvergabe öffentlich mokierten. Plötzlich wurde allgemein bekannt, was man übersehen und bei einem so für die Integration engagierten Mann auch nicht vermutet hätte: Er steht politisch rechts. Er ist der Kreisvorsitzende der „Republikaner“.

Peinlich für den Landkreis. Ausgerechnet der Integrationspreis sollte in Zeiten wie diesen zu einer Provinzposse werden. Mit lachenden „Republikanern“ und allerlei Rechten, die über die naiven Gutmenschen spotten würden. Oder ihnen Gesinnungsterror vorwerfen, wenn Zollt der Preis wieder aberkannt würde. In einer solchen Situation sollte man sich ruhig und souverän verhalten. Auf die ersten Forderungen, man müsse dem Mann seinen Preis sofort aberkennen, reagierte das Landratsamt denn auch ganz vernünftig. Der Mann sei für seine Arbeit geehrt worden, das Parteibuch – von dem man nichts gewusst habe – spiele da keine Rolle.

Doch diese Linie konnte Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) nicht durchhalten. Ruhe und Souveränität gelten nicht viel, wenn man es mit Rechten zu tun hat. Die Neigung zur Hysterie ist weiter verbreitet. Ein einmal entlarvter Rechter darf nicht ungeschoren davonkommen. Die Forderungen nach Preis-Aberkennung wurden lauter, immer wieder begründet mit verschiedenen asylkritischen und fremdenfeindlichen Slogans aus der Wahlwerbung der „Republikaner“.

Landrat Schnaudigel erkannte Zollt den Preis letztendlich wieder ab und begründete diesen Schritt mit einem Flugblatt des „Republikaner“-Kreisverbands, das mit der Aussage „Politik zuerst für unsere ethnischen Bewohner und dann für die Asylanten“ ende. Diese Äußerung sei in keinster Weise mit dem Gedanken und dem Sinn des Kreisintegrationspreises zu vereinbaren und der Kreisvorsitzende habe als presserechtlich Verantwortlicher dafür gezeichnet.

Ob er jetzt noch die türkischen Kinder unterrichten darf? Ob Lehrer und Schulleiter ihn weiterhin als Gesprächspartner an der Seite türkischer Eltern akzeptieren werden? Vielleicht ist eine beiderseitige Integrationschance kaputt gemacht worden. Denn was spricht dagegen, auch einem Pensionär beim Ausstieg aus einer rechten Partei zu helfen? Mit seiner Arbeit für die Integration hat er doch bewiesen, dass er kein völlig vernagelter Ideologe sein kann. Für die Rechten ist es natürlich immer gut, wenn mögliche Abtrünnige in der Außenwelt keine Anknüpfungspunkte finden und immer wieder in die ideologische Wagenburg zurückgestoßen werden.

Er selbst sagte, auf den Widerspruch zwischen Parteilinie und Integrationspreis angesprochen, dass die „Republikaner“ einfach zu Unrecht als „Nazis und Verbrecher“ abgestempelt würden. Vielleicht glaubt er das, vielleicht ist er auch nur das harmlos freundliche Aushängeschild der „Republikaner“. Doch sein Engagement für die türkischen Kinder ist echt, und ein Ausländerfreund dieser Partei hemmt immerhin eine weitere Radikalisierung, die bei anderen Gruppierungen gerade bitter beklagt wird.

Zollt ist  im Privatleben eigentlich ein Mann wie aus einem volkspädagogisch wertvollen Drehbuch. Er pflegt freundschaftliche Kontakte zu einer vor Jahrzehnten aus der Türkei eingewanderten Familie in der Nachbarschaft. Der Vater war einst sein Trauzeuge – ein „muslimischer Trauzeuge“, wie er betont. Nur Zollts Aussage, sie wüssten auch von seinem Parteiamt und hätten „kein Problem damit“, würde nicht ins Drehbuch passen.

Erfolgreich ist ein Rechter aus der Integrations-Szene vertrieben worden. Ist das wirklich ein Erfolg? Oder ist es eine erklärte Integrationsverweigerung gegenüber einem Mann, der auf einen rechten politischen Weg abgewichen ist. Auch so kann man ohne Not Teile der Gesellschaft spalten bzw. Spaltungen vertiefen.

 

 

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