Eine Verbeamtung für die Generalsekretärin

Yasmin Fahimi wechselt aus dem Amt der SPD-Generalsekretärin ins besser dotierte und abgesicherte Amt einer beamteten Staatssekretärin bei ihrer Genossin und Arbeitsministerin Andrea Nahles. Die beiden Damen sollen harmonieren. Wird uns die Generalsekretärin fehlen? Oder wird sie einfach aus dem neuen Amt mit den alten Sprechblasen zu vernehmen sein? Schauen wir doch mal, welche Zitate sich immer wieder recyceln lassen. Durchhalteparolen gehen beispielsweise immer gut, man merkt der folgenden gar nicht an, dass sie noch aus ihrer Frühzeit als Generalsekretärin stammt:

„Unsere erfolgreiche Arbeit wird sich schon bald auch in guten Umfragewerten niederschlagen. Wir setzen aber eher auf mittel- und langfristige Ergebnisse. Die SPD ist der Motor dieser Koalition, jetzt müssen wir unseren Schwung die Wahlperiode über durchhalten. Ähnlich wie beim Fußball gilt: Gewonnen wird zum Schluss.“[1]

Selbst wenn die SPD am Ende nicht gewinnen sollte, mit der Verbeamtung ist ja zumindest Genossin Fahimi auch für die Zukunft sozial abgesichert. Nein, natürlich hätte sie das gar nicht nötig, wer würde so etwas behaupten. So mutig, wie sie sich an die Beantwortung der Frage macht, wie wir „das“ schaffen. Auch hier hat sie eine in jedem Amt einsetzbare Sprechblase parat: „Wir haben ein Thema, wir haben etwas zu beantworten. Es gibt Menschen, die sich berechtigt Sorgen darum machen, was morgen mit ihrer Wohnung, was morgen mit ihrem Arbeitsplatz ist. Die Flüchtlinge werfen eine Frage auf, die es schon länger gibt, nämlich die nach gerechter Teilhabe und Chancen in unserer Gesellschaft. Deswegen brauchen wir ein Jahrzehnt der Integration, wo wir massiv in den Wohnungsbau gehen, und zwar nicht nur für Flüchtlinge, nicht nur in den sozialen Wohnungsbau, sondern auch für Familien, ganz normale Familien, die sich in den Ballungszentren schon keine normale Wohnung mehr leisten können. Wir müssen massiv in die Kitas und in die Schulen investieren, um aus dieser Situation auch eine Chance zu machen und alle mitzunehmen. Die SPD ist der Garant dafür, dass wir auch an jeden denken.“[2]

Nun ja, auch das Denken an jeden hat natürlich seine Grenzen. Menschen, die bei Pegida mitlaufen, sind für künftige Staatssekretärin ein Greuel: „Für mich ist Pegida eine Bewegung, die auch ganz unverhohlen und aggressiv in ihrer Wortwahl Stimmung in unserem Land machen will und auf deren Boden am Ende natürlich auch, lassen Sie es mich so sagen, schwache und kranke Geister zu kranken Aktionen verleitet werden. Es mag den einen oder anderen geben, der sich nicht fremdenfeindlich fühlt und einfach nur meint, hinterherzulaufen und seiner wie auch immer begründeten Wut Ausdruck zu verleihen, aber es ist doch so offensichtlich, in welcher Art und Weise hier Stimmung gemacht wird.[…]Das sind ja Gehirnknoten, die kaum für einen normalen Menschen nachvollziehbar sind. Ich finde, jeder der bei Pegida mitläuft, muss sich der Verantwortung bewusst sein, hinter welchen Demokratiefeinden er mitmarschiert, und muss sich dafür auch mindestens moralisch mitverantworten.“[3]

Gut, das war vielleicht ein zur Wiederverwendung nicht ganz so geeignetes Zitat. „Schwache und kranke Geister“ mit „Gehirnknoten, die kaum für einen normalen Menschen nachvollziehbar sind“ – mit solchen Worten kann man das „Pack“ seines Parteivorsitzenden verbal begleiten, aber darf man das auch Staatssekretärin noch sagen? Früher hätte man diese Frage sicher mit „Nein“ beantwortet. Aber die Zeiten ändern sich ja gerade.

Sicher ist jedenfalls, dass folgende Sprechblase immer wieder einsetzbar ist, egal was passiert: „Wir reden schon lange davon, dass es in diesem Land dringend Zukunftsinvestitionen bedarf, und wir wollen nicht einfach Geld verschleudern, sondern wir wollen Geld in diesem Land investieren, das den Menschen zugutekommt. Und wenn wir in Bildung investieren, wenn wir in qualifizierten Wohnungsbau investieren, wenn wir in Straßen investieren, dann sind das Zukunftsinvestitionen, auf deren Basis der Wohlstand von morgen wächst.“[4]

Wie schön, das passt doch zur Staatssekretärin im Arbeitsministerium. Klingt gut und erfordert keinerlei praktische Konsequenz im eigenen Ressort. Und mit dem Wohlstand von morgen geht’s ohnehin immer leichter, als mit dem Wohlstand von heute. Nur der Wohlstand von übermorgen lässt sich noch komplikationsloser ankündigen. Wir wünschen viel Spaß im neuen Amt und dem Publikum gute Unterhaltung. Auf mehr sollte man nicht hoffen.

 

[1] http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/462761/fahimi-spd-ist-motor-der-regierungskoalition

[2] http://www.deutschlandfunk.de/spd-generalsekretaerin-yasmin-fahimi-pegida-ein.694.de.html?dram:article_id=334436

[3] Ebd.

[4] Ebd.

3 Kommentare

  1. Pingback: Den Arbeitsmarkt verriegeln | psychosputnik

  2. dentix07

    Und da reden wir immer von den alten Seilschaften in SED/PDS/LINKE! Die Schwesternschaft kanns auch!
    Könnte es sein, daß Fahimi in Position gebracht wird um nach Nahles die Richtung zu halten?

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    1. El Gordo

      Nicht jede Ausgabe ist eine Investition. Die SPD hatte mal das Ideal, dass jeder Arbeiter sich ein eigenes Haus, ein Auto und Urlaub im Süden leisten kann. Das war vor 40 Jahren. Der heutigen SPD liegt nichts ferner als das. Dass das Bauen immer teurer wird und die Strassen schlechter, dass die Industrie nur noch im Ausland investiert – und das sind echte Investitionen, keine ABM – wann stand da nicht die SPD dahinter? Frau F. ist die letzte, die wüsste oder sich darum kehrt, wie man Wohlstand schafft.

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