Hetze von den Philologen?

Was hat der Philologenverband Sachsen-Anhalt da wohl Schlimmes angestellt? „Das grenzt an Hetze“, urteilt die Linken-Landesvorsitzende Birke Bull. Hetze? Dass es einen einzelnen hetzenden Lehrer geben könnte, ist vorstellbar, aber ein ganzer Verband? Auch die Grünen geben vernichtende Noten: „Das ist inhaltlich auf einem unterirdischen Niveau, das bedient Vorurteile und den rechten Rand“, sagte Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert. Das klingt, als hätten in Magdeburg die „Philologen für Pegida“ demonstriert. Nein, keine Angst, eine solche Gruppe gibt es nicht. Vielleicht sagt der Kultusminister ein ruhiges, klärendes Wort zum Treiben einiger seiner Lehrer? Minister Stephan Dorgerloh (SPD) kritisierte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, der Verband würde „Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten und unsere Werte als Keule benutzen“.

Unsere Werte als Keule? Wenn schon der Minister so redet, dann sollten wir doch mal schauen, was manche Lehrkräfte da in Sachsen-Anhalt treiben, auch wenn wir dazu, die „Hetze“, die den „rechten Rand“ bedient, lesen müssen. Kurz gefasst lauten die Vorwürfe: In seiner Mitgliederzeitschrift verwendet der Landes-Philologenverbandsvorsitzende, Jürgen Mannke, das Wort „Immigranteninvasion“ und er beschreibt die Gefahr, dass die vielen jungen muslimischen Männer – die ja oft auch in nächster Nähe zu Schulgebäuden beherbergt werden – minderjährige Schülerinnen sexuell belästigen könnten. Auf diese Herausforderung müssten auch die Pädagogen reagieren. Das reichte für die Empörung.

Man wundert sich ja zunächst, welche Verbreitung das Mitgliederblatt des Philologenverbandes zu haben scheint, wenn sich zu dessen Geleitwort fast alle Parteien äußern und zu anschwellender Hysterie bereit sind. Ich gestehe, bis zu diesem Moment noch nie einen Blick in diese Mitgliederzeitschrift geworfen zu haben. Schon der Name sagt ja, dass es sich nur um eine Publikation für all die handelt, die zum Verein gehören. Dieser Umstand sollte die Aufregung eigentlich ein wenig dämpfen, aber vielleicht ist die Hetze ja so extrem, dass trotz der allgemeinen Bedeutungslosigkeit des Blattes, dringend die Alarmglocken geläutet werden mussten.

Was tun? Lesen wir doch einfach mal, was so an zusammenhängenden Sätzen im beanstandeten Geleitwort steht: Eine Immigranteninvasion überschwappt Deutschland, die viele Bürger mit sehr gemischten Gefühlen sehen. Ohne Zweifel ist es unsere humane Pflicht, Menschen, die in existentielle Not durch Krieg und politische Verfolgung geraten sind, zu helfen. Aber es ist ungemein schwer, diese von den Leuten zu unterscheiden, die aus rein wirtschaftlichen oder gar kriminellen Motiven in unser Land kommen. [1]

Gut, das Wort „Immigranteninvasion“ würde im Aufsatz jetzt vielleicht zu einem Punktabzug führen. Aber inhaltlich deckt sich diese Feststellung mit anders formulierten Sprechblasen mancher Mitglieder der Bundesregierung.

Also weiter im Text: Wenn man die aktuellen Bilder der Flüchtlingswelle verfolgt, ist es nicht zu übersehen, dass viele junge, kräftige, meist muslimische Männer als Asylbewerber die Bundesrepublik Deutschland auserkoren haben, weil sie hier ideale Aufnahmebedingungen vorfinden oder das zumindest glauben. Sicher brauchen wir angesichts unserer Kinderarmut gerade junge, gut ausgebildete oder zumindest integrationswillige junge Menschen, die auch in Zukunft unsere sozialen Systeme sichern helfen. Die Politik hat allerdings in der Vergangenheit nicht gerade bewiesen, dass sie eine gezielte Einwanderung zielführend zu managen weiß.

Ein bisschen ungerecht ist dieser Absatz schon. Welche Mühe haben sich die ganzen Fernsehteams und Fotografen gegeben, auf dem Flüchtlingstreck Frauen und Kinder ins Bild zu setzen. Das hätte ein wenig mehr Anerkennung verdient. Stattdessen müssen auch die Philologen immer nur auf die jungen Männer starren.  Gut, am Fakt an sich zweifelt ja keiner, auch kein Willkommenskultur-Vertreter. Und dass die deutschen Politiker eine gezielte Einwanderung managen können, haben sie in der Tat noch nie bewiesen. Wer mehr als nur gezielte Einwanderung wünscht, wird diesen Philologen-Zungenschlag nicht mögen, doch nach Hetze riecht es noch nicht. Aber wir sind ja auch noch nicht beim Sex. Den haben uns die Meldungen über den Skandaltext ja noch versprochen.

Es ist nur ganz natürlich, dass diese jungen, oft auch ungebildeten Männer auch ein Bedürfnis nach Sexualität haben. Vor dem Hintergrund ihrer Vorstellungen von der Rolle der Frau in ihren muslimischen Kulturen bleibt die Frage, wie sie, ohne mit den Normen unserer Gesellschaft in Konflikt zu geraten, ihre Sexualität ausleben oder Partnerschaften in Deutschland anstreben können. Mit einer undifferenzierten Willkommenskultur können wir diese Probleme nicht lösen und es gibt viele Frauen, die als Mütter heranwachsender Töchter die nahezu ungehemmten Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten.

Gut, Mütter machen sich gänzlich ohne Einwanderung auch Sorgen, dass ihre Töchter vielleicht an falsche oder gar gefährliche Männer geraten könnten. Und der erste Satz könnte sogar diskriminierend sein. Schließlich haben doch auch gebildete junge und sogar gebildete ältere Männer ein Bedürfnis nach Sexualität.

Ich weiß natürlich, dass all jene, die den Philologenverband anklagen, es unerträglich finden, im Zusammenhang mit Flüchtlingen von „oft auch ungebildeten Männern“ zu sprechen. Besser wäre es, die Autoren des Geleitwortes hätten sich präziser ausgedrückt und beispielsweise genauere Angaben über den Anteil der Analphabeten gemacht.

Was ebenso zu einer schlechteren Benotung führen muss, ist die herablassende Formulierung über die „muslimischen Kulturen“. Liebe Philologen, da habt ihr wohl bei einigen Toleranzlektionen der letzten Jahre nicht aufgepasst. Auch wenn es muslimische Länder sind, in denen Frauen gesteinigt und systematisch entrechtet werden, so ist es doch wie mit den ganzen Terroranschlägen, die von Islamisten begangen werden – all das hat nichts mit dem Islam zu tun.

Also politisch korrekte Sprachwächter finden einigen Anlass zu schlechter Benotung, aber Hetze haben wir immer noch nicht gefunden. Wann kommt endlich der versprochene Skandal? Hier vielleicht:

Schon jetzt hört man aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, das es zu sexuellen Belästigungen im täglichen Leben, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten, kommt. Auch als verantwortungsbewusste Pädagogen stellen wir uns die Frage: Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen?

Die Berichte der Bekannten von sexuellen Belästigungen sind es möglicherweise, die der Kultusminister meint, wenn er von „Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten und unsere Werte als Keule benutzen“ spricht.

Der Genosse Minister hat natürlich recht mit der Kritik, dass der Vorsitzende des Philologenverbands keine Rechercheergebnisse präsentiert. Verstärkt werden Gerüchte allerdings aber vor allem dort, wo sich die Überzeugung breit macht, es gäbe keine vollständige und unvoreingenommene Information mehr.

Natürlich müssen sich die Damen und Herren Philologen auch fragen lassen, warum sie „oberflächliche sexuelle Abenteuer“ von Zwölfjährigen erst mit dem Auftauchen attraktiver muslimischer Männer für problematisch halten. Es zeugt schon von latentem Rassismus, einheimische Nicht-Muslime für zu wenig attraktiv und damit ungefährlich zu halten. Aber im Ernst: Das mag ja alles etwas angestaubt nach alter Moral klingen, aber wo ist die „Hetze“?

Einen wichtigen Absatz haben wir noch: Es kann nicht sein, dass muslimische Familien verlangen, dass in deutschen Schulen ihre Wertevorstellungen vermittelt und ausgelebt werden können. Hinzu kommt noch, dass in sozialen Brennpunktschulen mit extrem hohen nichtdeutschen Schüleranteil Lehrerinnen und Lehrer beschimpft und sogar gedemütigt werden. Wir müssen unmissverständlich klarmachen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich unseren Grundwerten anzupassen haben und nicht umgekehrt.

War jetzt nun das Bestehen auf unseren Grundwerten so hetzerisch? Vielleicht, denn auch der Genosse Minister sprach ja, wie wir uns erinnern, davon das „Werte als Keule“ benutzt würden. Aber möglicherweise bin ich gerade auch auf dem rechten Auge blind, weshalb sie eingeladen sind, den ganzen Text nach der Hetze zu durchsuchen. Folgen Sie einfach der Fußnote. Wie gesagt, den Stil muss man nicht mögen aber deshalb muss man nicht gleich die Hetze-Keule schwingen.

Und wie reagiert der Philologenverband auf die Kritik? Verbandschef Mannke sagte zur  Mitteldeutschen Zeitung: „Ich habe mir vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen und tue das jetzt auch nicht“.

 

[1] Alle kursiv gesetzten Zitate aus: http://www.mz-web.de/blob/view/32353948,35782968,data,pHILOLOGENVERBAND.pdf

 

1 Kommentar

  1. Hein

    Stefan Dorgerloh schreibt: „Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten“. Wie meint der Minister das? Gerüchten müsste man nachgehen, Untersuchungen anstellen und Fakten veröffentlichen. Interessanterweise sprach er dann noch von „Halbwahrheiten“ und nicht von Lügen. Ich glaube, er meint das so: Es finden weniger sexuellen Belästigungen statt wie der Verfasser des inkriminierten Textes annimmt und mehr als der Herr Minister politisch korrekt zugeben mag.

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