„Ein bisschen offensiver“

„Das Problem ist einfach, dass ich sehr aktiv gegen rechte Hetze vorgehe. Und auch grad die Gerüchte um männliche Flüchtlinge immer als übertrieben und Propaganda abgetan habe, gestern aber eines besseren belehrt wurde. Und das ist es, was mich am meisten schockiert und mich sprachlos macht.“[1] Diese Aussage stammt von Sarah Haras, geschrieben nach ihren Erlebnissen auf der Party without Borders, zu der u.a. der Refugees Welcome Bonn e.V. Flüchtlinge und ihre Unterstützer eingeladen hatte. Für die Zuwanderer war der Eintritt frei.

Die Überraschung von Sarah Haras ist nicht verwunderlich. Sehr schnell gerät in den Verdacht von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder rechter Gesinnung, wer darauf hinweist, dass es problematisch sein könnte, dass die diesjährigen eineinhalb Millionen Einwanderer zu mindestens zwei Dritteln junge Männer sind, darunter viele Muslime, die mit einem Frauenbild sozialisiert wurden, in dem Gleichberechtigung keinen Platz hat und „unkeusche“ Frauen als Freiwild gelten.

Diese Feststellung ist eben keine Hetze, sondern beschreibt einfach ein Problem, für das man nach Lösungen suchen muss. Aber wem das Problem nicht ins Weltbild passt, der ist darauf nur ungenügend vorbereitet. So erging es offenbar auch dem Refugees Welcome Bonn e.V. und der Initiative für Flüchtlinge (IfF) als sie die Party without borders planten. Sie kümmerten sich zwar um die „Sounds from the global Underground“, mit denen sie für die Party warben aber nicht darum, die eingeladenen Flüchtlinge auch auf eine kulturelle Herausforderung vorzubereiten.

Diese Gäste waren nun fast ausschließlich Männer. Und von denen bedrängten nun etliche die anwesenden Frauen, deren Outfit in vielen muslimischen Gesellschaften sicher als „unkeusch“ gegolten hätte. Daraus wurde mehr als nur ein Bedrängen, auch die, die sich mit Rücksicht auf die Flüchtlinge zurückhaltend äußern, sprechen von massiver sexueller Belästigung.

Die Party war am 7. November. Die Veranstalter waren sich augenscheinlich unsicher, wie sie mit diesem bösen Einbruch der ungeliebten Realität umgehen sollten. Einerseits darf man nichts Negatives über Flüchtlinge sagen, weil das den Asylkritikern nutzen könnte, andererseits darf man die sexuelle Belästigung von Frauen keinesfalls dulden. Es brauchte dreitätige Überlegungen, bevor die Veranstalter angemessen formuliert hatten, wie sie sich für die misslungene Party entschuldigen wollten.

„Auf der Party wurden unserer Beobachtung nach, diverse Frauen von Männern belästigt, ungewollt angefasst oder unangebracht angegangen. Dafür möchten wir uns als Mit-Veranstalter in aller Form entschuldigen. Wir haben bereits auf der Party versucht, die Täter zu identifizieren und der Party zu verweisen; zudem haben wir Ansagen gemacht und darum gebeten, dieses Verhalten sofort zu unterlassen. Leider waren wir mit diesen Maßnahmen nicht erfolgreich. Das tut uns sehr leid. Diese Männer werfen mit ihrem Fehlverhalten ein schlechtes Licht auf unsere Organisation und alle Männer sowie männliche Geflüchteten, die auf der Party waren. Dabei spiegelt dieses Fehlverhalten keineswegs die Haltung der Mehrzahl der Geflüchteten wider. Es verleitet jedoch zu einer Verallgemeinerung, der wir uns nicht anschließen wollen. Männer, die nicht wissen, wie sie sich zu benehmen haben und patriarchale Denkweisen, die sich in solchem Fehlverhalten Bahn brechen, gibt es leider in jedem Land und jeder Kultur. Jedoch wollen wir an dieser Stelle nicht verleugnen, dass es kulturelle Unterschiede gibt. Statt jedoch nur despektierlich mit dem Finger auf patriarchale Verhaltensweisen zu zeigen, halten wir es für unser aller Aufgabe, solche Unterschiede in der täglichen Begegnung anzugehen.“

Wahrscheinlich gelten solche Zeilen schon als beinahe unanständiger Klartext, wenn man immerhin „kulturelle Unterschiede“ nicht verleugnen will. Interessant jedenfalls sind die Reaktionen auf diese über Facebook verbreitete Entschuldigung. Schadenfrohe Rechte hatten sich nicht auf die Seite verirrt, als dieser Artikel entstand. Auch Relativierer gab es nur vereinzelt, so wie Gurbir Singh, der schrieb “ Ist halt eine andere Kultur und Mentalität […] bisschen offensiver.“

Die eingangs zitierte Sarah Haras erzählt stattdessen vom Erlebten: “Wir wurden mehrmals von verschiedenen männlichen Flüchtlingen körperlich angegangen. Nicht von ein/zwei. Massiv von vielen.
Es war leider total auffällig, das man von sehr vielen, als reines Lustobjekt gesehen wurde. Und das ist gelinde gesagt generell und überhaupt nicht meine Intention von einem Abend an dem ich tanzen möchte. War es noch nie und wird es auch nie sein.
Da ging es nicht um interkulturelle Kommunikation, so wie ich es kenne. Ein absolutes no go und der Abend hatte sich damit für uns erledigt.“

Doch grundsätzlich möchte Sarah ihr Weltbild dadurch nicht in Frage stellen: „Grade weil ich durch meinen Arbeitgeber mit der Flüchtlingsarbeit zu tun habe und auch all die positiven Beispiele kenne und auch genug muslimische Mitbürger kenne für die das nicht gilt und ich diese Veranstaltung als eine gute Idee angesehen hatte, muß ich mir hier ehrlich gesagt auch nicht von sogenannten Volksdeutschen anhören selber schuld zu sein. Ihr tretet nur noch schön nach und ergötzt euch daran.“ Nein, liebe Sarah, es geht nicht ums Nachtreten und auch nicht um Schadenfreude, im Gegenteil. Eher darum, dass man endlich die konkreten Probleme zur Kenntnis nehmen und offen ansprechen können muss, ohne denunziert zu werden. Anders sind sie nämlich nicht lösbar.

Für manche Anhänger bedingungsloser Willkommenskultur scheint das eine gefährliche Idee zu sein. Frauke Wurmböck reagiert deshalb lieber mit einer Variante des „Wir schaffen das“: „Nicht unterkriegen lassen! Weitermachen und vielleicht verstärkt für die Männer eine Einweisung in die weltlichen Regeln und Kulturen machen. Und ansonsten sofortige Platzverweise bei der nächsten Party. Lasst euch eure gute bisherige Arbeit nicht kaputtreden!!

Eben, sonst könnte noch jemand auf die Idee kommen, dass es ein paar Zuwanderer gibt, denen man nicht nur für die nächste Party einen Platzverweis geben sollte.

[1] Alle Zitate aus: https://www.facebook.com/welcomebonn/posts/498829116957070

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