Bundesamt für wissenschaftliche Weltanschauung

Ein Gericht erklärt es für rechtens, dass das Umweltbundesamt Journalisten und Publizisten in einer amtlichen Broschüre namentlich an den Pranger stellt, nur weil den Beamten deren kritische Berichterstattung nicht passt.

Konkret geht es um „Klimaskeptiker“, wobei die im konkreten Fall so Gescholtenen natürlich nicht bestreiten, dass sich das Klima verändert, sondern nur die ideologisch verengte, ausschließliche Festlegung auf bestimmte Szenarien und Ursachen kritisieren. Die aber dienen vor allem der Legitimierung der „Klimapolitik“.

Unter dem Etikett „Klimapolitik“ lassen sich hohe Subventionssummen nahezu unhinterfragt verschieben, denn alles, was vorgeblich zur „Klimarettung“ getan wird, ist nahezu sakrosankt. Kritiker dieser Politik stören natürlich die Geschäfte. Aber wer erst einmal amtlich zum „Klimawandelskeptiker“ erklärt ist, den wird ja vielleicht niemand mehr ernst nehmen, oder?

Ob dieser Gedanke vor zwei Jahren bei der Erstellung der Umweltbundesamtsbroschüre „Und sie erwärmt sich doch“ eine Rolle spielte, weiß der Autor dieser Zeilen natürlich nicht. Aber es liest sich so:

Auch in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen tauchen mitunter Beiträge auf, die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen. Bekannt für derartige Beiträge sind die Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Die Autoren verfassten gemeinsam Bücher und schrieben für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Gegenwärtig veröffentlichen sie wöchentlich eine Kolumne in der Zeitung „Die Welt“. Beispielsweise lenkten Maxeiner und Miersch in ihrem Beitrag „Klimadebattenwandel“ vom 03.02.2012 die Aufmerksamkeit auf ein „Stagnieren der Welttemperatur seit über 10 Jahren“ sowie auf die Sonne als Verursacher der Klimaerwärmung seit Mitte des letzten Jahrhunderts.“[1]

Die Herren Maxeiner und Miersch stimmen also „nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft“ überein. Ein amtliches „Ungenügend“ für ihre Arbeit, für dessen Verbreitung der Steuerzahler in Anspruch genommen wurde, weil sie sich erfrechten, darauf hinzuweisen, dass man alle Fakten und Daten angemessen zur Kenntnis nehmen sollte und diese von einigen Wissenschaftlern auch ganz anders gedeutet werden, als es die deutschen „Klimapolitiker“ oder das Umweltbundesamt tun.

Das nämlich weiß ganz genau, was richtig ist. Ein wenig erinnert es einen, der in einer kommunistischen Diktatur aufgewachsen ist, an die Begründung der Überlegenheit des Marxismus-Leninismus mit der Behauptung, er sei die einzige „wissenschaftliche Weltanschauung“:

Im Gegensatz dazu gibt es einen Personenkreis, der die Erkenntnisse der Klimawissenschaft nicht anerkennt, die sogenannten „Klimawandelskeptiker“ oder kurz „Klimaskeptiker“. Obwohl in den meisten Fällen fachfremd, stellen sie eine breite Palette an Gegenthesen zum heutigen Kenntnisstand der Klimaforschung auf. Der Ton, den die „Klimawandelskeptiker“ in der Auseinandersetzung mit der Klimawissenschaft anschlagen, geht nicht selten über das Maß einer sachlich-kritischen Diskussion hinaus. Zuweilen steht die Klimawissenschaft in der öffentlichen Diskussion regelrecht unter Beschuss. Die Medien zeichnen wiederholt das Bild gegensätzlicher Auffassungen in der Klimaforschung. Dabei ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft über die Ursachen der Klimaerwärmung weitgehend einig.[2]

Wenn sich alle einig sind, darf natürlich keiner abweichen.

Eigentlich gehört ein skeptischer Blick auf Politik und Verwaltung zu den Kernaufgaben eines Journalisten, zumindest in einem demokratischen Gemeinwesen. Wenn Journalisten dafür in obrigkeitsstaatlicher Manier in Amtsbroschüren namentlich an den Pranger gestellt werden, ist das eigentlich nicht hinnehmbar. Deshalb klagten Maxeiner und Miersch auch gegen das Umweltbundesamt. Am Dienstag wurde der Fall verhandelt und das Amt hat gewonnen. Der Vorsitzende Richter Volker Albrecht hielt die Klage nun für unbegründet.

Dabei ist schon die erste Tatsachenbehauptung über die beiden Gescholtenen in der Broschüre falsch: „Ich bin kein Klimawandelskeptiker“, sagte Michael Miersch dem Tagesspiegel. „Ich habe lediglich Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, die anderer Auffassung als der IPCC waren; darunter Leibniz-Preisträger, also ernst zu nehmende Leute.“[3] Das bedeutet aber angesichts der amtlichen wissenschaftlichen Weltanschauung offenbar nichts.

Wenn sich die Rechtsauffassung aus Halle durchsetzen sollte, kann das aber auch für den amtlichen Umgang mit missliebigen Journalisten ein fatales Signal setzen, worauf Dirk Maxeiner hinweist: „Dies ist ein Urteil, an dem Journalisten in Deutschland noch viel Freude haben werden. Die Verfahrensweise lässt sich ja mühelos auf andere Streitthemen ausdehnen. Ein bei der Verhandlung anwesender Kollege sagte zu mir: ‚Eigentlich sollen doch Journalisten die Regierung bewerten. Jetzt bewertet die Regierung Journalisten‘.“[4]

[1] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/und_sie_erwaermt_sich_doch_131201.pdf

[2] Ebd.

[3] http://www.tagesspiegel.de/wissen/umweltbundesamt-behoerde-darf-abweichler-anprangern/12607984.html

[4] http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_urteil_an_dem_der_deutsche_journalismus_noch_viel_freude_haben_wird

8 Kommentare

  1. Morgenes

    Im Bezug auf wissenschaftliche Neutralität in diesem Fall die katholische Kirche mit dem UBA zu vergleichen ist zynisch, wenn man bedenkt welche schwarzen Legenden um sie gewoben werden.
    So z.B. auch der angebliche Ausspruch Galileo Galileis, der weder durch Zeugenaussagen noch durch Verhandlungsprotokoll belegt ist. Es ist natürlich schon richtig, dass die Kirche als damalige Lehraufsichtsbehörde dem Galileo verbot, seine Behauptung die Erdwanderung um die Sonne (und nicht umgekehrt) sei durch Ebbe und Flut bewiesen als Wissenschaft zu vertifizieren.

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  2. Wilz

    „Das nämlich weiß ganz genau, was richtig ist.“

    Nein, aber sie wissen, was der derzeitige Stand der Wissenschaft ist. Wie der aussieht, lässt sich u.a. in den renommiertesten Fachmagazinen des Planeten nachlesen. (Aber Magazine wie „Nature“ sind vermutlich auch nur [irgendwas mit Diktatur und Kummunismus])

    Wer das anzweifelt und dabei Taschenspielertricks wie „keine Erwärmung seit 1998“ benutzt, der sollte sich nicht beschweren, wenn er als Klimawandelskeptiker bezeichnet wird.

    Die Erklärung, warum 1998 als Ausgangsjahr für eine Bewertung des Trends ungeeignet ist, wurde schon unzählige Male wiederholt. Und trotzdem kommen Maxeiner & Miersch wieder mit diesem „Argument“ an. Das spricht entweder für völlige Ahnungslosigkeit oder für zielgerichtet Propaganda.

    Und nein, da wurde eben nicht irgendein Leibnitz-Preisträger zitiert, sondern die Aussage wurde von Maxeiner & Miersch selbst getätigt. Sie behaupten ganz klar, dass sich die Erde „seit weit über 10 Jahren“ nicht weiter erwärmt hätte.

    Für jene, die es interessiert, ist hier der entsprechende Graph zu finden: http://www.woodfortrees.org/plot/hadcrut3vgl/last:360/mean:12/plot/hadcrut3vgl/last:360/trend Der massive rote Ausreißer etwa in der Mitte ist das Jahr 1998. Genau aus diesem Grund – weil 1998 besonders heiß war – wählen die Klimawandelskeptiker 1998 als Beginn ihres Trends. _Nur_ dann stimmt nämlich die Aussage, dass die Durchschnittstemperatur seither nicht gestiegen ist. Die grüne Linie ist übrigens der langjährige Trend, der eindeutiger kaum sein könnte. Den haben Maxeiner & Miersch aber sicher nur „vergessen“.

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    1. Horst-Dieter Schulz

      Zitat:
      „Und nein, da wurde eben nicht irgendein Leibnitz-Preisträger zitiert, sondern die Aussage wurde von Maxeiner & Miersch selbst getätigt.“
      Diese Unterstellung ist entweder eine freche Behauptung ins Blaue, wenn man sich nicht die Mühe gemacht hat zu recherchieren, oder eine bewußte Lüge, um Maxeiner & Miersch zu diskreditieren. Der betreffende Leibniz-Preisträger aus dem Jahr 2007 war der Klimawissenschaftler Prof. Dr. Gerald Haug.
      Zitat:
      „Taschenspielertricks wie „keine Erwärmung seit 1998“
      und „Die grüne Linie ist übrigens der langjährige Trend, der eindeutiger kaum sein könnte.“
      Aha – das Jahr 1998 als Startpunkt für einen Graphen zu nehmen ist ein Taschenspielertrick, wenn man jedoch das gleiche mit dem Jahr 1985 tut, ergibt sich der wahre langjährige Trend. Selektiver geht’s nicht. Der Trend bricht in Wahrheit zusammen, je länger man ihn zurückverfolgt. Über die Gesamtzeit seit dem Ende der letzten Eiszeit ergibt sich übrigens eine Abkühlung.

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  3. Udo Will

    Das IPCC hat selber zugegeben das sie eine Politische Org.

    Und die 97% aller Wissenschsaflter Phrasen sind eine glatte Volksverdummung wie man hier lesen kann.
    http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/ueber-die-ueberwaeltigende-zahl-von-97-bis-98-der-wissenschaftler-die-da-meinen-es-gebe-einen-klimakonsens/

    Wo also kommt diese berühmte „Konsens”-Behauptung her, dass „98% aller Wissenschaftler an die globale Erwärmung glauben“? Sie stammt von einem endlos wiederholten Bericht aus dem Jahr 2009 von der American Geophysical Union (AGU) über eine Befragung, die absichtlich kurz gehalten war und aus zwei Fragen bestand, und von zwei Forschern an der University of Illinois online an 10257 Erdwissenschaftler versandt worden ist. Von den 3000 Personen, die darauf geantwortet haben, sagten 82% „ja“ zur zweiten Frage, die die meisten Leute, die ich kenne, wie die erste Frage ebenfalls bejaht hätten.

    Von diesen 3000 wurde nur eine kleine Teilmenge von 77 Personen für die Auswertung der Befragung ausgesucht. Bei diesen 77 Personen handelt es sich um diejenigen, die mehr als die Hälfte ihrer Studien erfolgreich in klimawissenschaftlichen Journalen untergebracht hatten. Diese „98% aller Wissenschaftler“ bezieht sich auf die lächerlich winzige Zahl von 75 der 77 Personen, die mit „ja“ geantwortet haben.

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  4. Arent

    Das Problem ist nicht, dass das Bundesamt sie namentlich nennt. Das Problem ist, dass es nicht naturwissenschftliche Standards einhält. Es zitiert eben nicht, wie für tatsächliche, echte Naturwissenschaftler üblich, ein Experiment & sagt dann aus, dass dieses Experiment den Aussagen widerspricht. Die Natur hat immer recht, nicht das Bundesamt & auch nicht Maxeiner. & wenn man solche naturwissenschaftliche Grundlagen einfordert, kommt das Bundesamt ins Schwimmen, denn Simulationen sind nun mal keine Experimente. Noch schlimmer wiegt, dass sie mit der für Geisteswissenschaften & Politik typischen Argumentation kommen „90% der ‚Wissenschaftler’…“. Sorry, aber diese Leute haben sich gerade selbst disqualifiziert, das einzig ausschlaggebende ist das Experiment & nichts anderes.

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    1. dentix07

      Das Ganze IST das Experiment! Hypothese aufstellen, (= Simulation), dann (abwarten) ob die Hypothese/die Theorie sich bewahrheitet oder nicht!
      Und hier gibt es 2 Probleme:
      1. Es dauert sehr lange bis klar ist ob, bw. welche Theorie/Hypothese richtig ist. (So lange wollen natürlich weder die Wissenschaftler, noch die Politik (die dafür das Geld locker macht) warten. Die wollen jetzt – möglichst gestern – Ergebnisse und die Wissenschaftler wollen weiterforschen und brauchen dafür Geld!)
      2. Sollte sich die Hypothese vom menschengemachten Klimawandel bewahrheiten, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen!
      Die Unwissenschaftlichkeit liegt woanders, nämlich schon bei der Auswahl der Parameter mit denen simuliert wird, bei der schon an Glaubenskrieg grenzenden Art und Weise wie Kritiker diffamiert werden, wie andere als die selbstgewählten Parameter erst garnicht ins Kalkül gezogen werden und die Art und Weise mit der die simulierten (!) Ergebnisse als einzig gültige Wahrheit vertreten werden.
      Ob 80, 90, oder 99% der Wissenschaftler eine These vertreten, bzw. ihr widersprechen, spielt in echter Wissenschaft keine Rolle, denn wie antwortete Einstein einmal auf den Vorwurf, daß doch Hunderte seiner Kollegen seine Theorie für falsch hielten, so treffend: „Wenn ich falsch liege, genügt einer!“

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  5. herber maninger

    Die Demontage demokratischer Grundrechte nimmt ungeahnte Ausmaße an.Die scheinheiligen China-Ermahner hinsichtlich Menschenrechte sollten sich vermehrt um das eigene Land Sorgen machen.

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  6. dentix07

    Grenzt es noch an, oder ist es schon Zynismus, wenn eine – der Neutralität verpflichtete – Bundesbehörde, wie weiland die katholische Kirche, Kritiker ihrer Weltanschauung/ihres Glaubens geißelt und sich obendrein den (nicht verbürgten) Ausspruchs des ebenso gemaßregelten Galileo Galilei „Und sie bewegt sich doch!“ in Analogie bemächtigt („Und sie erwärmt sich doch!“)!?
    Sollten sie es im UBA nicht bemerkt haben, herrscht dort eine, um es zurückhaltend auszudrücken, doch sehr beschränkte Weltsicht!
    War es Absicht, sitzen die Damen und Herren dort auf einem bemerkenswert hohen Roß und sollten sich schon einmal in der Verwendung von Fallschirmen üben, denn „Hochmut kommt vor dem (tiefen) Fall!“

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