Das Geschlecht der Anderen

Ein Grünen-Parteitag wird nur selten wirklich angemessen gewürdigt. Immerhin haben die Programminhalte der Grünen bisher wahrscheinlich den durchschlagendsten Erfolg aller Partei-Programm-Ideen der letzten Jahrzehnte gehabt. Ob Umweltgesetze, Subventionen für Erneuerbare Energien, Atomausstieg, Rauchverbot, Frauenförderung, doppelte Staatsbürgerschaft oder gleichgeschlechtliche Ehen – all das stand zuerst im Programm der Grünen. Auch was die sprachliche Umgestaltung, die politisch-korrekten und geschlechtergerechten Formulierungen und Schreibweisen angeht, war die Partei immer Vorreiter. So können wir, auch wenn wir es vielleicht nicht mögen, auf einem Grünen-Parteitag immer auch einen Blick in unsere Zukunft wagen.

Insofern ist es vielleicht auch voreilig, wenn Journalisten hämisch über den Antrag des Bundesvorstands zur Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache berichten. Sie werden die Ersten sein, die diesen Vorgaben bald genauestens folgen werden.

Bislang benutzen die Grünen das Binnen-I in der Schrift und mündlich sprechen sie beide Geschlechter an, also beispielsweise „SozialpädagogInnen“ bzw. „Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen“. Letztere ausführliche Form benutzen ja inzwischen auch schon fast alle Konservativen ständig. Das generische Maskulinum, einst fest in der deutschen Sprache verankert, scheint ein Auslaufmodell zu sein und nur noch in wenigen Refugien zu überleben.

Da ist es für die Grünen höchste Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und sprachlich anderen fortschrittlichen Kräften zu folgen. So heißt es in einem Antrag des Bundesvorstands:

Um sicherzustellen, dass alle Menschen gleichermaßen genannt und dadurch mitgedacht werden, wird in unseren Beschlüssen ab jetzt der Gender-Star benutzt. Transsexuelle, transgender und intersexuelle Personen werden so nicht mehr unsichtbar gemacht und diskriminiert. Durch den Gender-Star werden somit Menschen mit einbezogen, die sich nicht in ein binäres System der Geschlechter einordnen können oder wollen und es wird (Selbst-)Definitionen Raum gegeben.[1]

Dagegen wird wohl kein Parteimitglied stimmen können. Und was heißt das nun konkret? Immerhin soll es tatsächlich noch Menschen geben, die nicht wissen, was der „Gender-Star“ ist.

Wir gendern, indem wir im Regelfall den Gender-Star verwenden (Bürger*innen, Student*innen…) die weibliche Form explizit mit nennen (Bürgerinnen und Bürger, Studentinnen und Studenten…) oder versuchen, dies durch Partizipien im Plural zu vermeiden („Studierende“,…)

Leider sind die Grünen aber auch inkonsequent, wenn sie einschränken:

Wir gendern grundsätzlich in allen Wörtern, jedoch nicht zweimal in einem Wort (Verbraucherschützer*innen statt Verbraucher*innenschützer*innen)

Nach der Logik, mit der solche Sprachakrobatik immer begründet wird, werden dann die Verbraucherinnen von  Verbraucherschützer*innen nicht geschützt, nicht mitgedacht und damit diskriminiert. Außerdem ließe sich das doppelte Gendern auch mit Verbraucher*innenschützern vermeiden. Das wäre zwar vielleicht etwas besser für die Verbraucherinnen, aber es gäbe nur Schützer und keine Schützerinnen für sie.

In der Konsequenz hieße das, dass Verbraucherinnen nur von Männern und Verbraucher nur von Frauen geschützt werden könnten. Und transgeschlechtliche Menschen müssten sich da wieder irgendwie einfädeln. Ist das nicht diskriminierend?

Überhaupt der Stern. Warum bekommen alle, die sich geschlechtlich nicht festlegen können oder wollen nur einen Stern, während das Geschlecht der anderen in Buchstaben und Worten ausgedrückt werden darf? Lauern da nicht neue Diskriminierungstatbestände? Vielleicht muss der Bundesvorstand seine Sprachregelung noch einmal konsequent überarbeiten. Es geht schließlich um die geschlechtergerechte Welt.

[1] Alle kursiv gesetzten Zitate aus: https://bdk.antragsgruen.de/39/motion/pdfcollection, S. 233

3 Kommentare

  1. Aschfaler Eingeborener

    Und natürlich MUSS die Partei „Die Grünen“ auch umbenannt werden, der Name ist absolut diskriminierend.

    Überhaupt strotzen die Wortmeldungen und Pressemittlungen der Grün*innen vor Diskriminierung. Da steht z.B.

    „Simone Peter und Cem Özdemir erklären ihre Solidarität mit unseren französischen Freunden in diesen schweren Stunden.“

    Hier werden alle Frauen und Transsexuellen von der Solidarität ausgeklammert!

    „Viele Grüne engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlinge“

    Ok, es kommen ja fast nur Männer illegal über die Grenze. Aber transsexuelle Araber werden sich mit dem Satz oben diskriminiert fühlen, daher müsste es heißen

    „Viele Grün*innen engagieren sich ehrenamtlich für …“

    Ja, verdammt. Was eigentlich?

    Und das zieht sich durch alle Texte: Roma, Juden, Muslime – sie werden alle von den Grün*innen genderdiskriminiert.

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  2. Aschfaler Eingeborener

    Ich finde es diskriminierend, dass die Grünen*innen immer nur von Nazis sprechen. Hier sollten die Genoss*innen schnellstmöglich eine Sprachregelung finden, da sich der mit dem Begriff angesprochene Kreis der Deutsch*innen täglich ausweitet, und immer mehr Männer, Frauen und N-Sexuelle Lebensformen erfasst.

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  3. dentix07

    Ich hoffe ganz fest, daß dieser „Star“ (warum unbedingt in Englisch?) ein Shooting Star, eine Sternschnuppe wird und mit ihm die GRÜNEN verglühen!

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