Die Gebete der Klimapilger

Klimaschutz ist etwas Heiliges. Deshalb fühlt sich selbstverständlich auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu berufen, die Botschaft des Klimaschutzes zu verkünden, Ungläubige zu missionieren und den Gläubigen zu predigen. Mag sich das Klima schon immer verändert haben, heute ist es – das weiß Deutschlands Evangelische Kirche genau – nicht das Werk des Allmächtigen, sondern allein die Schuld der Menschen aus den Industrieländern.

Sich von dieser Schuld zu befreien, gelingt mit richtiger Klimapolitik. Gottlob hat diese den Segen des Herrn, wie uns der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der Pariser Basilika St. Denis während einer internationalen Andachtsfeier vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris versichert hat.

Das Religiöse des Klimaschutzes unterstreicht die EKD, indem sie Gläubige zu einem neuen Weg des Klimapolitik-Bekenntnisses ermuntert hat. Es gibt jetzt „Klimapilger“, wie uns die EKD-Pressemitteilung Nr. 238/2015 mitteilt:

Unter dem Motto „Geht doch!“ hatten die evangelische und die katholische Kirche, Entwicklungsdienste und Naturschutzverbände zum Mitwandern auf den Pilgerweg für Klimagerechtigkeit eingeladen. Der Start war im Juni am Nordkap. Im September und Oktober führte der internationale Pilgerweg durch Deutschland mit dem Ziel der UN-Klimakonferenz in Paris. Der Weg verband spirituelle Besinnung mit politischem Engagement. Hinzu kamen weitere Aktivitäten von christlichen Kirchen und anderen Religionen aus aller Welt.[1]

Vielleicht haben Sie auch die Klimapilger sträflicherweise übersehen, als sie in bester Absicht auch durch Deutschland zogen. Zu sehr war unser Blick auf die vielen Menschen gerichtet, die aus dem Süden in den Norden pilgerten. Und auf diesen Pilgerwegen werden noch mehr Menschen kommen, als „Klimaflüchtlinge“, wie uns Klimapolitiker und EKD versichern.

Wenn es in einem Gemeinwesen keine handlungsfähigen Strukturen mehr gibt, die sich beispielsweise um ein Bewässerungssystem kümmern könnten, damit die knappe Ressource Wasser optimal genutzt werden kann, liegt das zwar nicht zwingend am Klimawandel, aber mit solchen Kleinigkeiten kann man etwas so Heiliges, wie die richtige Klimapolitik nicht behelligen.

Die Klimapilger wollen schließlich Buße tun, für die eigenen Missetaten des Nordens und erschienen nun am ersten Adventswochenende Anno 2015 zur Andacht in Paris, um den Worten des EKD-Ratsvorsitzenden zu lauschen. Und der dankte den Teilnehmern der Andacht, von denen viele als Klimapilger von Nordeuropa über Deutschland nach Paris gekommen waren. „Wenn wir heute hier in Paris gemeinsam beten, tun wir dieses mit tausenden Menschen, die schon sehr lange für die Klimakonferenz in Paris beten.“ Das Klimapilgern sei ein Zeichen für das Bemühen um eine menschliche Zukunft. „Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht“, verwies Bedford-Strohm auf ein Zitat des Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Klimaschutz mit Bonhoeffer, das muss doch auch die in Paris versammelten Klimapolitik-Skeptiker überzeugen. Diesmal muss es schließlich klappen, mit dem zukunftsweisenden Beschluss, der die Welttemperatur am weiteren Anstieg hindert.

„Hier in Paris wird deutlich: Alle stehen zusammen – Nationen, Generationen und erstmals auch die verschiedenen Religionen“, sagte die stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus: „Wir wollen in dieser existenziellen Frage dasselbe. Das gibt dem Anliegen eines verbindlichen Klimaabkommens eine neue, kraftvolle Dynamik“, so Präses Kurschus, die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Beseelt von dieser kraftvollen Dynamik legen wir die EKD-Pressemitteilung Nr. 238/2015 hoffnungsfroh aus der Hand. Vielleicht wird die „Stabsstelle Kommunikation“, wie die gute alte Pressestelle nun auch bei der Evangelischen Kirche heißt, uns bald auch die Lösung der Klimaprobleme verkündigen können.

[1] Alle kursiv gesetzten Zitate aus: http://www.presseportal.de/pm/55310/3188294

3 Kommentare

  1. JÖKUS

    Wassermangel: Die stille Apokalypse

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  2. JÖKUS

    Reformation in Grün

    Künftig kommen nur noch Menschen mit winzigen ökologischen Fußstapfen in den Himmel…

    Liebe Grüße Euer

    JÖKUS

    Antworten
  3. Andreas Mertens

    „Cynism on“

    Invironmentalist’s Lord’s Prayer

    Our NGO´s in heaven,
    hallowed be your names.
    Your green kingdom come,
    GMO will be done,
    on earth, as it is in heaven.
    Give us our daily menace,
    and forgive us our climate-debts,
    cause we won’t forgive Monsanto.
    And lead us not into fossil-temptation,
    but deliver us from Wallstreet.

    „Cynism off“

    Antworten

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