Lustige Sozialisten

Wenn Jungsozialisten Anträge stellen – so lernen wir – müssen die nicht ernst gemeint sein. Jeder Unsinn wird als ordentlicher Antrag behandelt, da ist auch Platz für Satire. Sie erinnern sich vielleicht, ich hatte an dieser Stelle vor einigen Tagen einen Antrag aus dem Antragsbuch zum Juso-Bundeskongress zitiert, in dem die jungen Genossen aus Sachsen-Anhalt höhere Demonstrations-Honorare für Antifa-Demonstranten forderten (http://sichtplatz.de/?p=4777). Und natürlich denkt man zuerst, dass das nur Satire sein kann. Aber dann kommen doch Zweifel auf, was sicher daran liegt, dass einem älteren Deutschen wie mir vielleicht noch ein zu großer Glaube an die Ernsthaftigkeit von offiziellen Kongressunterlagen innewohnt.

Jetzt nun erfahre ich ganz offiziell, dass die Jungsozialisten bei ihrem Bundeskongress gern zwischendurch auch mal über Satire-Anträge lachen und man nicht alles, was da im Antragsbuch niedergeschrieben ist, ernst nehmen muss. Das mag manche Menschen verunsichern, aber das ist auch ein ganz beruhigender Gedanke. Wer weiß, vielleicht sind ja viele andere Anträge, bei deren Lektüre manch ernsthaften Leser heftiges Kopfschütteln befällt, auch nur zum Lachen gedacht.

Das Juso-Antragsbuch (http://www.jusos.de/sites/default/files/antragsbuch_2015.pdf) eignet sich vielleicht auch zum Ratespiel: Welcher Antrag ist hier noch satirisch gemeint?

Aber zurück zum ursprünglichen Antrag auf höheres Demo-Honorar. Hier kommt die offizielle Auflösung. Zuerst hatte ich den Juso-Pressesprecher gefragt:

Sehr geehrter Herr Melcher,

in Ihrem Antragsbuch zum Bundeskongress 2015 findet sich der Antrag D 7 „Demo-Sold erhöhen – Demokratie stärken“. Ist das Satire? Wenn Sie Satireseiten in ein Antragsbuch aufnehmen, dann sollten Sie diese vielleicht auch als solche kenntlich machen. Wie leicht könnte jemand annehmen, dass Ihre Organisation tatsächlich Demonstranten bezahlt.

Wie ist denn der Bundeskongress mit Antrag D 7 verfahren? Und weil wir gerade bei den dazugehörigen Fragen sind: Wie und in welchem finanziellen Umfang fördern bzw. unterstützen die Jusos Antifa-Demonstrationen und Antifa-Aktionen?

Mit freundlichen Grüßen

Peter Grimm

Und prompt kam die folgende Antwort:

Lieber Herr Grimm,

grundsätzlich behandelt der Bundesverband alle Anträge aus Landesverbänden und Bezirken unterschiedslos und erlaubt sich auch keine Bewertung im Vorfeld des Bundeskongresses. Der von Ihnen genannte Antrag lässt sich m.M.n. allerdings unschwer als Satire ausmachen. Sollten Sie damit Ihre Schwierigkeiten haben, wenden Sie Ihre Kritik bitte an die antragstellende Gliederung.

Und zu Ihren Fragen: Die Jusos verstehen sich als antifaschistisch, insofern engagieren sie sich selbstverständlich gegen Nazis und Rassisten. Aufkleber, Plakate und andere Materialien fallen dabei nicht so einfach vom Himmel, natürlich ergibt sich dadurch ein finanzieller Aufwand.

Viele Grüße

Johannes Melcher

Interessant wäre jetzt, zu erfahren, wie denn die Jungsozialisten mit Satire-Anträgen umgehen? Gilt kollektives Lachen als Ablehnung? Oder besteht manchmal auch die Gefahr, dass ein Satire-Antrag positiv beschieden wird, weil nicht alle Stimmberechtigten erkennen, dass es eine Satire ist? Alle Fragen sind leider noch nicht beantwortet.

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