Der Flüchtlingshelfer von der AfD

Den Vertretern der Bundestagsparteien gilt die ungeliebte Konkurrenz ja als fremdenfeindlich, rassistisch und rechtsextrem. Bestätigt fühlt man sich dann durch manches Zitat des Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, vor allem, wenn der sich über das Fortpflanzungsverhalten des Afrikaners auslässt. Gerade Sozialdemokraten und Linke nennen die Partei gern in einem Atemzug mit der NPD. Das mildeste Adjektiv, das die AfD gemeinhingt angehängt bekommt, ist „rechtspopulistisch“.

Während die Wohlmeinenden ihre Willkommenskultur predigen, fordert die AfD eine Kontrolle und Begrenzung der Zuwanderung. Damit, so die simple Gleichung, ist die Partei ja fremdenfeindlich. Das ist man schnell, denn dazu reicht jegliche Kritik an einer Asylpolitik, die Kommunen und Polizei überfordert, in den Massenunterkünften die Gewalt schürt und unter den Flüchtlingen allein in Sachsen schon 17 Todesopfer gefordert hat.[1]

Aber wenn man die AfD politisch einsortiert, stellt der deutsche Politikbeobachter solche Gedanken hintan. Doch dann gibt es da einen Mann, der irritiert die AfD-Gegner und selbsternannten Flüchtlingsfreunde, so sie ihm denn begegnen. Denn sehr oft trifft man ihn offenbar als Helfer im Flüchtlingsheim Jetzendorf nördlich von München. Er ist auch nicht jemand, der zufällig und ohne zu wissen was er tut, nach dem AfD-Parteibuch gegriffen hat. Andreas Strixner ist immerhin der Landesschatzmeister und einer der Vorstände der AfD in Bayern und er sagt: „Ich bin nicht der einzige in meiner Partei, der sich für Flüchtlinge engagiert.“
Die Autorin Franziska Hofmann hat jüngst ein Interview mit ihm in der Huffington Post veröffentlicht.[2] Und es ist interessant, einmal eine eher selten zur Kenntnis genommene Stimme aus der AfD zu hören. Strixner zu seinem Engagement: „Ich will den Flüchtlingen die Möglichkeit geben, dass sie zumindest eine Perspektive bekommen. Deshalb begleite ich sie bei Behördengängen und helfe bei der Arbeitssuche. Das Problem ist auch: Wenn in einer Flüchtlingsunterkunft die Helfer fehlen, kippt die Stimmung unter den Flüchtlingen ziemlich schnell. Das wollen wir verhindern.“

Der bayerische AfD-Schatzmeister ist sich natürlich bewusst, dass er mit diesem Engagement nicht nur Freunde in der Partei hat: „Es ist natürlich schon so, dass es einige in der AfD gibt, denen mein Engagement nicht passt. Deren Argument ist: ‚Wenn du was tust und dich da engagierst, dann unterstützt du das System – und dann kommen noch mehr rein.‘ Richtig daran ist: Je mehr Flüchtlinge zu uns kommen, je geringer werden zum Beispiel die Jobperspektiven für Flüchtlinge, die schon da sind. Das muss man schon mal offen anschauen.“

Für ihn gibt es eine klare Trennung zwischen dem Flüchtling, dessen Entscheidung nach Deutschland zu kommen, nachvollziehbar und verständlich ist und einer Asylpolitik, die falsche Signale setzt: „Klassische Armutsflüchtlinge zum Beispiel. Sie sagen sich: Ein halbes Jahr Asylgeld in Deutschland ist so viel, wie ich in einem Jahr Zuhause verdiene. Ich mache ihnen da nicht einmal einen Vorwurf, dass sie nach Deutschland kommen – es ist ja menschlich. Aber es ist zum Nachteil der Afghanen, Iraker und Syrer. Die warten wegen der Überlastung der Ämter ewig, bis sie einen Asylantrag stellen können und dann warten sie noch einmal ein bis zwei Jahre, bis der Asylstatus feststeht.“

Und die Schlusssätze von Strixner in diesem Interview klingen nun alles andere als „rechtspopulistisch“: „In Deutschland leben 198 Nationen zusammen und es funktioniert. In meinem Heim akzeptieren sie, wie wir Deutschen leben. Und wir akzeptieren, dass sie am Tag einige Male beten. Hier herrscht Religionsfreiheit, damit habe ich gar kein Problem.

Es gibt Werte in Deutschland und wenn jemand kommt, muss er diese Werte akzeptieren. Wichtig ist: Nicht jeder muss streng nach diesen Werten leben. Die Einwanderer können nach ihrer Kultur leben, mir würde es nicht einfallen, ihnen das zu verbieten.“

Strixners Stimme ist in deutschen Medien kaum zu hören. Sicher ist sie für die AfD nicht repräsentativ. Aber das ist Björn Höcke auch nicht und der ist derzeit wahrscheinlich der meistzitierte AfD-Politiker. Der eignet sich halt besser fürs Feindbild.

[1] http://sichtplatz.de/?p=4855

[2] Alle folgenden Zitate aus: http://www.huffingtonpost.de/2015/12/10/afd-vorstand-asylpolitik_n_8599724.html

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.